28. Juli 2020 / 15:52 Uhr

Derbys vs. unbekannte Gefilde: So reagieren die Klubs auf die Staffeleinteilung im Bezirk

Derbys vs. unbekannte Gefilde: So reagieren die Klubs auf die Staffeleinteilung im Bezirk

Christoph Hage, David Lidón und Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Eldagsens Holger Gehrmann (von links), Mühlenfelds Mario Pohl Arnums und Ermin Vojnikovic sind mit der Einteilung der Staffeln im Bezirk zufrieden. 
Eldagsens Holger Gehrmann (von links), Mühlenfelds Mario Pohl Arnums und Ermin Vojnikovic sind mit der Einteilung der Staffeln im Bezirk zufrieden.  © Johannes Dorndorf/Stefan Zwing/Christian Hanke/Dennis Michelmann
Anzeige

Die Fußballer im Bezirk Hannover wissen jetzt nach der Einteilung der Landes- und Bezirksliga-Staffeln, wohin die Reise sie - aller Voraussicht nach ab September - bei Auswärtsspielen führt. Der SPORTBUZZER hat bei einigen Trainern nachgefragt, wie sie die Einteilung aufgenommen haben.

Anzeige
Anzeige

19 Vereine in der Landes- und 79 in der Bezirksliga – eine reguläre Spielzeit war in den durch den Abbruch aufgeblähten Staffeln nicht umzusetzen. Also werden die Staffeln geteilt, ganz nach dem Vorbild der Regional- und Oberliga.

Bisher keine Kritik für den Verband

Die Einteilung selbst war vergleichsweise einfach. „Es gab noch keine Kritik“, sagt der Spielausschussvorsitzende Thorsten Schuschel, „was ja immer ein gutes Zeichen ist.“ Nun fehlen also nur noch die Spielpläne – und die sollen den Vereinen bis zum Wochenende zugeschickt werden. Bis zum 9. August sollen auch die finalisiert werden.

Jetzt wird unter Teamangehörigen und Anhängern wieder leidenschaftlich diskutiert: Wen hat es besonders böse erwischt? Welche Mannschaft hat vergleichsweise leichtes Spiel? Der SPORTBUZZER hat sich umgehört.

Mehr Berichte aus der Region

In der Landesliga gab es bei der Aufteilung der 19 Mannschaften auf lediglich zwei Staffeln kaum Überraschungen. Während sich in Gruppe 1 die Vertreter aus dem nördlichen Teil der Region Hannover tummeln, geht es in Parallelstaffel 2 in südlichere Gefilde. Der 1. FC Wunstorf hätte im Grunde in jede Staffel rutschen können, wurde nun aber dem Süden zugeordnet, weshalb in Staffel 1 ein Platz vakant bleibt.

"Auf- und Abstiegsrunde eine spannende Überlegung"

Für Frank Weber, Coach der TSV Burgdorf, ist es von Vorteil, dass er erst im Winter vom MTV Eintracht Celle II in die Region gewechselt ist. „Ich kenne die meisten Mannschaften hier sowieso noch nicht so richtig“, erklärt er. „Deshalb war es mir eigentlich egal, gegen wen wir spielen.“ In der Landesliga 1 sieht er den TSV Krähenwinkel/Kaltenweide ganz vorn. „Und mit denen wollen und können wir uns sowieso nicht messen.“ Neun oder zehn Mannschaften – was wäre ihm lieber gewesen? „Das macht eigentlich keinen großen Unterschied“, sagt Weber.

Holger Gehrmann, mit seinem FC Eldagsen wenig überraschend in Landesliga 2 gelandet, freut sich über den neuen Modus, der seines Erachtens insgesamt mehr Spannung verspricht als der Ligabetrieb mit klassischer Hin- und Rückrunde. „Ich fand das mit der Auf- und Abstiegsrunde von vornherein eine spannende Überlegung“, sagt der Trainer. „So hast du vermutlich bis zum Ende entscheidende Spiele, während sonst für viele Teams ab dem 20. Spieltag die Spannung raus ist.“

Trainingsauftakt des 1. FC Wunstorf:

Voll konzentriert beim Trainingsauftrakt: Wunstorfs Nico Tsitouridis. Zur Galerie
Voll konzentriert beim Trainingsauftrakt: Wunstorfs Nico Tsitouridis. ©

Viele neue Gegner gibt es für den TSV Mühlenfeld, der aus der früheren Staffel 1 in die Bezirksliga 4 wechselt. Statt aus Diepholz und Nienburg kommen die Gegner nun ausschließlich aus der Region Hannover. „Die Staffel dort war nicht gerade für schönen Fußball zuständig“, sagt Trainer Mario Pohl, der die neuen Kontrahenten durchweg positiv sieht. Wenngleich er zugibt, dass man bei der Spielvorbereitung nun vermutlich „neue Netzwerke aufbauen“ müsse.

