12. Februar 2021 / 18:49 Uhr

Einst Tausende angelockt: Johannes-Oberscheven-Sportpark des FSV Kitzscher

Einst Tausende angelockt: Johannes-Oberscheven-Sportpark des FSV Kitzscher

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Ehrenamtliche Unterstützung für den FSV Kitzscher im Sommer 2015: Hartmut Wuttke (rechts) und Thomas Götze machen „Klarschiff“ im  Kitzscheraner Stadion.
Ehrenamtliche Unterstützung für den FSV Kitzscher im Sommer 2015: Hartmut Wuttke (rechts) und Thomas Götze machen „Klarschiff“ im Kitzscheraner Stadion. © Peter Krischunas
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Der Johannes-Oberscheven-Sportpark zählt zweifellos zu den traditionsreichsten Sportstätten im Leipziger Land. Er wurde nach einem Wegbereiter der ehemals sehr erfolgreichen BSG Aktivist Espenhain – dem Vorgängerverein des FSV Kitzscher – benannt. Die BSG Aktivist mischte sechs Jahre in der früheren DDR-Liga mit. In Kitzscher hatten außerdem Dr. Horst Slaby oder Joachim Niklasch ihre leistungssportliche Laufbahn begonnen.

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Kitzscher. Im Südwesten von Kitzscher (dort wo nur einen Steinwurf entfernt der Jordanbach in die Eula mündet) bettet sich der reichlich Historie atmende Johannes-Oberscheven-Sportpark in seine von umfangreichem Baumbestand gekennzeichnete Umgebung ein. Vor mittlerweile zwölf Jahren wurde das weitläufige Gelände mit drei Großfeldern nach einer der prägendsten Personen der Fußballgeschichte Kitzschers benannt.

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Wobei die inmitten der Leipziger Tieflandsbucht gelegene Kleinstadt zu DDR-Zeiten auf der Kicker-Landkarte praktisch inkognito unterwegs war, denn Oberscheven war ein entscheidender Wegbereiter für die erfolgreichsten Zeiten der (hier grüßt der damalige Trägerbetrieb) BSG Aktivist Espenhain. Welche 1975 den Aufstieg in die DDR-Liga schaffte, dort bis 1981 mitmischte, auch 1967 und 1985 Bezirksmeister sowie obendrein 1983, 1990 und 1996 (da allerdings bereits als FSV Kitzscher) Bezirkspokalsieger wurde.

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FSV Kitzscher sichert sich mit einem 5:0 über den SV Germania Auligk drei Punkte. Zur Galerie
FSV Kitzscher sichert sich mit einem 5:0 über den SV Germania Auligk drei Punkte. © VM Photography

Oberscheven als späterer Namensgeber der Sportanlage war im Verein nicht nur Spieler und Trainer oder beides gleichzeitig, sondern auch in vorderster Front an der Errichtung des 8000 Besucher fassenden Stadions der Jugend (so hieß das am 2. Juli 1960 eingeweihte Herzstück des Areals mit seinen großzügig gestalteten Zuschauerrängen, der Rundlauf-Aschenbahn und diversen weiteren Leichtathletikanlagen zunächst) beteiligt.

Bekannte Gesichter

Zudem spuckten die legendären Feierabendbrigaden und zahlreiche andere freiwillige Helfer in die Hände, um das höchst anspruchsvolle Bauwerk fertig zu stellen. Welches insbesondere für die legendären Begegnungen in der zweithöchsten Spielklasse des Landes mit durchschnittlichen Besucherzahlen im mittleren dreistelligen Bereich ganz einfach bessere Bedingungen bot als das circa gleichaltrige Otto-Heinig-Stadion in Espenhain (beinahe direkt an der Bundesstraße 95 gelegen) mit seinen gleichfalls drei Plätzen.

So ist es nicht verwunderlich, dass für die Kitzscheraner Arena ein Zuschauerrekord von 3500 überliefert ist. Er stammt aus dem Jahr 1967, als die BSG Chemie Premnitz in der Aufstiegsrunde zur DDR-Liga im Revier ihre Visitenkarte abgab. Etwa 2000 Besucher waren am 23. April 1977 im Duell mit der BSG Chemie Leipzig live vor Ort dabei. Die Partien im FDGB-Pokal 1983 gegen die BSG Sachsenring Zwickau (1:4) und 1990 gegen den FC Wismut Aue (0:11) konnten da nicht einmal annähernd mithalten.

Umfangreiche Sanierungsarbeiten

Doch nicht nur die Vorgängervereine der heutigen Zweit-beziehungsweise Drittligisten liefen in Kitzscher auf dem grünen Rasen auf, auch im Espenhainer Trikot selbst steckten bekannte Gesichter. So zum Beispiel Hans-Jürgen Naumann, der zuvor Einsätze in der DDR-Junioren-Auswahl, der DDR-Olympiamannschaft und sogar einen in der A-Nationalelf der DDR (1968 in Santiago de Chile beim 2:2 gegen die CSSR) verbuchen konnte. Dr. Horst Slaby (1964 DDR-Meister mit der BSG Chemie Leipzig) startete hier seine bewegte Karriere, auch die DDR-Oberligaakteure Fritz Weniger (ebenfalls BSG Chemie Leipzig) und Joachim Niklasch (1. FC Lok Leipzig) schlüpften ins schwarz-gelbe Dress.

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Sie alle sorgten für jahrelange fußballerische Qualität in der Sportstätte an der Lärchenstraße. Der benachbarte Parksportplatz bietet 2000 Fans Platz und verfügt wie sein große Bruder unter anderem über einen markanten Sprecher-Turm. Das Ausweichobjekt ist obendrein mit einer Flutlichtanlage ausgestattet, womit auch der dazwischen liegende und für Trainingszwecke vorgesehene Hartplatz punkten kann. „Zu DDR-Zeiten haben dort jedoch sogar Punktspiele stattgefunden, gerade die dritte Herrenmannschaft von Aktivist hat sehr häufig auf der Schlacke gekickt. Denn bei widrigen Witterungsbedingungen wurden die Rasenplätze zur Schonung meist ziemlich rasch gesperrt.“

Rene Kleeberg (einst Spieler und nunmehr Coach des Kitzscheraner Männerteams) kann einiges aus Vergangenheit und natürlich ebenso aus der Gegenwart berichten. „Hinten im Park haben wir nicht selten Probleme mit Maulwürfen auf dem Rasen, da kommen schnell mal hundert derartige Hügel zusammen. Und der Rasen vorn im Stadion soll jetzt im Frühjahr generalüberholt werden, er hat es wirklich dringend nötig.“

Eine Erneuerungskur haben große Teile des in den sechziger Jahren erbauten Sportler-Heimes – welches der Verein von der Stadt gepachtet hat – bereits hinter sich. Fördermittel und Eigenleistungen ermöglichten umfangreiche Sanierungsarbeiten, die Instandsetzung des Daches machte den Anfang. Danach waren die Vereinsräume, die Sanitäranlagen, die Gaststätte und die Küche an der Reihe. Ebenso wurden einige Fenster und Türen ersetzt. Johannes Oberscheven würde mit Freude zur Kenntnis nehmen, dass sich „sein“ Sportpark so heraus geputzt hat und weiter am Putzen ist.