11. Dezember 2020 / 07:45 Uhr

Frankfurt-Oldie Makoto Hasebe über sein Fitnessgeheimnis und den Youngster-Hype in der Bundesliga

Frankfurt-Oldie Makoto Hasebe über sein Fitnessgeheimnis und den Youngster-Hype in der Bundesliga

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der unverwüstliche Mann bei Eintracht Frankfurt: Oldie Makoto Hasebe (36).
Der unverwüstliche Mann bei Eintracht Frankfurt: Oldie Makoto Hasebe (36). © imago images/Thomas Frey/Montage
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Makoto Hasebe ist mit 36 Jahren der älteste Spieler der Fußball-Bundesliga. Vor dem Duell von Eintracht Frankfurt gegen seinen Ex-Klub VfL Wolfsburg spricht der Japaner im SPORTBUZZER-Interview über sein Fitnessgeheimnis.

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Mit Erling Haaland, Youssoufa Moukoko und Giovanni Reyna macht in der Bundesliga vor allem Borussia Dortmund mit Spielern im Alter von 20 Jahren oder jünger auf sich aufmerksam. Dem Trend zur Jugend gegenüber steht schon seit Jahren Makoto Hasebe. Der Oldie von Eintracht Frankfurt ist 36 Jahre alt und immer noch fester Bestandteil der ersten Elf von Trainer Adi Hütter. Er ist der Abwehrchef und scheint einfach nicht zu altern. Inzwischen ist er sogar der älteste Spieler der Liga.

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Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Routinier über das Geheimnis seiner Fitness und die vielen jungen Profis, die in den Vereinen aktuell in die Bundesliga-Kader aufsteigen.

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SPORTBUZZER: Herr Hasebe, zum Hype um Dortmunds Youngster wie Youssoufa Moukoko sind Sie der passende Gegenpol – als ältester Spieler der Bundesliga. Wie fühlt sich das an?

Hasebe (36): Die jungen Spieler könnten meine Söhne sein, das stimmt (lacht). Ich bin sehr stolz, als ältester Spieler der Liga immer noch im Einsatz zu sein. Aber es fühlt sich schon komisch an, mit 17- oder 18-Jährigen zu trainieren und gegen sie zu spielen.

Was hat sich im Vergleich zu Ihrer Anfangszeit als Fußballer geändert?

Der Fußball ist mittlerweile ein anderer. Es gibt nicht nur Moukoko, Giovanni Reyna und andere bei Borussia Dortmund, sondern international zahlreiche Beispiele von sehr guten, jungen Spielern. Es ist eine ganz andere Generation. Es geht alles viel schneller als früher.

Worauf kommt es für die Jungs an?

Es ist eine schwierige Situation. Sie verdienen sehr gut. Alle sagen, wie gut sie sind. Das ist okay, doch sie sollten bescheiden bleiben. Ich habe mit vielen jungen Fußballern gespielt, und es ist mir aufgefallen, dass nicht alle von ihrer Persönlichkeit her schon weit genug waren. Sie waren noch nicht erwachsen, teilweise etwas arrogant. So werden sie sich nicht durchsetzen. Der Fokus muss voll auf dem Fußball liegen, um etwas zu erreichen.

Kazuyoshi Miura hat mit 53 Jahren einen Rekord in der japanischen J-League aufgestellt, Noriaki Kasai ist als 48-Jähriger noch als Skispringer aktiv. Wieso sind viele Japaner im hohen Alter derart fit?

Vielleicht liegt es an der Ernährung. Japanisches Essen ist sehr gesund. Herr Kasai und Herr Miura haben aber wirklich großartiges geleistet in ihrem hohen Alter, sie kommen wohl aus einer anderen Welt (lacht). Japaner sind außerdem sehr diszipliniert, das gilt auch für Profisportler. Wir fokussieren uns voll auf den Sport, haben die richtige Mentalität.

Wie lange werden Sie noch spielen – und was ist ihr Erfolgsgeheimnis?

Bis 53 schaffe ich es eher nicht. Aber ich versuche, so lange es geht Profi zu sein. Ein Geheimrezept gibt es dafür aber nicht. Ich schlafe viel, mindestens acht Stunden jeden Tag. Ich entspanne abends in der Badewanne, esse gesund. Nichts Außergewöhnliches, einfach harte Arbeit.

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Ihr Trainer Adi Hütter gibt Ihnen hin und wieder eine Verschnaufpause.

Wichtig ist nur, dass er mit mir redet und erklärt, wieso ich nicht spiele. 34 Bundesligaspiele zu machen, wäre für mich kein Problem. In den letzten beiden Jahren, in denen wir in der Europa League dabei waren, habe ich je fast 50 Spiele gemacht. Das habe ich auch geschafft.

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Sie spielen seit 2008 in der Bundesliga, sind mit Nürnberg abgestiegen, mit Frankfurt beinahe, haben zwei Titel gewonnen.

Das große Highlight für mich war der DFB-Pokalsieg 2018 mit der Eintracht. Die Fans mussten 30 Jahre darauf warten, deshalb war das ein unbeschreiblicher Moment. Die Meisterschaft mit dem VfL Wolfsburg 2009 war ebenfalls toll. Weil es erst mein zweites Jahr in Deutschland war, konnte ich das aber kaum richtig realisieren und genießen. An die Europa-League-Spiele im Jahr 2019 erinnere ich mich gern. Es waren beeindruckende Auswärtsreisen – 20 000 Frankfurt-Fans in Mailand (beim Achtelfinale gegen Inter; Anm. d. Red.), eine riesige Unterstützung im Halbfinale in London gegen den FC Chelsea. Dort sind wir zwar ausgeschieden, aber das sind super Momente, die bleiben.

Wie stark ist die Bundesliga im internationalen Vergleich?

Schon in der Vorsaison schafften es Bayern und Leipzig ins Halbfinale der Champions League. Das zeigt, dass die Qualität der Bundesliga-Mannschaften sehr hoch ist. Doch noch beeindruckender finde ich, dass gleich drei deutsche Trainer im Halbfinale standen (Hansi Flick, Julian Nagelsmann, Thomas Tuchel; Anm. d. Red.). Es ist sehr interessant, dass Deutschland so viele gute junge Trainer entwickelt. Deshalb würde es mich sehr freuen, wenn ich hier auch meinen Trainerschein machen könnte. Deutsche Trainer leben eine hohe Disziplin vor und fordern diese auch ein. Das passt gut nach Japan. Hinzu kommt deren Siegermentalität. So etwas fehlt den japanischen Trainern vielleicht ein bisschen.