02. Mai 2019 / 11:15 Uhr

Eintracht Frankfurt im Europafieber: Eine Zeitreise vor dem Europa-League-Halbfinale gegen Chelsea

Eintracht Frankfurt im Europafieber: Eine Zeitreise vor dem Europa-League-Halbfinale gegen Chelsea

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bilder eines irren Eintracht-Jahres: Sebastian Rode (links) bejubelt das entscheidende 2:0 gegen Benfica im Europa-League-Halbfinale, Adi Hütter geht nach dem Sieg bei Inter Mailand vor die Fankurve und Kevin Trapp im Freudenrausch.
Bilder eines irren Eintracht-Jahres: Sebastian Rode (links) bejubelt das entscheidende 2:0 gegen Benfica im Europa-League-Halbfinale, Adi Hütter geht nach dem Sieg bei Inter Mailand vor die Fankurve und Kevin Trapp im Freudenrausch. © 2019 Getty Images
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Seit dem Pokalsieg im Mai 2018 gab es für Fans von Eintracht Frankfurt besondere Momente und zahlreiche Hochgefühle. Solche, die noch vor wenigen Jahren unmöglich erschienen. Eine Zeitreise vor dem Halbfinale in der Europa League gegen den FC Chelsea.

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Gänsehaut der positiven Art. Das beschreibt die vergangenen zwölf Monate als Fan von Eintracht Frankfurt am treffendsten. Der Abend des 19. Mai 2018: Mijat Gacinovic läuft auf das verwaiste Tor des FC Bayern zu, dahinter eine weiße Wand aus Eintracht-Anhängern. Er läuft und läuft und läuft – und schießt nicht nur den entscheidenden Treffer zum 3:1-Endstand im Finale des DFB-Pokals, sondern damit die Mannschaft in die Herzen jedes Einzelnen auf der Tribüne.

Das sind die Vertragslaufzeiten der Eintracht-Profis

Filip Kostic, Kevin Trapp & Co. - Wie lange die wichtigsten Eintracht-Profis noch in Frankfurt unter Vertrag stehen, haben wir für euch in der Galerie zusammengestellt. Zur Galerie
Filip Kostic, Kevin Trapp & Co. - Wie lange die wichtigsten Eintracht-Profis noch in Frankfurt unter Vertrag stehen, haben wir für euch in der Galerie zusammengestellt. ©

Die Liste an Höhepunkten ist lang

Noch unglaublicher als dieses Gefühl, die Profis seines Teams endlich mal wieder einen Pokal in den Himmel recken zu sehen, ist das, was im folgenden Jahr bis zum Mai 2019 an Geschichten und Momenten hinzukommen sollte. Mitreißender Fußball, ungeahnte Leidenschaft, unbändiger Wille.

Die Liste an Spielen, die nervlich nur im Stehen auszuhalten waren, ist lang. Die, bei denen man aus dem Staunen nicht mehr herauskam, ebenfalls. Durch den Pokalsieg spielte die Eintracht international – und wie. Das Team von Trainer Adi Hütter gab als erster Bundesliga-Klub überhaupt keinen Punkt in der Gruppenphase der Europa League ab. Siege gegen Lazio Rom und Olympique Marseille waren inklusive. Und diese sind nicht irgendwie zustande gekommen, sie fielen ebenso deutlich wie verdient aus.

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Im vorletzten Gruppenspiel gegen den französischen Finalisten aus dem Vorjahr war die Dominanz so deutlich, dass Olympique sich beim 4:0-Sieg der Frankfurter gleich zwei Eigentore leistete. Und das war noch kein Vergleich zu dem, was dann kommen sollte. Schachtjor Donezk. Inter Mailand. Benfica Lissabon. Namen, mit denen die Frankfurter Fanszene vieles anfangen konnte, aber die sie sicher nicht als Gegner in der K.-o.-Phase der Europa League erwartet hätte.

Alle Strapazen sind vergessen

Alle Strapazen der grauen Jahre mit dem negativen Höhepunkt der Relegation 2016 waren dank der Ereignisse in den zurückliegenden zwölf Monaten vergessen. Die Begeisterung rund um die Auftritte der Hütter-Elf in Europa sorgte auch in der Bundesliga für Leistungen weit über dem, was erwartet werden konnte. Platz vier – die Champions League im nächsten Jahr? Unfassbar, aber möglich.

Allein der Gedanke, es könnte wieder „nur“ die Europa League werden, ist absurd. Aber irgendwie aktuell auch Realität für einen Fan dieser begeisternden Eintracht. Mit einem Nationalspieler im Tor: Kevin Trapp. Mit einem 35-jährigen Japaner in der Abwehrzentrale, der die Saison seines Lebens spielt: Makoto Hasebe. Mit einem Rückkehrer, der wie kaum ein anderer für den Kampfeswillen des Teams steht: Sebastian Rode. Und mit der offensiven Büffelherde aus Sebastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic

Die Frankfurter Büffelherde, von der nur Luka Jovic (Mitte) gegen Chelsea dabei sein kann. Ante Rebic (links) fehlt gelbgesperrt, Sebastien Haller laboriert weiterhin an einer Bauchmuskelverletzung.
Die Frankfurter "Büffelherde", von der nur Luka Jovic (Mitte) gegen Chelsea dabei sein kann. Ante Rebic (links) fehlt gelbgesperrt, Sebastien Haller laboriert weiterhin an einer Bauchmuskelverletzung. © imago/Krieger
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Und jetzt Chelsea

Ein irres Jahr, das auch einen 3:2-Sieg weit in der Nachspielzeit nach 1:2-Rückstand gegen die TSG Hoffenheim bot. Oder den 2:1-Erfolg gegen Schalke durch einen Handelfmeter in der 99. (!) Minute. Alles Highlights, welche die Saison 2018/2019 der SGE passender kaum beschreiben könnten – aber fast schon untergehen, weil es schlicht zu viele davon gab.

Und jetzt: Chelsea. Mit einem Gesamtmarktwert von 886 Millionen Euro. Das Europa-League-Halbfinale an diesem Donnerstag (21 Uhr, DAZN und RTL) ist der nächste Höhepunkt, der die Eintracht-Herzen höher schlagen lässt. Schon das Viertelfinale gegen Benfica war kaum mehr zu beschreiben. Die Aufholjagd, ein 2:0-Heimsieg nach 2:4 im Hinspiel – in den sozialen Netzwerken mit dem Hashtag #12gegen11 begleitet. Trapp, Rode und Co., die minutenlang den Sprechchören auf den Rängen lauschten, während diese teilweise leer gefegt waren: Eine große Gruppe hatte sich ihren Weg bis zum Rand des Platzes gebahnt.

Es ist Kraft, die kaum einzufangen ist. Kraft, die aus der Einheit der 48 000 Fans auf der Tribüne mit den Adlerträgern auf dem Rasen entsteht. Müdigkeit? Verletzungspech? Vergessen, wenn am Donnerstagabend das Licht im Frankfurter Stadtwald angeht und das Zittern beginnt. Gänsehaut – der positiven Art.

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Unser Autor Roman Gerth (24) ist Frankfurt-Fan seit Kindertagen und hat die Europareise der Eintracht hautnah begleitet.