01. November 2022 / 14:44 Uhr

Alles-oder-nichts-Spiel in der Champions League: Was Frankfurt vor dem Königsklassen-Duell stark macht

Alles-oder-nichts-Spiel in der Champions League: Was Frankfurt vor dem Königsklassen-Duell stark macht

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Eintracht Frankfurt steht in der Champions League vor einem wegweisenden Spiel.
Eintracht Frankfurt steht in der Champions League vor einem wegweisenden Spiel. © IMAGO/osnapix (Montage)
Anzeige

Eintracht Frankfurt steht in der Champions League vor einem Schicksalsspiel. Am Dienstag im Duell mit Sporting Lissabon entscheidet sich, ob und wie es für die SGE auf internationalem Terrain weitergeht. Die positive Entwicklung in der jüngsten Vergangenheit spricht für ein erneutes Europa-Highlight der Hessen.

Das Einchecken am Flughafen, das Besteigen eines Fliegers – für Fans und Funktionäre, Trainer und Spieler von Eintracht Frankfurt sind Reisen wie nach Lissabon mittlerweile fast schon Alltag. Weil in diesem Kalenderjahr auf internationaler Bühne Höhepunkt auf Höhepunkt folgt. Das letzte Champions-League-Gruppenspiel bei Sporting Lissabon an diesem Dienstag (21 Uhr, DAZN) elektrisiert Stadt und Verein trotz der vorangegangenen 1:2-Niederlage in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund noch mal besonders.

Anzeige

Denn die Alles-oder-nichts-Konstellation ist atypisch für die Königsklasse. In der ausgeglichenen Gruppe D hat nicht mal der Premier-League-Dritte Tottenham Hotspur sein Achtelfinalticket sicher. Für alle vier Klubs ist alles drin. Für den Europa-League-Sieger scheint die Ausgangslage wie gemacht. "Hopp oder topp", sagt Vorstandssprecher Axel Hellmann. "Das ist es, was wir lieben: diese Endspiele!" Drei Szenarien gibt es: Weiterkommen in der Champions League, Weiterspielen in der Europa League, Verabschiedung aus Europa.

Über letzte Variante redet der Strippenzieher nicht, über die zweite Möglichkeit würde der 51-Jährige erst nach Abpfiff im Estadio José Alvalade sprechen. Daher zählt Hellmann auf, was das Erreichen der K.-o.-Runde der Königsklasse bedeuten würde: "Wenn wir das krönen könnten, wäre das ein Pfund für die Zukunft." Man könnte "unsere Grenzen verschieben" – es wäre "wirtschaftlich ein großer Meilenstein und sportlich eine enorme Leistung". Belohnt mit Minimum 10 Millionen Euro.

SGE trotzt personeller Fluktuation

Es stimmt allerdings nicht, das die seit 2018 bis auf eine Ausnahme immer international vertretene Eintracht der erste Klub seit einem Vierteljahrhundert wäre, der als Champions-League-Neuling so weit käme. Erst 2015 schaffte das der belgische Meister KAA Gent, der im Achtelfinale am VfL Wolfsburg scheiterte. Der Frankfurter Weg ist deshalb bemerkenswert, weil die vergangenen Jahre neben den finanziellen Corona-Einschnitten von personeller Fluktuation geprägt waren.

Anzeige

"Erst die Büffel weg (das Stürmertrio Sebastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic verließ im Sommer 2019 den Verein, Anm. d. Red.), dann Silva weg, dann Kostic weg“, erinnert Hellmann. Im Sommer 2021 stiegen Trainer Adi Hütter und Sportchef Fredi Bobic aus ihren laufenden Verträgen aus. Dass es bei so viel Umbruch keinen Einbruch gab, sei die "eigentliche Leistung" der in der Gesamtbetrachtung gar nicht mehr so launischen Diva vom Main. Hellmann preist die "Grundstabilität, das ist unser Pfeiler". Der Jurist selbst verkörpert die Konstante im Vorstand, der Aufsichtsrat bürgt für Kontinuität. "Andere Klubs, die eine ähnliche Häutung durchmachten, haben ganz empfindliche Abstürze hinnehmen müssen", sagt der eloquente Macher.

Frankfurt glänzt durch Professionalität

Und so steht Frankfurt viel besser als Standorte wie Hamburg, Bremen oder Gelsenkirchen. Auch die Hauptstadt Berlin oder eine wirtschaftsstarke Stadt wie Stuttgart reihen sich dahinter ein. Und auch wenn sich Sportvorstand Markus Krösche und Cheftrainer Oliver Glasner nicht jeden Tag in den Armen liegen: Ihre Professionalität strahlt auf die Mannschaft ab, die einen blitzschnellen Entwicklungsprozess hingelegt hat.

Niemand befürchtet, dass dieses Ensemble wie bei der Premiere gegen Sporting Lissabon (0:3) Lehrgeld zahlen muss. Damals hatten die Hessen zu ungestüm angegriffen – die Portugiesen setzten drei Nadelstiche. Das wird nicht wieder passieren, ist sich Glasner angesichts des Reifeprozesses sicher. "Wir haben gerade gegen Dortmund auf Augenhöhe gespielt – das spricht für unsere Entwicklung."

Heimlich, still und leise will die Eintracht so weiter zu einer deutschen Spitzenmannschaft reifen. Und nichts vermittelt im Umfeld der Eintracht mehr Motivation als die magischen Nächte in Europa.

Anzeige: Erlebe die gesamte Bundesliga mit WOW und DAZN zum Vorteilspreis