14. November 2021 / 14:00 Uhr

„Einfach nur skandalös“: Reaktionen zum Fußball-K.o. im Muldental/Leipziger Land

„Einfach nur skandalös“: Reaktionen zum Fußball-K.o. im Muldental/Leipziger Land

Christian Kluge
Leipziger Volkszeitung
Symbolbild
In der Kreisoberliga Muldental/Leipziger Land werden vorerst keine Fußballschuhe mehr geschnürt. © Leipzig report
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In der Kreisoberliga Muldental/Leipziger Land herrscht wenig Begeisterung über die Unterbrechung der aktuellen Fußball-Spielzeit. Wir haben bei drei Vereinen aus dem Döbelner Raum nachgefragt.

Döbeln. Nach der Komplett-Absage der Männerspiele in der Kreisoberliga Muldental/Leipziger Land bietet sich ein sehr unterschiedliches Bild bei einigen der betroffenen Vereine. Der SPORTBUZZER hat beim SV Ostrau 1990, dem VfB Leisnig und dem Döbelner SC nachgefragt, wie dort die aktuelle Lage ist.

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„Wir bauen noch an unserem neuen Sportlerheim“

Mathias Donath, seit zehn Jahren Trainer beim SV Ostrau, dem aktuellen Tabellenvierten: „Für uns hätte die Saison weitergehen können. Wir hatten bisher Glück und keine Corona-Fälle. Es gab nur einige verletzte Spieler. Aber der Nachholspieltag am Mittwoch ist ja immer noch angesetzt.“ Dann erwarten die Ostrauer im Waldstadion Zschaitz um 14 Uhr den Spitzenreiter BSV Einheit Frohburg. Auch drei weitere Nachholspiele sind am Buß- und Bettag bislang geplant.

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Der Grund, warum die Ostrauer schon seit dem Saisonstart ihre Heimspiele in Zschaitz austragen und nicht auf dem heimischen Platz, ist simpel. „Wir bauen noch an unserem neuen Sportlerheim“, erklärt Donath. „Und am Samstag haben wir die Spielabsage gleich zu einem Arbeitseinsatz dort genutzt. Aktuell wird gemalert und draußen Pflaster verlegt.“ Viele Akteure aus dem 21-köpfigen Kader der Ostrauer waren dabei am Start. „Wir haben eine gute Mischung aus jungen und alten Spielern. Auch einige A-Jugendliche haben sich bei den Männern durchgesetzt. Das gibt Hoffnung für die Zukunft.“


„Eine Entscheidung dazu musste jetzt fallen“

Bei den Ostrauern kommt also auch ohne Fußball erstmal keine Langeweile auf. Bei den anderen Teams sicher auch nicht, aber der Ärger über die neuerliche Saison-Unterbrechung ist schon groß. Thomas Kupper, seit 2020 zurück auf der Trainerbank des Döbelner SC: „Für die sportliche Wertigkeit der Saison ist das eine Katastrophe. Jeder hat sich ja gewünscht, dass alles normal über die Bühne geht. Dass die ganze Serie 2021/22 gespielt werden wird, halte ich für unwahrscheinlich. Wir haben im Männerteam aktuell sechs Spieler, die wegen Corona oder damit verbundener Quarantäne ausfallen. Zum Glück alles keine schweren Fälle.“

Das Döbelner Team ist mit einem Durchschnittsalter von nur 20 Jahren noch dabei, sich zu festigen und weiterzuentwickeln. Dennoch steht die Kupper-Truppe derzeit mit 18 Punkten aus zehn Spielen auf einem guten sechsten Tabellenplatz. Was sagt der Chefcoach eigentlich zu den ständig steigenden Corona-Zahlen. „Das Virus freut sich immer über viele Menschen auf engem Raum“, sagt Thomas Kupper. „Eine Entscheidung dazu musste jetzt fallen. Aber zu 100 Prozent richtig wird sie nie sein.“

„Noch ein Saisonabbruch – das kann nicht gut gehen“

Was wohl die meisten Amateursportler befremdet, ist die Einstufung ihres Sports als „private Zusammenkunft“. Jörg Lippert, Präsident des VfB Leisnig: „Das ist einfach nur skandalös. Und bei Sport im Außenbereich gibt es keine große Problematik mit der Ansteckung.“

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Zu diesem Ergebnis kam auch eine Studie, die am 7. November im Internetportal fussball.de veröffentlicht wurde. Dort heißt es: „Beim Fußballspielen besteht nur ein sehr geringes Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Dies ist das Ergebnis einer umfangreichen Studie, die eine Forschergruppe unter der Leitung von Dr. Florian Egger und Prof. Dr. Tim Meyer vom Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes und unter Mitwirkung von Dr. Oliver Faude vom Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit der Universität Basel im Auftrag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) durchgeführt hat. Die Forschungsarbeit wurde jetzt im hochrenommierten British Journal of Sports Medicine publiziert.“

„Im Männerteam hatten wir bisher keinen direkten Corona-Fall“, bestätigt auch VfB-Präsident Jörg Lippert. „In Spielgemeinschaften kam das schon vor. Aber bei Kindern beispielsweise merkt man ja ohne Test oft kaum etwas von einer Corona-Infektion. Allerdings ist es für die Vereine ein wahnsinniger Mehraufwand, wenn sie vor den Spielen ermitteln müssen, wie viele Ungeimpfte dabei sind. Aber noch ein Saisonabbruch – das kann nicht gut gehen.“