23. Februar 2019 / 07:19 Uhr

Fan-Forscher kritisiert Eintracht-Präsident: Aussagen "in keinster Weise akzeptabel"

Fan-Forscher kritisiert Eintracht-Präsident: Aussagen "in keinster Weise akzeptabel"

Redaktion Sportbuzzer
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Nach Meinung des Fanforschers Gunter Pilz hat Frankfurts Präsident Peter Fischer mit seinen Aussagen vor dem Spiel zur Eskalation im Stadion beigetragen.
Nach Meinung des Fanforschers Gunter Pilz hat Frankfurts Präsident Peter Fischer mit seinen Aussagen vor dem Spiel zur Eskalation im Stadion beigetragen. © dpa/imago
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Der Polizei-Einsatz vor dem Europa-League-Spiel in Frankfurt schlägt weiter hohe Wellen. Der Soziologe Gunter Pilz empfiehlt dafür ein transparenteres Vorgehen und kritisiert Eintracht-Präsident Peter Fischer für dessen Aussagen vor dem Spiel. Die Gewerkschaft der Polizei schlägt einen Dialog vor.

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Nach dem umstrittenen Polizeieinsatz beim Europa-League-Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Donezk (4:1) hat der Fanforscher Gunter Pilz Eintracht-Präsident Peter Fischer wegen Aussagen über ein „brennendes Stadion“ kritisiert. Seine Äußerungen seien klar mit dem Thema Pyrotechnik in Verbindung zu bringen gewesen. „Ich finde, das war in keinster Weise akzeptabel“, sagte Pilz der dpa. „Selbst wenn er was anders gemeint hat, von einem Präsidenten eines Vereins kann man schon erwarten, dass er sich der Tragweite dessen, wie und was er sagt, bewusst ist.“

Fischer hatte in einem Interview einen Tag vor dem Spiel gesagt: „Wenn ich sage, dass das Stadion morgen brennt, dann brennt das morgen. Und zwar so, dass Ihr kaputtgeht, weil Ihr viel zu viel Licht habt, und deshalb wird das Spiel vielleicht ein bisschen neblig für Euch.“ Die Äußerungen hatten zu einer Durchsuchungsaktion der Polizei geführt, um die Stadionbereiche nach Pyrotechnik abzusuchen. Gefunden wurde nichts. Später entfernte die Polizei noch ein Transparent, das den hessischen Innenminister Peter Beuth (CDU) beleidigt haben soll.

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Auch wenn die Polizei einen gerichtlichen Beschluss gehabt habe, wisse jeder, dass „ein solcher Einsatz im Stadion in Anwesenheit von Fans nicht ein Beitrag dazu ist, die Szene zu befrieden oder zu entschärfen, sondern eher in Wallungen zu bringen“, sagte Pilz. Es liege in der Natur der Sache, „wenn die Polizei in einen Block reingeht und irgendwas rausholt, dass sie da nicht mit Samthandschuhen vorgeht, sondern dass der eine oder andere etwas abkriegt“. Besser sei, wenn die Polizei ihre Einsätze vorher transparent mache. Dieses Modell sei eine Zeit lang in Hannover erfolgreich angewendet worden.

Eintracht Frankfurt attackiert Polizei und Innenminister Beuth

Die Bosse der Frankfurter hatten die Polizei ihrerseits scharf attackiert und wörtlich von einem "Eklat" geschrieben. Zur Wahrung eigener Rechtsansprüche hat die Eintracht eine anwaltliche Untersuchung des Polizeieinsatzes vor dem Donezk-Spiel veranlasst. Zudem übte der Verein in einer Pressemitteilung heftige Kritik an den polizeilichen Maßnahmen, die „nicht der Gefahrenabwehr“ gedient hätten und „weder geeignet, noch erforderlich, noch verhältnismäßig“ gewesen seien. Dass der Verein als in jeglicher rechtlicher Hinsicht in der Haftung stehender Veranstalter nicht mit einbezogen wurde, "kommt einem Eklat gleich", heißt es in der Mitteilung.

Zudem wies der amtierende DFB-Pokalsieger die kurz zuvor von Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) gegen Fischer erhobenen Vorwürfe zurück. Beuth hatte Fischers am Tag vor dem Spiel getätigte Äußerungen, dass Stadion müsse "brennen", auf einer Pressekonferenz als unverantwortlich bezeichnet. Solche Aussagen seien höchst bedenklich und inakzeptabel, rügte der Innenminister. „Die abwegigen Vorwürfe des Innenministers in Richtung der Verantwortungsträger von Eintracht Frankfurt, die nun zur Rechtfertigung des polizeilichen Handelns herangezogen werden, belegen in bedrückender Weise, dass es objektiv und zuvorderst nicht um Fragen der Sicherheit ging“, kritisierte wiederum der Verein.

Polizeigewerkschaft GdP verteidigt Einsatz

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verteidigte den Polizeieinsatz bei dem Spiel gegen den ukrainischen Meister Schachtjor Donezk, das die Frankfurter mit 4:1 gewannen. Das Anfertigen und Zeigen eines Spruchbands mit beleidigendem Inhalt sei eine Straftat und damit aufzuklären, sagte der Landesvorsitzende Andreas Grün. Nicht nur die Aussagen Fischers hätten zu der Durchuchung geführt. „Da bedarf es ja immer noch des Mitwirkens der Staatsanwaltschaft und der Gerichte. Das heißt, sie müssen ja auch noch ein Gericht davon überzeugen, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass vielleicht Pyrotechnik gefunden wird.“

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Auch Bewertungen aus der Vergangenheit seien eingeflossen. „Bei Pyrotechnik sind natürlich die Fangruppen oder die Ultras da anderer Meinung in der Bewertung“, sagte Grün. Von Bengalos gehe aber ein hohes Gefahrenpotenzial aus, von daher seien sie eben verboten. „Da hat es auch schon genügend Verletzte gegeben.“

Grün sagte, er halte es für sinnvoll, dass sich Fans, Verein und die Polizei noch einmal austauschten und die Geschehnisse nachbereiteten: „Dass die Polizei auch noch mal erklären kann, dass das rechtstaatlich durchzuführende Maßnahmen waren und es gute Gründe dafür gab.“ Er sehe „kein Potenzial, dass jetzt für die Zukunft das Klima total vergiftet ist“.

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