29. Mai 2019 / 14:58 Uhr

Einsicht beim VfL Wolfsburg: "Kader war zu teuer!"

Einsicht beim VfL Wolfsburg: "Kader war zu teuer!"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Tim Schumacher erklärt die Zahlen des VfL Wolfsburg
Tim Schumacher erklärt die Zahlen des VfL Wolfsburg © Boris Baschin
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Gemessen an seinem sportlichen Erfolg hat der VfL Wolfsburg in der Vergangenheit viel zu viel Geld ausgegeben. Diese wenig überraschende Erkenntnis wird durch Bilanz-Zahlen untermauert, die die DFL am Mittwoch veröffentlicht hat.

Zum ersten Mal legte die DFL jetzt Bilanzzahlen der Klubs aus der 1. und der 2. Liga öffentlich vor. Dass diese Zahlen nicht mehr unter Verschluss bleiben, haben die Klubs in einer Abstimmung selbst entschieden - gegen den Willen des VfL Wolfsburg und anderer Klubs übrigens, die sich dem Mehrheitsvotum beugen mussten. Die jetzt veröffentlichten Zahlen beziehen sich nicht auf die abgelaufene Saison, sondern auf die Spielzeit 2017/18, die für den VfL mit der Relegation gegen Kiel geendet hatte. Unterm Strich erwirtschaftete der Wolfsburger Fußball-Bundesligist in der betreffenden Saison ein sattes Minus von fast 20 Millionen Euro.

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Der VfL Wolfsburg machte 19,7 Millionen Euro Verlust

Hauptgrund für die 19,7 Millionen Euro Miesen sind Personalkosten von 127,9 Millionen (genau: 127.873.000) Euro - das ist Platz drei in der Liga hinter Bayern (315 Millionen) und Dortmund (186,7). In dieser Summe stecken zwar alle Angestellten, vom Platzwart über die Sekretärin bis zur U23 und dem Frauenteam, aber die Bundesliga-Profis (und ihre Trainer und ihr Staff) machen mit rund 100 Millionen den mit Abstand größten Teil aus - und das für eine Mannschaft, die 2018 die Bundesliga auf Rang 16 beendet hat. „Uns ist bewusst, dass diese Zahl nicht gering ist", so VfL-Finanzgeschäftsführer Dr. Tim Schumacher, "und nicht einhergegangen ist mit dem sportlichen Erfolg.“

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VfL Wolfsburg: Die Zahlen ©

Gut: Der VfL versuchte gar nicht erst, die Zahlen schön zu reden. Schumacher: „Wir hatten einen Kader, der für einen Relegationsplatz zu teuer war!“ Und zu teuer ist - nicht ohne Grund haben Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer zuletzt immer wieder darauf hingewiesen, dass die wirtschaftlichen Möglichkeiten begrenzt sind. Was auch daran liegt, dass teure Spieler in Wolfsburg unter Vertrag waren oder sind (wie etwa Jeffrey Bruma oder PG Ntep), die sportlich unter den Erwartungen blieben. Schumacher: "Wir haben den einen oder anderen Spieler, der zu internationalen Bedingungen verpflichtet worden ist, aber vielleicht aktuell sportlich keine Rolle spielt. Wir sind dabei, den Kader zu optimieren."

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"Zahlungen an Berater zu hoch"

Kader optimieren - das ist auch eine Vorgabe von VfL-Eigner VW. Die Fußball-GmbH und Volkswagen sind vertraglich so aneinander gebunden, dass Gewinne und Verluste an den Konzern weitergereicht werden. Sprich: In besonders guten Jahren (wie etwa 2015/16, als der VfL rund 70 Millionen Euro Gewinn machte) geht der Gewinn an VW, in schlechten Jahren trägt VW die Verluste. Bei Verlusten, davon ist auszugehen, gibt es dann schon einmal mahnende Worte an die Tochter. "Uns war bewusst", so Schumacher, "dass wir uns auch wirtschaftlich konsolidieren müssen." Allerdings: Für die gerade abgelaufene Spielzeit ist ein Verlust in ähnlicher Größenordnung wie in der davor zu erwarten. Denn weil Spielerverträge mehrjährig abgeschlossen werden, lassen sich Personalkosten nicht so schnell senken. "Diese Konsolidierung dauert sicher zwei, drei Spielzeiten", so Schumacher. Klar sei nach wie vor: Trotz VW-Engagement lebe man beim VfL Wolfsburg "nicht auf einer Insel der Glückseligkeit". Wichtig vor allem: "Wir müssen ein Gehaltsgefüge haben, das dem sportlichen Erfolg entspricht"

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Zu den Kosten, die unter "Abschreibungen" und "Sonstige betriebliche Aufwendungen" verbucht werden, gehören im übrigen auch die Ausgaben für Spielerberater- und vermittler. Hier liegt der VfL mit 21,6 Millionen Euro an vierter Stelle der Liga - nur Dortmund (40,9 Millionen), Leverkusen (22,7) und der FC Bayern (22,4) gaben mehr aus - wobei Leverkusen nicht nach der Saison, sondern nach dem Kalenderjahr (in diesem Fall 2018) abrechnet. Schumacher: "Die Zahlungen an Berater sind generell insgesamt zu hoch."