22. April 2020 / 18:09 Uhr

Einheit-Kamenz-Trainer Frank Rietschel: "Meister in einer kleinen Relegation ausspielen"

Einheit-Kamenz-Trainer Frank Rietschel: "Meister in einer kleinen Relegation ausspielen"

Jürgen Schwarz
Dresdner Neueste Nachrichten
Einheits Trainer Frank Rietschel (Mitte) will mit seiner Mannschaft in die Oberliga.
Einheits Trainer Frank Rietschel (Mitte) will mit seiner Mannschaft in die Oberliga. © Steffen Manig
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Im SPORTBUZZER-Interview spricht Einheit-Trainer Frank Rietschel über seine Familie, einen möglichen Saisonabbruch in der Landesliga und seine Zukunft als Trainer in Kamenz.

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Die Saison in der Fußball-Landesliga steht kurz vor dem Abbruch, sagen Insider. Bisher hat der Sächsische Fußball-Verband (SFV) lediglich angekündigt, eine Fortsetzung der Meisterschaft mindestens 14 Tage vorher anzukündigen. Beim Spitzenreiter SV Einheit Kamenz wurde am 12. März zum letzten Mal trainiert. Die Lessingstädter spielten in dieser Saison in einer eigenen Liga, haben bereits elf Zähler Vorsprung auf den Tabellenzweiten FC 1910 Lößnitz. Zudem sind die Kamenzer der einzige Verein, der für die NOFV-Oberliga 2020/21 gemeldet hat. Trainer Frank Rietschel (49) ist dennoch skeptisch.

Herr Rietschel, wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?

Danke, es geht uns sehr gut. Meine Frau Anja und ich gehen weiterhin arbeiten, fahren täglich nach Bautzen. Unsere Söhne, der 14 Jahre alte Ricardo und der 17 Jahre alte Niclas, sind zu Hause, weil das Gymnasium und die Fachoberschule in Kamenz geschlossen sind. Sophia ist fünf und auch daheim, weil der Kindergarten geschlossen ist. Wir müssen viel koordinieren, bekommen es aber gut hin. Die Jungs sind nachmittags meistens auch da, weil sie leider nicht zum Fußball-Training können.

Wo spielen Ihre Söhne?

Niclas spielt mit den A-Junioren von Budissa Bautzen in der Landesliga, hat auch schon bei der ersten Männer-Mannschaft mittrainiert. Während er die Außenbahn beackert, ist Ricardo als Innenverteidiger unterwegs, spielt derzeit in der C-Jugend der Spielgemeinschaft Crostwitz/Nebelschütz.

Wohnen Sie in Nebelschütz?

Ja, wir haben 2003 dort ein Haus gebaut. Ich bin mit 32 damals von Sachsen Leipzig zu Budissa Bautzen gewechselt, habe dort unter Trainer Thomas Hentschel gespielt.

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Später kreuzten sich Ihre Wege erneut. War das 2013?

Ja, vor sieben Jahren habe ich als Trainer in Kamenz angefangen, war dort der Nachfolger von Thomas Hentschel. Er ging zurück nach Bautzen und stieg mit Budissa ein Jahr später in die Regionalliga auf.

In dieser Landesliga-Saison gab es ein direktes Trainerduell. Erinnern Sie sich?

Ja, natürlich. Thomas ist im Vorjahr zum dritten Mal als Trainer bei Budissa eingestiegen, musste nach dem Abstieg aus der Regionalliga und dem freiwilligen Oberliga-Verzicht eine neue Mannschaft aufbauen. Daher weiß ich unseren 7:1-Sieg vom November 2019 richtig einzuordnen. Aber gefreut haben wir uns über den deutlichen Derbysieg selbstverständlich.

In der kommenden Saison wird Einheit Kamenz eine Klasse höher spielen. Oder gibt es neue Signale der Vereinsführung?

Wir haben für die Oberliga gemeldet, aber das war vor der Corona-Pandemie. Unser Statement war immer, dass wir keinerlei finanzielle Risiko eingehen werden. Sportlich wollen wir Trainer, also Dirk Rettig und ich, sowie unsere Spieler unbedingt aufsteigen. Finanziell kann ich das aktuell nicht beurteilen. Eine Aussage dazu kann nur unser Präsident tätigen. Für die Mannschaft steht jetzt erst einmal die Frage, ob und wie es sportlich weitergeht.

Was denken Sie?

Es wird eng und ich denke, dass wir die komplette Serie bis zum 30 Juni nicht mehr durchbringen. Für uns wäre ein Abbruch nach dieser starken Hinrunde sehr bitter. Vielleicht gibt es eine andere Lösung.

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Woran denken Sie?

Sollte die Zeit nicht reichen, könnte man den Meister in einer kleinen Relegation ausspielen. Der Erste gegen den Vierten, der Zweite gegen den Dritten. Und dann ein oder zwei Endspiele zwischen den Siegern. Dann hätte dieser Meistertitel einen sportlichen Wert. Mir wäre das lieber, als wenn sich der Verband jetzt hinstellt, abbricht und meint, wir sind der Meister. Wir wollen einen sportlichen Abschluss!

Sie sind jetzt sieben Jahre Trainer in Kamenz, waren mit Einheit schon einmal in der Oberliga. Verspüren Sie auch mal Lust auf eine sportliche Veränderung?

Wir haben seine sehr starke Mannschaft, die Jungs ziehen unglaublich gut mit. Dirk Rettig und mir macht die Arbeit großen Spaß. Trotzdem kann ich Ihnen derzeit nicht sagen, ob ich ab 1. Juli noch Trainer in Kamenz bin. Würden wir in die Oberliga gehen, wäre das keine Frage. Ich werde mich bis Ende der Woche entscheiden, die Vereinsführung will es ja auch wissen.

Zuletzt kamen Gerüchte auf, auch ein Rückzug in die Landesklasse würde innerhalb der Vereinsführung diskutiert. Was sagen Sie dazu?

Davon weiß ich nichts und kann es mir auch nicht vorstellen. Wer meldet denn für die Oberliga und geht dann freiwillig in die Landesklasse?! Auch Corona sollte für so eine Entscheidung nicht herhalten müssen. Aber wie schon gesagt, solche Pläne sind mir nicht bekannt.

Würden Sie in der Landesklasse als Einheit-Coach weitermachen?

Nein.