16. Mai 2020 / 08:00 Uhr

Eintracht-Keeper Kevin Trapp über Salomon Kalou, Kritik am Neustart der Bundesliga und das DFB-Team

Eintracht-Keeper Kevin Trapp über Salomon Kalou, Kritik am Neustart der Bundesliga und das DFB-Team

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Freut sich auf den Re-Start der Bundesliga: Frankfurt-Keeper Kevin Trapp.
Freut sich auf den Re-Start der Bundesliga: Frankfurt-Keeper Kevin Trapp. © Alex Grimm/imago images
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Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt im SPORTBUZZER-Interview zum Bundesliga-Neustart. Er erzählt, wie er die Corona-Pause genutzt hat - und wie er mit der Kritik an seiner Branche umgeht.

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Zum Neustart der Bundesliga empfängt Torwart Kevin Trapp mit Eintracht Frankfurt an diesem Samstag (18.30 Uhr, Sky) Borussia Mönchengladbach. Im SPORTBUZZER-Interview be­rich­tet der Nationalspieler über das Image der Fußballprofis, den Wandel der Branche und seine Perspektiven im DFB-Team.

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SPORTBUZZER: Herr Trapp, Sie haben sich die Zeit während der Pause mit Musik und einer Barista-Challenge vertrieben. Wo sind Sie stärker – am Klavier oder an der Espressomaschine?

Kevin Trapp: Ich würde sagen, noch an der Kaffeemaschine (lacht). Dennoch bin ich stolz auf mich, dass ich in der fußballfreien Zeit mir mit dem Klavierspielen etwas Neues beigebracht habe. Das war eine tolle Sache.

Sie mussten zu Beginn der Krise wegen positiver Fälle im Klub in Quarantäne. War Ihnen der Ernst der Lage bewusst?

Ja, wir haben gemerkt: Das Ganze ist nah. Wir haben die Folgen mit der Quarantäne zu spüren bekommen. In dieser Zeit wurde sich aber gut um uns gekümmert. Wir wurden mit Essen versorgt und hatten immer die Möglichkeit zu trainieren. Es war ein seltsames Gefühl. Was insgesamt noch kommen würde, war zu spüren, aber nicht abzusehen.

25 ehemalige Spieler von Eintracht Frankfurt und was aus ihnen wurde

Fjörtoft, Okocha, Boateng & Co. - 25 ehemalige Spieler von Eintracht Frankfurt und was aus ihnen wurde.  Zur Galerie
Fjörtoft, Okocha, Boateng & Co. - 25 ehemalige Spieler von Eintracht Frankfurt und was aus ihnen wurde.  ©

Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Zeit gesammelt?

Zunächst einmal war mein Privatleben extrem eingeschränkt, weil meine Verlobte in Paris war, als die Grenzen geschlossen wurden. Da sie Brasilianerin ist, war es für sie umso schwieriger, innerhalb Europas zu reisen. So haben wir uns vom Beginn der geltenden Beschränkungen bis jetzt nicht sehen können, das ist eine sehr lange Zeit.

Nun steht der Bundesliga-Neustart an. Die Entscheidung sorgte selbst in Spielerkreisen für teilweise heftige Kritik.

Klar ist, dass jeder seine Meinung hat, die er auch äußern darf und sollte. Ich bin froh, dass wir unseren Beruf wieder ausüben können. Alle an­de­ren versuchen auch, ihrer Ar­beit wieder nachzugehen. Demnach finde ich es nicht verwerflich, dass dafür gekämpft wurde, dass die Bundesliga weitergeht.

Trapp über Kalou: "Sehr, sehr unglücklich"

Das Video von Hertha-Profi Salomon Kalou schlug ein wie eine Bombe. Was haben Sie gedacht?

Dass es sehr, sehr unglücklich ist. Das hat er selbst auch im Nachgang beteuert. Er hat gemerkt, dass er einen großen Fehler begangen hat. Das darf ihm nicht passieren. Wir können glücklich sein, dass es für die Liga keine Konsequenzen hatte.

Glauben Sie, dass alle Spieler das Bewusstsein für die Lage haben?

Es ist ungewohnt, ganz klar. Wir gehen mit Masken von der Kabine zum Trainingsplatz, jederzeit müssen wir die Hygienevorschriften umsetzen. Aber ich bin der Meinung, dass es keine unmöglichen Dinge sind.

In der Krise war zu spüren, dass der Profifußball ein Imageproblem hat.

Ich habe das Gefühl, die Außendarstellung leidet darunter, dass der Fußball oft sehr einfach heruntergebrochen wird: Es gibt 22 Spieler, die mit dem Ball kicken. Doch es steckt mehr dahinter. Das System mit seinen Zehntausenden Arbeitsplätzen wird manchmal nicht gesehen. Und es gibt auch nicht DEN Fußballer, wie es oft dargestellt wird. Solche Verallgemeinerungen sind in keiner Branche angebracht.

Der überhitzte Markt mit hohen Ablösesummen und Gehältern wird sich wohl regulieren, Obergrenzen stehen im Raum. Welche Maßnahmen wären sinnvoll?

Die Summen werden in naher Zukunft nicht machbar sein, ganz klar. Es gab viel Kritik für diese Entwicklung. Am Ende muss es einen guten Plan geben und gute Lösungen für die Probleme. Dann ist es keine Frage, dass ich als Spieler neue Entwicklungen unterstütze, wenn sie zur Lösung beitragen.

Trapp: "Ich will für Deutschland spielen"

Die EM wurde verschoben. Für Ihre Chancen ein Vor- oder Nachteil?

Also darüber, dass ich dann ein Jahr älter bin, mache ich mir keine Gedanken – wenn man sieht, was Torhüter wie Gigi Buffon mit über 40 leisten. Es geht darum, gute Leistungen zu bringen. Und da spielt es keine Rolle, ob wir die EM in diesem oder im nächsten Sommer spielen. Ich habe mir im Herbst Gedanken gemacht, weil ich verletzt war und unbedingt rechtzeitig fit werden wollte. Aus diesem Blickwinkel ist es sicher kein Nachteil.

Mit Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen hat Deutschland zwei der weltbesten Torhüter – bleibt für Sie nur der Kampf um die Nummer drei?

Manu spielt seit zehn, zwölf Jahren auf Topniveau. Marc hat sich in Barcelona extrem weiterentwickelt. Wenn ich ein Teil der Nationalmannschaft sein kann, bedeutet das, dass meine Leistungen auch stimmen. Ich weiß um die Situation, will aber trotzdem, so viel es geht, für Deutschland spielen.