11. September 2022 / 21:51 Uhr

Einstellung, Energieniveau und Co.: Was dem FC Bayern in der Bundesliga noch fehlt

Einstellung, Energieniveau und Co.: Was dem FC Bayern in der Bundesliga noch fehlt

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Leroy Sané (links) und Thomas Müller sind mit dem FC Bayern schwach in die Bundesliga gestartet.
Leroy Sané (links) und Thomas Müller sind mit dem FC Bayern schwach in die Bundesliga gestartet. © Getty Images
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Das Remis gegen den VfB Stuttgart ist für den FC Bayern das dritte in Folge gewesen. Der Saisonstart der Münchner ist der schlechteste seit zwölf Jahren. Das sind die Gründe für den Fehlstart des deutschen Rekordmeisters in der Bundesliga.

Für 9.15 Uhr hatte Bayern-Trainer Julian Nagelsmann die Videositzung für seine Profis anberaumt. Es dürfte kein Sonntagsvergnügen geworden sein nach dem 2:2 gegen den VfB Stuttgart. Denn auch die internen Debatten schlagen hohe Wellen an der Säbener Straße nach dem schwächsten Saisonstart in der Bundesliga (nach sechs Spieltagen) seit zwölf Jahren.

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Nach drei überzeugenden Partien mit teils Kantersiegen nun drei Spiele in Serie ohne Erfolg, ein Dämpfer nach dem anderen. Schon seit letztem Samstag ist die Tabellenführung futsch, und nun ist sie da, die erste Ergebniskrise der zweiten Saison in Nagelsmanns Amtszeit. Das 1:1 gegen Gladbach war aufgrund der Chancenverschwendung eher ein Unfall, das 1:1 bei Union Berlin, einem unangenehmen Gegner, im Grunde okay. Und nun das 2:2 gegen Abstiegskandidat Stuttgart nach zweimaliger Führung – deutlich zu wenig für die Ansprüche des Abomeisters. "Uns fehlen sechs Punkte, mindestens vier zu viel", rechnete Sportvorstand Hasan Salihamidzic vor und meinte bedient zum 2:2 gegen die Schwaben: "Kein gutes Spiel von uns – das hat einfach nicht gereicht." So schnell kippt die Laune nur drei Tage nach dem souveränen 2:0 bei Inter Mailand zum Auftakt der Champions-League-Gruppenphase. Die Liga-Krise nervt den Meister. Wer will schon ein Remiskönig sein?

Thomas Müller, als Stürmer aufgeboten auf einer Position in vorderster Linie, die ihm noch nie geschmeckt hat, meinte ehrlich: "Ich bin zum ersten Mal in dieser Spielzeit sauer auf uns selbst. Wir sind noch nicht Tabellenführer und deswegen habe ich eine schöne Krawatte." Ob er sich Sorgen mache so kurz vor dem Königsklassenkracher gegen den FC Barcelona am Dienstag (21 Uhr, Prime Video) wurde Salihamidzic gefragt. "Wir sind gewarnt, aber Sorgen? Es ist früh in der Saison", beschwichtigte der Sportvorstand, forderte jedoch: "Wir müssen zwei Gänge höher schalten, um die Spiele zu gewinnen – gegen Barcelona sogar drei. Da kommt eine Mannschaft, die Topspieler hat und einen guten Fußball spielt. Und Lewy nutzt jede Möglichkeit." Ja, richtig, da war ja noch was – bzw. jemand: Robert Lewandowski. Wenn es blöd läuft, dokumentiert der FIFA-Weltfußballer am Dienstag, was den Bayern aktuell ganz Besonders fehlt: ein echter Mittelstürmer, ein Vollstrecker vor dem Tor. An was mangelt es noch außer den Punkten und der dafür nötigen Durchschlagskraft im Jahr nach dem Abgang von Lewandowski?

Die Einstellung

"Wir brauchen dieses Bewusstsein für unsere aktuelle Punktesituation", mahnte Müller bei Sky und erklärte: "Das Spiel war kein Glanzstück, aber absolut in Ordnung über weite Strecken. Dass wir Stuttgart überhaupt noch mal einen Ball in unseren Strafraum schlagen lassen, hat damit zu tun wie gallig und griffig man ist bis zur letzten Sekunde in dieser Bundesliga." Ist die Wertigkeit der nationalen Meisterschaft nach zehn Titeln in Serie unbewusst gesunken?

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Das Energieniveau

Salihamidzic beklagte "viel zu wenig Bewegung, zu wenig Intensität und Energie, die wir normalerweise auf den Platz bringen. Das muss besser werden." Nagelsmann hätte sich nach der 2:1-Führung "mehr Power gewünscht, es war mir zu viel Kontrolle und Ballbesitz zehn Meter vor und hinter der Mittellinie".

Die Konstanz

Nagelsmann brachte ganze sechs Neue, setzte auf eine größere Rotation angesichts von zwei Champions-League-Partien in sieben Tagen. Die Abstimmung fehlte, die Automatismen – und vor allem die Qualität der ersten Elf. Dieses Risiko nahm der 35-Jährige in Kauf, es ging schief. Für Salihamidzic war das "positiv", der Trainer habe "genau das Richtige gemacht, dass man den Jungs die Chance gibt und den Konkurrenzkampf aufrechterhält." Doch nur Mathys Tel und Jamal Musiala, die Torschützen, überzeugten.

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