06. Juli 2020 / 18:14 Uhr

Einteilung der Bezirksliga-Staffeln sorgt bei heimischen Klubs für gemischte Gefühle

Einteilung der Bezirksliga-Staffeln sorgt bei heimischen Klubs für gemischte Gefühle

Benno Seelhöfer, Henning Kampen und Yannik Haustein
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Spielen kommende Saison nicht mehr in derselben Staffel: Die SV Gifhorn (l.) und der VfB Fallersleben.
Spielen kommende Saison nicht mehr in derselben Staffel: Die SV Gifhorn (l.) und der VfB Fallersleben. © Roland Hermstein
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Saison beendet - aber es gibt keine Absteiger. Wegen der aufgeblähten Ligen spielen die Bezirksligisten nun in zwei unterschiedliche Staffeln, deren Aufteilung trifft bei den heimischen Klubs aber nicht auf hundertprozentiges Verständnis.

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Anstatt einer großen Bezirksliga, gibt es in der kommenden Saison zwei kleine Staffeln. Die Klubs wurden nach der gewerteten Abschlusstabelle per Reißverschluss-Verfahren praktisch zufällig ihrer Staffel hinzugefügt. Die beiden Staffel-Meister spielen dann am Ende der Saison einen Landesliga-Aufsteiger aus, die Letzten und Vorletzten jeder Staffeln steigen direkt in die Kreisliga ab. Hinzu kommt: Die beiden Drittletzten jeder Staffel spielen einen fünften Absteiger aus.

Geographische Gesichtspunkte hat der Fußball-Bezirk Braunschweig bei der Staffel-Einteilung nicht berücksichtigt. Einige Trainer hätten sich daher durchaus mehr Derbys gewünscht.

Weil der Antrag der TSG Mörse noch vor dem Sportgericht verhandelt werden muss und noch nicht klar ist, ob die TSG oder der SV Calberlah aufsteigt, tauchen hier noch beide als Bezirksligisten auf.

Teams der Staffel A

Ralf Ende (Trainer MTV Gamsen): "Die Aufteilung in zwei Gruppen finde ich grundsätzlich richtig. Beide Staffeln sind stark, auch wenn die Staffel B vielleicht etwas stärker besetzt ist. Klar, hätte man sich das ein oder andere Derby mehr gewünscht, wir hätten beispielsweise gern gegen die SV Gifhorn gespielt, weil wir da einen guten Draht hin haben. Aber wir wollen uns auch gar nicht groß beschweren - wir wären eigentlich sportlich abgestiegen. Deshalb sind wir sehr zufrieden."

Thomas Orth (Trainer TSG Mörse): "Es ist eine gute Lösung, besser kann man es momentan glaube ich gar nicht machen. Wir wissen ja auch noch gar nicht, wann es losgeht. Ich finde die Aufteilung vom Grundsatz her gut, egal, in welcher Liga. Ich gehe aber davon aus, dass wir in der Landesliga starten werden. Auch das Reißverschluss-Verfahren in der Bezirksliga finde ich okay. Irgendwie muss die Einteilung ja vorgenommen werden."

Angelo Allegrino (Trainer SV Barnstorf): „Ich sehe es etwas mit gemischten Gefühlen. Ich hatte mich ehrlich gesagt darauf gefreut, auf alle Bezirksligisten zu treffen. Gerade für uns in Wolfsburg wäre ein Derby gegen einen Verein, der sich schon in der Klasse etabliert hat - wie der 1. FC Wolfsburg -, schön gewesen. Ich finde es unglücklich, weil es nicht so viele Spiele sind, auf der anderen Seite ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass wir die Liga bis zum Ende spielen können. Es wird spannender, weil man von Anfang bis Ende konzentriert dabei sein muss, weil man schnell nach unten abrutschen kann. Für uns als Aufsteiger ist es schwieriger, weil wir uns in der neuen Liga zurechtfinden müssen. Das kann für uns gefährlich werden. Die Aufteilung mit dem Reißverschluss-Verfahren ist meiner Meinung nach fair verlaufen.“

SV Barnstorf (hellblau) gegen den TSV Ehmen - die Partie endete 6:0 für Barnstorf. Zur Galerie
SV Barnstorf (hellblau) gegen den TSV Ehmen - die Partie endete 6:0 für Barnstorf. © Roland Hermstein

Lars Ebeling (Trainer VfB Fallersleben): „Es ist nichts, was ich beeinflussen kann, deshalb nehme ich es hin, wie es ist. Es hätte uns schlimmer treffen können, aber ich hätte mir auch ein paar andere Gegner wünschen können. Man hätte auch die lokale Sicht mehr nehmen können, damit man aus unserer Sicht mehr Wolfsburger Derbys hat. Aber es ist auch nicht uninteressant, gegen ein paar Gifhorner Vereine zu spielen. Wenn man es in zwei Gruppen unterteilt, dann muss man eine Lösung finden. Man wird es eh nie allen recht machen können.“

