28. Dezember 2019 / 08:44 Uhr

Einfaches Erfolgsrezept beim Leipziger Judo-Stützpunkt: Hartes Training

Einfaches Erfolgsrezept beim Leipziger Judo-Stützpunkt: Hartes Training

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Trainer Mike Göpfert (r.) / Trainer Udo Quellmalz

Training beim Judoclub Leipzig (JCL) am 10.12.2019.
Udo Quellmalz (l.) und Mike Göpfert beim gemeinsamen Training am Leipziger Judo-Stützpunkt. © Christian Modla
Anzeige

Am Leipziger Judo-Stützpunkt haben Olympiasieger Udo Quellmalz und Mike Göpfert das Zepter übernommen. Ein Gespräch über gesellschaftliche Veränderung, Motivation und den Umgang mit Athleten.

Leipzig. Am Leipziger Judo-Stützpunkt soll es nach Jahren der Stagnation wieder aufwärts gehen. Kein geringerer als Olympiasieger und Doppelweltmeister Udo Quellmalz (52) hat zu Saisonbeginn die Stelle des leitenden Landestrainers mit Schwerpunkt Nachwuchs übernommen. Seit Dezember führt er gemeinsam mit dem ehemaligen JCL-Judoka und zweifachen deutschen Meister Mike Göpfert (42) das Trainerteam an. Quellmalz sammelte internationale Erfahrung als erfolgreicher Coach in England und Österreich. Göpfert war Landestrainer in Thüringen. Beim Gespräch mit dem Duo kam LVZ-Redakteur Frank Schober kaum zu Wort – Quellmalz und Göpfert warfen sich gegenseitig die Bälle zu.

Anzeige

Weht schon ein frischer Wind durch die Judohalle? Und wie klappt die Zusammenarbeit zwischen Ihnen?

Udo Quellmalz: Wir sind auf der gleichen Wellenlänge, stehen beide auf dem Standpunkt: Man kann zwar viele wissenschaftliche Sachen machen. Aber wenn man oben ankommen will, muss man in erster Linie hart trainieren – wie in anderen Sportarten auch.

Mike Göpfert: Es ist unglaublich reizvoll, mit dem besten deutschen Judoka zusammenzuarbeiten, das ist eine riesige Motivation für mich. Wir wollen, dass sich die Sportler reinhängen, dass sie an ihre Grenzen gehen, da gibt es keine zwei Meinungen. Es ist toll, Udos Kompetenz täglich zu erleben und nicht nur davon zu hören.

Anzeige

Quellmalz: Ich habe schon vieles gesehen, in England und Österreich als Trainer gearbeitet. Von den Bedingungen her ist es in Leipzig top. Es gibt also keine Ausreden, nicht gut zu werden. Wir brauchen eine Truppe, die zusammenhält und Dinge macht, die nicht immer nur Spaß machen. Da musst du aus einem gewissen Holz geschnitzt sein.

Göpfert: Vor dem Erfolg stehen Schweiß, Blut und Tränen. Das kann man mal auf die spaßige Art und Weise mit einem Spruch rüberbringen. Aber bei uns wird hart gearbeitet. Wir spielen auch nicht Bad Cop und Good Cop. Unsere Charaktere werden sich gut ergänzen, wir werden jeder auf seine Weise auf die Sportler eingehen.

Quellmalz: Ich lasse zwar ab und an den Lockeren raushängen. Aber in meiner aktiven Zeit war es anders, da war hartes Schleifen angesagt. Bei der Frage, was ist Leistungssport, da gibt es teilweise unterschiedliche Vorstellungen der Sportler und Eltern. Wir wollen schon in diesem Winter erfolgreich sein, bei den deutschen Meisterschaften im Januar in Stuttgart, aber auch zu Hause bei der U18-DM Ende Februar und eine Woche später bei der U21-DM was reißen.

Göpfert: Ich habe ja in Leipzig zuletzt gewisse Dinge kritisch gesehen, dazu stehe ich auch. Die Übergänge zur nächsthöheren Altersklasse funktionieren. Dies hatte ich vor einiger Zeit – aus meiner Betrachtung von außen – noch anders gesehen. Die Trainingsgruppenstruktur passt. Wir müssen alle Altersklassen im Blick behalten, nur so können wir hier am Stützpunkt Leistung generieren.

Quellmalz: Es geht nicht um uns oder unsere Selbstprofilierung. Uns ist es wichtig, dass Leipzig und Sachsen wieder vorn dabei ist in der U18 und U21, das wäre ein Anfang. Die Sportler müssen aber selbst wollen, kreativ sein, sich über Weihnachten selbst motivieren, laufen zu gehen und an ihrer Fitness zu arbeiten.

Göpfert: Ich möchte, das wir einen gemeinsamen Fußabdruck hinterlassen, das Ganze mit dem Trainerteam nach vorne bringen. Wir möchten hier einen Neustart hinlegen, das hat in den ersten drei, vier Wochen gut geklappt. Ich bin offen empfangen worden. Es war sicher nicht alles schlecht in den letzten Jahren, aber ich erhoffe mir die Rückkehr zu alten Tugenden. Ich habe in Thüringen 13 Jahre Berufserfahrung gesammelt, werde also auch neue Dinge reinbringen. Udo bringt seine internationale Erfahrung ein. Wir werden nicht eins zu eins alles so machen wie in den 80ern und 90ern.

