06. Mai 2022 / 16:23 Uhr

Kommentar zum Frankfurter Final-Einzug: Ein starkes Zeichen für den gesamten Fußball

Kommentar zum Frankfurter Final-Einzug: Ein starkes Zeichen für den gesamten Fußball

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Eintracht Frankfurt begeistert auch in der laufenden Europa-League-Saison.
Eintracht Frankfurt begeistert auch in der laufenden Europa-League-Saison. © IMAGO/osnapix (Montage)
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Mit dem Einzug ins Finale der Europa League hat Eintracht Frankfurt auf internationaler Bühne einmal mehr Begeisterung entfacht. Für den stellvertretenden RND-Sportchef Sebastian Harfst ist der Erfolg der Eintracht in Zeiten routinierter Meisterfeiern des FC Bayern und einer Champions-League-Edelwelt ein starkes Zeichen für den Fußball.

Es ist schon erstaunlich, welche Dynamik ein Wettbewerb entwickeln kann, der eigentlich als „Cup der Verlierer“ bekannt ist. Es muss offenbar nur der richtige Verein kommen, mit dem richtigen Umfeld und der richtigen Dosis an Begeisterungsfähigkeit – und schon wird jede Runde des Vorrückens in der Europa League gefeiert, als wäre jedes einzelne Mal der WM-Pokal gewonnen worden.

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Eintracht Frankfurt hat Ähnliches bereits beim Halbfinaleinzug 2019 angedeutet. Was rund um den Finaleinzug am Donnerstagabend im Stadion zu beobachten war, diese Euphorie, zeigt jedoch noch einmal eine ganz andere Dimension. Hier waren – wie schon in den Runden zuvor – Fans zu beobachten, die im wahrsten Sinne hungrig nach Erfolgen sind.

Frankfurter Europa-Kampagne statt Champions-League-Edelwelt

Leider konnten nicht alle mit dieser Situation vernünftig umgehen, wovon die Meldungen über Randale in Frankfurt rund um das Spiel zeugen. Für den Fußball insgesamt ist diese Frankfurter Europa-Kampagne jedoch ein gutes Zeichen. Inmitten einer Aktualität, in der zigfach wiederholte Meisterfeiern beim FC Bayern längst in Routine erstarrt sind, in der die geleckte Edelwelt der Champions League so viel anderen Sport überstrahlt, mischen ein Klub und seine Fans den europäischen Fußball mit echt erscheinenden, überschäumenden Emotionen auf.

Das Wechselspiel dabei ist beeindruckend. Von den Fans geht die Energie auf die Mannschaft über, die sich in der Bundesliga mit dem derzeitigen Mittelmaß abgefunden hat und die freigewordene Energie im internationalen Wettbewerb einsetzt. Jeder Erfolg dort feuert wiederum die Fans weiter an. Mit Präsident Peter Fischer thront zudem Adler-Fan Nummer eins über dem gesamten Konstrukt, eine Identifikationsfigur mit Verantwortung und klarer Kante, die sich mit ihrer Volkstümlichkeit so unheimlich positiv von den Marketingstrategen auf ähnlicher Position in anderen Klubs abhebt. Das Finale in Sevilla zwischen den Hessen und den Glasgow Rangers, die eine ebenso euphorische Fanschar mitbringen sollten, kann zu einem denkwürdigen Fest des Fußballs werden, wenn alle friedlich bleiben.

Und möglicherweise dient die Eintracht dem einen oder anderen Mittelklasseklub und seinen Anhängern zukünftig sogar als Vorbild. Wenn die Meisterschaften in den Topligen eh vorher entschieden zu sein scheinen oder zumindest nur unter einem sehr elitären Kreis an Wettbewerbern ausgespielt werden, müssen sich diejenigen, die nicht zu diesem finanzstarken Kreis gehören, ihre Nische suchen. Im DFB-Pokal macht dies in dieser Saison der kleine SC Freiburg beeindruckend vor, in der Europa League eben Eintracht Frankfurt. Über die dadurch entstandene Aufwertung dieser traditionsreichen Wettbewerbe, die dennoch zuletzt so oft unter Rechtfertigungsdruck standen, können sich Fußballfans nur freuen.