Mohamed Melaouah (Trainer TSV Hillerse): „Die Zweiteilung bietet mit den kleinen Staffeln natürlich Flexibilität, weil wir noch gar nicht wissen, wann es weitergeht. Das verstehe ich auch total. Auf der anderen Seite hätte ich gern eine große Staffel gesehen. Mit 18 Mannschaften, das wäre auch zu wuppen gewesen und dann hätte man viel mehr Derbys gehabt. Gerade, weil es auch interessante Aufsteiger gibt, wie Türk Gücü Helmstedt, die eine Bereicherung für die Liga sein werden. Auch der 1. FC Wolfsburg, der sich gerade im Umbruch befindet, gegen solche interessanten Gegner hätte ich gern gespielt.“

Ralf Schmidt (Trainer TuS Neudorf-Platendorf): „Wahrscheinlich ist es besser so, als wenn man eine Staffel gemacht hätte. Das hätten wir zeitlich ja gar nicht hinbekommen, weil es keine Absteiger gab. Wir kommen sonst mit 30 Spielen schon nicht klar, weil wir in Gifhorn keine Kunstrasenplätze haben. Wir wissen auch noch gar nicht, wann es losgeht. Wenn es Anfang September losgeht, dann bekommen wir die Halbserie vor dem Winter noch hin, aber dann hätte man in der Rückserie nur noch neun Spiele, und was machen wir dann? Wenn alles normal laufen sollte, hat man meiner Ansicht nach viel zu wenig Spiele, aber das weiß noch niemand. Ich möchte das aber alles auch nicht entscheiden müssen. Gemeckert wird eh immer.“

Fußball-Bezirksliga: TuS Neudorf-Platendorf - MTV Gamsen Zur Galerie
Fußball-Bezirksliga: TuS Neudorf-Platendorf - MTV Gamsen © Sebastian Preuß

Artur Krause (Trainer TSV Hehlingen): "Mir war klar, dass die Ligen-Aufteilung kommen wird, weil noch nicht klar ist, was in Bezug auf Corona noch kommen kann. Mit 19 Mannschaften in der Bezirksliga wäre es im Hinblick auf die Plätze im Winter glaube ich auch schwierig geworden, eine Saison zu Ende zu spielen. Deswegen war diese Aufteilung unausweichlich. Mit dem Reißverschluss-Verfahren bei der Ligeneinteilung bin ich auch zufrieden. Wir reden immerhin davon, dass wir in der Bezirksliga spielen und nicht in einer besseren Kreisliga. Das Einzige, das für mich etwas unglücklich ist, ist, dass wir eine 10er und eine 9er-Staffel haben. Das verzerrt das Bild ein bisschen."

Michael Horst (Trainer FSV Adenbüttel/Rethen): "Die Liga zu splitten macht sie nicht attraktiver. Statt 28 Spielen nur 18 zu haben ist gewöhnungsbedürftig. Außerdem haben wir lange gerungen, ob wir nur die Dritte abmelden und die Zweite in der 1. Kreisklasse lassen, um personell besser aufgestellt zu sein, oder ob wir beide abmelden und mit der Zweiten in der 3. Kreisklasse neu starten. Wir haben einen riesigen Kader, nur 18 Spiele und hätten die Zweite in der 1. Kreisklasse halten können. Und dass das Derby mit dem TSV Vordorf wegfällt, ist extrem ärgerlich."

Jörg Drangmeister (Trainer VfL Germania Ummern): "Für uns ist die Teilung sehr positiv, gerade für unseren kleinen Kader. Wahrenholz wäre das einzige Team, bei dem man von einem Derby sprechen könnte, das wir nun nicht haben, aber Wilsche ist auch nah an uns dran, und wir haben ein gutes Verhältnis. Hoffentlich kommen nun bald die Ansetzungen, damit wir besser planen können."

Kreisliga Gifhorn: SV Westerbeck gegen VfL Germania Ummern

Kreisliga Gifhorn: SV Westerbeck gegen VfL Germania Ummern (blaue Trikots). Zur Galerie
Kreisliga Gifhorn: SV Westerbeck gegen VfL Germania Ummern (blaue Trikots). ©

Stefan Timpe (Trainer SV Calberlah): „Es ist ein Ansatz, um die Mannschaften ein wenig zu entlasten. Gerade in der Landesliga ist der Aufwand für alle Mannschaften deutlich reduzierter, ob es dann aber noch den Flair dieser Liga hat, das ist eine andere Frage. Vom Grundsatz her finde ich das aber positiv. Die Bezirksliga, in der wir eingeteilt wären, finde ich sehr ausgeglichen. Und gerade in der Landesliga ist der positive Effekt, dass man noch mehr Nachbarschafts-Duelle hätte. Ich würde mich aber freuen, wenn ich bald mal wüsste, in welcher Liga wir spielen werden. Das ist ziemlich nervig für uns und ist sehr zehrend.“

Bernd Huneke (Trainer VfR Wilsche/Neubokel): "Es ist ein guter Ansatz, es mit den Zeitfenstern so zu planen, dass die Saison auch gespielt werden kann. Wer nicht oben mitspielen will, muss mindestens drei Mannschaften hinter sich lassen - wir wollen natürlich in der Bezirksliga bleiben. Wenn wir Anfang September wieder spielen können sollten, wollen wir Ende Juli mit der Vorbereitung anfangen."

