27. Februar 2014 / 09:04 Uhr

Einsatzstunden der Polizei: Dynamo Dresden auf dem Spitzenplatz

Einsatzstunden der Polizei: Dynamo Dresden auf dem Spitzenplatz

Franziska Schmieder
SPORTBUZZER-Nutzer
Dynamo-Fans werden von der Polizei als Problemfans gehandelt. USER-BEITRAG
Dynamo-Fans werden von der Polizei als Problemfans gehandelt. © dpa
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Der Dresdner Profifußball-Club ist der Verein, mit dem die Polizei bundesweit am meisten zu tun hat.

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Dresden. Dynamo-Kritiker haben es schon immer geahnt und Anhänger der Mannschaft bestenfalls befürchtet: Der Dresdner Profifußball-Club ist der Verein, mit dem die Polizei bundesweit am meisten zu tun hat. 61 700 Stunden waren die Beamten in der vergangenen Fußballsaison im Einsatz, um Dynamo-Spiele abzusichern. Diese Zahl hat das MDR-Nachrichtenmagazin exakt ermittelt. Kein anderer deutscher Fußballclub hat die Beamten mehr beschäftigt. Das gilt für alle drei Profiligen, also auch die 1. Bundesliga, in der Clubs mit deutlich mehr Fans in deutlich größeren Stadien als dem Dresdner Oval spielen. Zum Vergleich: Für die erste und die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund musste die Polizei in der vergangenen Saison 54 400 Stunden arbeiten, für den FC Bayern München 44 600 Stunden.

Randale nach Fußballspielen, die so genannte dritte Halbzeit, ist in Dresden selten geworden. Allerdings heißt das nicht, dass die Dynamo-Anhänger friedlicher geworden sind. Das vergangene Wochenende hat das Gegenteil bewiesen. Da wurde der Bus von St. Pauli am Straßburger Platz mit Flaschen beworfen und in der Äußeren Neustadt eine Kneipe attackiert, die Sympathien für den Hamburger Zweitligaclub hegt. Solche Angriffe sind Anlass für die Polizei, Dynamofans zu den Problemfans zu zählen und Auftritte der Mannschaft häufig in die Kategorie der Brisanzspiele einzuordnen. Dabei handelt es sich um Fußballbegegnungen, bei denen sich nach Einschätzung der Ermittler verfeindete Fans begegnen und aufeinander losgehen könnten. Insbesondere Ost-Derbys gehören zu dieser Kategorie, zum Beispiel Dynamo-Spiele gegen Aue und Cottbus.

„Das ist völlig inakzeptabel“, kommentierte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt die vom MDR ermittelten Zahlen. Dynamo müsse sich „deutlich mehr in der Pflicht sehen, die Einsatzstunden der Polizei zu reduzieren“. Laut seiner Gewerkschaft kosten die Dynamo-Einsätze der Polizei pro Saison wenigstens 6,8 Millionen Euro. Steuergeld, das nicht ausschließlich von Fußballfans stammt, schon gar nicht nur von Dynamo-Anhängern. „Dem Steuerzahler ist eine solch hohe Belastung nicht mehr zuzumuten“, meint Wendt. Die neue Forderung der Dresdner FDP, Dynamo aus der Stadtkasse und damit ebenfalls mit Steuergeld dauerhaften zu unterstützen, hatte Wendt bei dieser Einordnung noch gar nicht mit im Blick.

Die Dynamo-Verantwortlichen sehen das erwartungsgemäß ganz anders. „Ich glaube, dass uns das nicht weiter bringt, immer mit dem Finger auf die anderen zu zeigen“, meint der Aufsichtsratsvorsitzende der SG Dynamo Dresden, Thomas Blümel. Polizei, Politik, Justiz und die Fußballvereine könnten nur gemeinsam Erfolg haben.

Im Zusammenhang mit dem Angriff gegen den St. Pauli-Bus am vergangenen Wochenende erwähnt der Verein auf seiner Website, im An- und Abreisekonzept werde allen Gastmannschaften unter Polizeischutz eine andere Route zur Autobahn empfohlen. So solle „die an Spieltagen sehr frequentierte Kneipe am Straßburger Platz“ umfahren werden. Bei diesem Lokal handelt es sich um eine Stammkneipe von Dynamo-Fans. Diese Empfehlung kann man auch so deuten: Die Fans der SGD sehen es offenbar als völlig legitim an, gegnerische Fußballmannschaften (und deren Anhänger) gewalttätig anzugreifen. Im Umkehrschluss bedeutet das auch – Polizeieinsätze zu deren Schutz hält der Verein für unumgänglich. Und den Versuch, seine Anhänger zu einem zivilisierteren Verhalten zu bewegen, für vergebliche Mühe.

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