Zwei Kurzstrecken statt eines Marathons

Für den geänderten Modus mit zwei getrennten Runden findet er eine anschauliche Analogie. „Früher mussten wir einen Marathon laufen, nun sind es eher zwei Kurzstrecken, die man gewinnen muss, wenn man sein Ziel erreichen will.“ Und wie lautet das? „In die obere Runde zu kommen“, sagt Pohl. Dazu müsste sein Team mindestens Zweiter von acht Mannschaften werden. „Alles andere würde sich aber jetzt auch doof anhören“, ergänzt er. Ob seine Spieler auch gute Sprinter sind, wird sich zeigen.

Einziges Stadtteam in der in dieser Staffel ist Aufsteiger TuS Mecklenheide. „Da sind viele alte Bekannte dabei, Engelbostel ist nicht weit weg, gegen die Godshorner Reserve haben wir schon im letzten Jahr gespielt“, sagt Co-Trainer Pedro Domanos, „aber da ist jetzt keiner dabei, vor dem wir zittern.“

Bilder vom Trainingsauftakt des FC Eldagsen

Schon zum Auftakt annähernd komplett: Beim ersten Training am Sonntagvormittag
 fehlt einzig Rune Flohr. Entsprechend vielbeinig geht es auf dem Feld zu. Zur Galerie
Schon zum Auftakt annähernd komplett: Beim ersten Training am Sonntagvormittag fehlt einzig Rune Flohr. Entsprechend vielbeinig geht es auf dem Feld zu. ©

Geradezu begeistert ist Peter Wedemeyer über die Einteilung seiner SV Adler Hämelerwald in die Bezirksliga 5. „Das ist sensationell. Nach Sievershausen und Dollbergen können wir mit dem Fahrrad fahren – und das im Bezirk“, sagt der Trainer. Die Gegner sind maximal 20 Autominuten entfernt, gefühlt sei es wie zu Kreisligazeiten. Und die unzähligen Derbys hätten viele Zuschauer verdient. „Ich kann nur hoffen, dass so viele Fans wie möglich zugelassen werden“, sagt Wedemeyer.

Die Adler aus Hämelerwald sind in den vergangenen zehn Jahren regelrechte Grenzgänger zwischen den Staffeln gewesen: nach der 2, 3, 1 und 4 ist jetzt die 5 dran. Und einen Topfavoriten sieht er für 2020/2021 nicht: „Jedes Team der Staffel hat eine realistische Chance auf die ersten Plätze. Diese Spannung wird die Staffel sehr attraktiv machen.“

So sehen die Abschlusstabellen für die Mannschaften aus der Region Hannover nach Anwendung des Quotienten aus

<b>OBERLIGA</b> Zur Galerie
OBERLIGA ©

„Schönes Ding, oder?“, scherzt Christian Pöppler, Trainer des TuS Davenstedt, und schiebt ernsthaft hinterher: „Wir wollen unsere Form der letzten Jahre bestätigen und ein entscheidendes Wörtchen im Titelkampf mitreden.“ Das will auch der TSV Bemerode in der Bezirksliga 6. „Das ist eine ausgeglichene Staffel, mit spannenden Spielen, coolen Gegnern und kurzen Fahrten“, sagt Bemerodes Trainer Mo Kordian, „aber wir haben trotzdem den Anspruch, unter die ersten Zwei zu kommen.“

Vojnikovic freut sich auf ein Wiedersehen

Ermin Vojnikovic hatte sich die Stadtstaffel für seine SV Arnum gewünscht – und er hat sie auch bekommen. Die Staffel 4 aus der Vorsaison hatte ihm nicht gefallen, zu robust und defensiv hätten sich die meisten Kontrahenten präsentiert. „Meine Jungs spielen gerne Fußball, und so denken die meisten Stadtmannschaften auch“, sagt Vojnikovic.

Besonders freut er sich auf das Duell gegen den VfL Eintracht Hannover, seiner Station vor dem Engagement in Arnum. „Viele meiner Spieler von vor zwei Jahren sind noch dabei, und mein damaliger Co-Trainer Stephen Kroll ist jetzt Chefcoach“, sagt der SVA-Trainer.

Das sind die Bilder der Saison 2019/20 in Hannovers Amateurfußball

Gehrdens Sascha Romaus sieht das Spiel vor lauter Bällen nicht. Zur Galerie
Gehrdens Sascha Romaus sieht das Spiel vor lauter Bällen nicht. ©

Sein letztes Jahr als Trainer erlebt Mario Geric mit dem SV Ihme-Roloven als Aufsteiger in den Bezirk, und er stellt sich beim Blick auf die Zusammenstellung der Bezirksliga 7 eine Frage: „Warum ist Iraklis Hellas bei uns dabei und nicht die SV Arnum?“ Die Griechen erklärt Geric sogleich zum Topfavoriten, auch der TuS Davenstedt und der 1. FC Germania Egestorf/Langreder II werden seiner Meinung nach eine gute Rolle spielen.

Für die Ihmer werde der Klassenerhalt eine Herausforderung. „Aber so eine schlechte Mannschaft haben auch wir nicht beisammen“, deutet Geric an, dass er bei seiner Abschiedsvorstellung mit seinem Team den einen oder anderen Punkt einfahren wird, der von Außenstehenden als überraschend bezeichnet werden wird.