20. November 2020 / 22:45 Uhr

Einst einer der Kleinsten, jetzt ist dieser Basketballer Gifhorns Punkte-Riese

Einst einer der Kleinsten, jetzt ist dieser Basketballer Gifhorns Punkte-Riese

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Liefert auf dem Feld regelmäßig starke Leistungen ab: Gifhorns Simon Rosemeyer.
Liefert auf dem Feld regelmäßig starke Leistungen ab: Gifhorns Simon Rosemeyer. © Lea Rebuschat
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Es geht immer höher hinaus. Was für die Basketballer des MTV Gifhorn gilt, gilt auch für Simon Rosemeyer. Der ist zwar erst 22 Jahre jung, aber längst ein alter MTV-Hase.

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Seit seinem sechsten Lebensjahr geht Simon Rosemeyer auf Korbjagd, hat am rasanten Aufschwung der Sparte großen Anteil, führt mittlerweile die Korbjäger-Liste der Landesliga an. 95 Punkte - im Schnitt 23,8 - hat der groß gewachsene BWL-Student in den ersten vier Spielen nach dem Aufstieg auf dem Konto. Dabei gehörte er zum Start seiner Karriere eher zu den Kleinen...

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Eltern spielten für den MTV

Doch der Reihe nach: Basketball war bei Familie Rosemeyer da, bevor Söhnchen Simon da war. Mutter Marion – heute die Spartenleiterin der Schwarz-Gelben – und Vater Thomas haben selbst für den MTV gespielt. „Ich war, wie später auch mein jüngerer Bruder David, immer bei den Spielen dabei, habe schon meinen Vater mit meinem heutigen Trainer Sinisa Pazin spielen sehen“, erinnert sich der treffsichere Spross, mit 1,96 Metern einer der Größten im Team. Doch das war nicht immer so. Im Gegenteil.

„Ich war tatsächlich mit der Kleinste“, erinnert er sich an seine ersten Berührungen mit dem Teamsport im Alter von sechs Jahren. Deshalb ist er gelernter Aufbauspieler - und das beeinflusst auch sein heutiges Spiel, obwohl er längst auf den Flügeln zu Hause ist. „Mit dem Dribbeln ist es wie mit dem Radfahren, das verlernst du nicht mehr“, schmunzelt Rosemeyer. „Simon ist ein echter Allrounder“, sagt auch Gifhorns Teammanager Frank Bühren. Allrounder, weil im Alter von 16, 17 Jahren zunächst der Wachstumsschub („Die Leute, die mich länger nicht gesehen hatten, haben da große Augen bekommen...“) und mit 19 dann die Leistungsexplosion inklusive verbesserter Offensiv-Skills folgten.

Seitdem klettert Gifhorn Jahr um Jahr in den Ligen. Und Jahr für Jahr reifte der Student. „Simon hat in den vergangenen Jahren eine sehr positive Entwicklung genommen“, sagt Bühren und führt aus: „Er ist auch kritikfähiger geworden, akzeptiert Trainer- und Schiri-Entscheidungen. Simon hat gemerkt, dass er da früher Energien verschwendet und den Fokus verloren hat.“

Heute ist er ein Führungsspieler. „Dieser Respekt gibt ihm zusätzliche Sicherheit, Würfe zu nehmen“, sagt Gifhorns Teammanager. Auf seinen Top-Schützen kann der MTV kaum verzichten. „Simon kommt auf fast 35 Minuten Einsatzzeit pro Spiel. Mit seiner Physis kann er das auch.“

Für die schiebt der 22-Jährige Sonderschichten. Nach dem eigentlichen Training powert er sich noch mit Liniensprints aus, mit Bruder David und Boris Colovic, der den besten Gifhorner Punkteschnitt (25) aber weniger Einsätze und Gesamtzähler (50) aufweist, werden zusätzlich Rebounds und Drei-Punkte-Würfe trainiert. „Ich versuche immer, alles aus mir herauszuholen“, so der MTVer.

Auge für Drei-Punkte-Würfe

Das bekommt die Konkurrenz zu spüren. Über Rebounds, gemeinsam mit den noch größeren Mitspielern Leon Johannes und Jaron Steinkamp, geht’s zum Erfolg. Bei Balleroberungen in der Defensive ist Rosemeyer mit Fastbreaks zur Stelle – und hat das Auge für Drei-Punkte-Würfe. „Da hat er eine gute Quote“, lobt Bühren. „Am liebsten spiele ich aber ,Pick and Roll’ mit Leon, der dann vollendet“, sagt der 1,96-Meter-Mann. Dabei blockt ein Spieler für den Ballführenden, um sich dann selbst als Passempfänger freizulaufen und den Wurf abzuschließen. Das erhöht zwar nicht Rosemeyers Punktzahl, hilft aber der Mannschaft. Für ihn ist das das Wichtigste. Denn er ist nicht nur Allrounder und Führungs-, sondern eben auch ein Teamplayer. Selbst neben dem Basketball-Court. Er kümmert sich um Trikots, hat ein Auge auf die Spielerpässe und die Besetzung der Autos bei Auswärtsfahrten. „Und die nicht so Zuverlässigen spricht er auch an“, schmunzelt Bühren und spürt. „Simon mag den MTV.“ Mit Gifhorn will er, wenn wieder gespielt werden darf, in dieser Saison die Klasse halten, mittelfristig den Oberliga-Aufstieg anpeilen.

Und wenn doch mal ein anderer Verein anklopfen sollte? „Ich fühle mich hier wohl, habe hier Freunde, mit denen ich von klein auf spiele. Ein Leben lang beim MTV? Das wäre doch eine coole Sache!“