28. Juni 2018 / 08:22 Uhr

Einheit Frohburg legt beeindruckende Serie hin

Einheit Frohburg legt beeindruckende Serie hin

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Dauerbrenner: Christian Geißler (rechts) stand in allen 26 Saisonspielen für Einheit Frohburg auf dem Rasen. Hier versucht ihn der Böhlener Steffen Scharf zu stoppen.
Dauerbrenner: Christian Geißler (rechts) stand in allen 26 Saisonspielen für Einheit Frohburg auf dem Rasen. Hier versucht ihn der Böhlener Steffen Scharf zu stoppen. © Andreas Döring
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Kreisoberliga-Fußballer gelangen mit Ehrgeiz und Spaß zur Meisterschaft. 

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Frohburg. Eine atemberaubend gute Saison haben die Kreisoberliga-Fußballer des BSV Einheit Frohburg auf den Rasen gelegt. Wer 22 Spiele in Folge ungeschlagen bleibt, ist ohne Frage ein würdiger Meister. Ein Titel, mit dem die Rennstädter Experten wie Laien überraschten. Bereits mit dem dritten Rang vor einem Jahr hatten die Einheit-Kicker für Furore gesorgt. Nun ist es ihnen tatsächlich gelungen, noch einige Schippen drauf zu packen und den Triumph perfekt zu machen. Dass auf den Aufstieg in die Landesklasse verzichtet wurde und das Pokalendspiel nach einem dramatischen Elfmeterschießen verloren ging, ist ein kleiner Wermutstropfen.

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Die Serie startete mit drei Auswärtsbegegnungen, von denen zwei in die Hose gingen. Doch beginnend mit der ersten Heimpartie am 23. September wurde das Feld von hinten aufgerollt. Überhaupt entwickelte sich das heimische Werner-Seelenbinder-Stadion, dem man wie dem Verein seine 61 Jahre nicht ansieht, zur Festung. Einen Dreier vom idyllischen Gelände an der Wyhra zu entführen, gelang keinem Gegner.

Die mit 90 geschossenen Toren stärkste Offensivabteilung der Staffel war ein weiterer Garant. Das Quartett Philipp Jacob, Christian Geißler, Florian Schütze und Jona Anders steuerte allein 64 Treffer bei. Die Stabilität in der Mannschaft speiste sich auch aus der Tatsache, dass es nur wenige personelle Ausfälle im recht kleinen Kader gab. Elf Spieler bestritten 21 Begegnungen und mehr, Christian Geißler war in allen 26 dabei. Nicht zu vergessen die saubere Spielweise und die sportliche Disziplin, die mit Rang eins in der Fairnesswertung belohnt wurde.

Tom Krauspe ist der Architekt des Erfolges​

Allesamt Tugenden, auf die Trainer Tom Krauspe größten Wert legt. Der 48-jährige ist gewissermaßen der Architekt des Erfolges. Bei Lok Leipzig begann seine eigene fußballerische Laufbahn, die Kinder- und Jugendsportschule war sein zweites Zuhause. Dann wechselte er nach Böhlen, schaffte dort 1990 den Aufstieg in die DDR-Oberliga. Nach einem Abstecher zu Motor „Fritz Heckert“ Karl Marx-Stadt (später VfB Chemnitz) in die DDR-Liga kehrte er an die Pleiße zurück. Bei den Chemikern kickte er nochmals sechs Jahre, drei davon in der Landesliga.

Seine nächste Station war der damalige Bezirksklassist Thierbach, wo er in elf Jahren beinahe Wurzeln schlug. Am Ende dieser Zeit fungierte er als Spielertrainer. Danach gab er bis 2012 bei seinem alten Verein in Böhlen an der Seitenlinie die Kommandos. Es folgten zwei Jahre in Lobstädt, wo er neben seiner Co-Trainer-Funktion auch wieder auf dem Platz zu erleben war.

Im Jahr 2014 nahm er die Herausforderung als Coach in Frohburg an, wo es ihm gelang, das Team Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Nach den Plätzen elf, sieben und drei konnte er mit seinen Jungs als Belohnung harter Arbeit nun die Meisterschale in Empfang nehmen – weil die Truppe (der Vereinsname ist quasi Programm) zu einer Einheit zusammengewachsen ist.

Klare Meinung zum Aufstiegsverzicht​

Der stets die nötigen Impulse setzende Krauspe ist stolz auf deren Engagement: „Die Mannschaft ist mit unheimlich viel Ehrgeiz und Spaß bei der Sache. Wir haben gemeinsam Steinchen für Steinchen zu einem Mosaik zusammen gefügt. Die Mannschaft hat sich mit meinem Spielsystem voll identifiziert und es prima umgesetzt.“ Selbst im Pokalfinale gegen Roßwein, wo man erst vom ominösen Punkt aus den Kürzeren zog, war das so „Wir hatten den Gegner am Rande der Niederlage, besaßen konditionelle Vorteile. Elfmeterschießen ist dann immer Lotterie. Aber das wirft uns nicht um.“

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Auch zum Aufstiegsverzicht hat Krauspe eine klare Meinung: „Wir haben viele junge Akteure, denen es noch an Erfahrung im Männerbereich fehlt. Da hätte die Gefahr bestanden, dass wir eine Etage höher zum Spielball werden. Zumal mit Routinier Andre Thieme ein absoluter Leistungsträger die Töppen an den Nagel hängt.“ Also eine Entscheidung der Vernunft, die im Zusammenwirken aller Beteiligten getroffen wurde, wenngleich es für die Region ein wenig schade ist. Völliges Neuland wäre die Landesklasse für den BSV nicht gewesen. Von 1990 bis 1994 bereicherten die Frohburger die frühere Bezirksliga. Davor und danach wurde sechs beziehungsweise drei Jahre in der Bezirksklasse mitgemischt.

Nach einer Saure-Gurken-Zeit in der Kreisliga A gelang 2011 unter Coach Holm Ludwig wieder der Sprung nach oben, pünktlich zum Start der jetzigen Kreisoberliga. Einer, der früher selbst auf der Trainerbank saß und den Verein über Jahrzehnte entscheidend prägte, ist der bis vor kurzem als Präsident amtierende Dietmar Perl. Der 74-jährige ist mit seiner „Einheit“ jung geblieben, nun freut er sich fast wie ein Kind über den Erfolg: „Das ist ein Riesending, das keiner für möglich hielt. Alles hat gepasst, ich bin richtig glücklich. Die Kameradschaft in der Mannschaft ist fantastisch, so ein super Team hatten wir lange nicht mehr. Ich wünsche mir, dass die Truppe weiter so zusammenhält.“ Apropos Zukunft. Als nächstes hoffen „Perle“ und seine (ehemaligen) Mitstreiter beim BSV darauf, dass aus dem Projekt „Kunstrasen in Eschefeld“ Wirklichkeit wird. Es wäre ein weiterer Meilenstein.