Quellmalz: Das Problem heutzutage ist doch: Wenn die Schule zu Ende geht, wie bringt man als Sportler Beruf und Training in Einklang? Um das Topniveau zu erlangen, ist es ein langer Weg. Da braucht man viel Ausdauer.

Mehr zu Sportmix Leipzig

Kleine Zwischenfrage: Was hat sich seit Ihrer aktiven Zeit geändert?

Göpfert: Grundsätzlich muss man mit den Sportlern anders umgehen aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen.


Quellmalz: Das stimmt, wir müssen einen anderen Ton treffen als früher. Das ist hier kein Army Drill Bootcamp. Wir wollen die Sportler zur Eigeninitiative erziehen. Du kannst im Leistungssport vieles richtig machen und hast ein bestimmtes Ziel. Aber du weißt nie, wie es ausgeht.

Göpfert: Früher hattest du eine gewisse Masse an Sportlern. Und dann ist einer übrig geblieben, der es geschafft hat. Die Zeiten sind anders. Der Trainer ist auch transparenter und ein Stück angreifbarer. Da können wir nicht wilde Sau spielen. Es ist ein schmaler Grat, die Sportler mitzunehmen, dass sie den steinigen Weg mit uns gehen wollen.

Quellmalz: Ich hatte es einfach – ich hatte Erfolg. Ich brauchte keinen Sportpsychologen. Ich habe mich immer an den Besseren und Älteren orientiert, habe im Training auch mit den Unangenehmen gekämpft und nicht mit denen, die keinen Bock haben. Du darfst im Leistungssport nicht den Weg des geringsten Widerstandes gehen.

Göpfert: Genau, nur über Reibung entsteht Energie. Es gibt immer einen, der über dir steht, es muss eine gesunde Struktur geben, wo sich der jüngere Sportler mit den älteren misst. Aber auch umgekehrt ist es wichtig, wenn die Jüngeren von unten drängeln.

Quellmalz: Die interne Konkurrenz war zu meiner Zeit viel höher. Ich habe als Junioren-Europameister vier Jahre gebraucht, um auch in Leipzig die Nummer eins zu sein.

Göpfert: Wir wollen die Trainingsgruppen wieder mehr zusammenführen. Die 16-Jährigen sollen sich schon an Daniel Herbst und Hannes Conrad messen.

In welchem Zustand haben Sie den Stützpunkt vorgefunden?

Quellmalz: Es gab in der letzten Zeit viele Trainerwechsel und wenig Kontinuität. Aber wir haben engagierte, junge und gute Trainer. Und bei den Sparrings am Abend sind schon wieder mehr Athleten auf der Matte als vorher. Wir brauchen bei allem Ehrgeiz auch Geduld, von Tokio 2020 sind wir weit weg. Aber wir stellen uns große Ziele. Wir wollen nicht auf der Vergangenheit rumhacken und machen keinen auf Ober-Guru. Wir können alle viel voneinander lernen.

Göpfert: Das stimmt. Wir können nicht zaubern, Leistungssport ist Teamarbeit, zu Erfolg und Niederlage gehören alle im Team.

Quellmalz: Ich war und bin extrem ehrgeizig. Das heißt nicht, dass man total verbissen rumrennen muss und keinen Spaß macht.

Wie ist Ihre Arbeitsteilung?

Quellmalz: Mike ist mehr Ansprechpartner für die Älteren, ich für die Jüngeren. Wir sitzen aber in einem Büro, arbeiten zusammen, machen gemeinsames Training, aber auch viel individuell.

Können Sie von Ihrem bisherigen Job starke Judoka für den Stützpunkt gewinnen?

Göpfert: In der Zusammenarbeit in Mitteldeutschland können wir vieles besser machen als zuletzt. Die Thüringer und ich sind im Guten auseinandergegangen, ich habe auch einen guten Draht nach Sachsen-Anhalt. Wir müssen selbst mit Leistung überzeugen, erst dann können wir den Finger heben, um Sportler von außen zu holen.

Quellmalz: Wenn du erfolgreich bist, zieht das automatisch andere an.

Göpfert: Udo und ich sind zwei Ur-Leipziger. Wir wollen hier erst mal intern ein höheres Level erreichen. Das strahlt dann auch nach außen.

Quellmalz: Reden ist Silber, Machen ist Gold. Auf die Umsetzung kommt es an. Es gibt so einen Spruch: Durch hartes Training kannst du die Notwendigkeit des Glücks reduzieren. Das klingt zwar blöd, aber es stimmt. Es ist toll, Udos Kompetenz täglich zu erleben undnicht nur davon zu hören.

[Anzeige] Alle Spiele der Fußball WM live und exklusiv bei MagentaTV. Mit dem Tarif MagentaTV Flex für nur 10€ pro Monat, monatlich kündbar.