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Teams der Staffel B

Babis Cirousse (Trainer Lupo/Martini Wolfsburg II): "Das ist keine faire Einteilung. Unsere Staffel ist die deutlich stärkere. Fast alle Teams, die mit uns um den Klassenerhalt gespielt hätten, sind in der anderen Staffel - und wir kriegen mit WSV Wendschott und Türk Gücü Helmstedt zwei Aufsteiger dazu, die direkt um den Landesliga-Aufstieg mitspielen werden. Uns trifft es sehr hart."

Mohammed Rezzoug (Trainer 1. FC Wolfsburg): "Ich finde es sehr attraktiv mit den beiden kleinen Staffeln. So kann die ganze Saison über die Spannung hochgehalten werden. Man weiß, wenn man eine Niederlage kassiert hat, dass in der Liga trotzdem noch einiges möglich ist. Ich freue mich auf unsere Gegner, wir haben eine schöne Gruppe bekommen. Wenn ich nur in meiner eigenen Stadt rumturnen würde, dann müsste ich auch nicht in der Bezirksliga spielen. Dann könnten wir die Staffeln auch Super-Kreisliga-Wolfsburg und Super-Kreisliga-Gifhorn nennen. Ein Derby alle vier Wochen ist mir bedeutend lieber, als jede Woche."

Jan Ademeit (Co-Trainer WSV Wendschott): "Es ist schade, dass wir gegen ein paar Klubs nicht spielen - ich hätte mir beispielsweise Derbys gegen Hehlingen oder Fallersleben gewünscht. Aber für mich als alten Helmstedter ist auch schön, gegen zwei Teams aus dem Kreis Helmstedt zu spielen und einige Leute von früher wiederzusehen. Ich hätte mir außerdem auch Play-Offs am Saisonende gewünscht, wenn es schon die Unterteilung in zwei Staffeln gibt. Dennoch sind wir aber erstmal zufrieden mit der Einteilung."

Klare Sache: Der WSV Wendschott (gelbe Trikots) gewann mit 8:3 beim TV Jahn Wolfsburg (rote Trikots). Zur Galerie
Klare Sache: Der WSV Wendschott (gelbe Trikots) gewann mit 8:3 beim TV Jahn Wolfsburg (rote Trikots). ©

Tino Gewinner (Spielertrainer SV Gifhorn): "Wir hätten lieber Derbys gehabt, aber einen Weg muss man ja gehen. Wenn wir, Wahrenholz und Vordorf in der anderen Staffel gewesen wären, wäre es örtlich vielleicht besser, aber das sportliche Gleichgewicht in und zwischen den Staffeln muss stimmen. Ich wüsste nicht, wie man es sportlich besser lösen könnte, wenn es keine Absteiger aus der Vorsaison gibt."

Mark-Oliver Schmidt (Trainer FC Brome): "Es hatte sich ja schon angedeutet. Ich bin kein Freund davon, der Fokus wird immer noch darauf liegen, dass es wieder eine Unterbrechung geben könnte. Mit der letzten Saison hat man so einen Eiertanz gemacht, dass es keine Absteiger geben soll, und jetzt steht so eine brutale Saison bevor - es ist ein bisschen ungerecht, dass in unserer Neuner-Staffel genau wie in der Zehner-Staffel zwei Teams fest absteigen."

Landesligist SSV Vorsfelde besiegte den Bezirksligisten FC Brome mit 6:1.

Testspiel: SSV Vorsfelde (hellgrüne Trikots) - FC Brome. Zur Galerie
Testspiel: SSV Vorsfelde (hellgrüne Trikots) - FC Brome. © Tim Schulze

Thorsten Thielemann (Trainer VfL Wahrenholz): "Ich hätte die Saison lieber zu Ende gespielt, aber die Lösung ist das Beste, was man aus dem Abbruch machen konnte. Dass es so eine harte Gruppe mit zwei starken Aufsteigern wird, ist natürlich Pech für uns - in dieser Staffel kannst du Erster, aber genauso gut Letzter werden, da muss man gleich hellwach sein."

Heinz-Günter Scheil (Trainer TSV Vordorf): "Es ist schon überraschend. Dass die Derbys mit Hillerse und Adenbüttel nicht stattfinden, ist wirklich schade, das tut weh. Außerdem ist es schon ein Unterschied, ob man 30 oder 40 Kilometer oder mit dem Fahrrad zu einem Auswärtsspiel fährt, auch für die Zuschauer. Aber die Mannschaft hat sich sehr ehrgeizig gezeigt, will das Maximum aus der neuen Saison herausholen."