04. Oktober 2021 / 19:09 Uhr

Eisbeutel für alle! Wie lange halten die Grizzlys Wolfsburg das durch?

Eisbeutel für alle! Wie lange halten die Grizzlys Wolfsburg das durch?

Jürgen Braun und Sven Grosche
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zach Redmond von Red Bull MŸnchen und Ryan Button von den Grizzlys Wolfsburg wŠhrend des Spiels zwischen Red Bull MŸnchen und die Grizzlys Wolfsburg am 01.10.2021 in MŸnchen, Deutschland. (Foto von City-Press GmbH)
Sie blockten was das Zeug hielt: Hier arbeitet Ryan Button gegen Münchens Zach Redmond, die Grizzlys gaben mit ihrer Mini-Abwehr alles, brauchten viele Eisbeutel, aber holten fünf Punkte aus zwei Spielen. © Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH
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Geht nicht, gibt's nicht! Das scheint das Motto der Grizzlys Wolfsburg zu sein. Der deutsche Eishockey-Vizemeister spielte zuletzt nur mit einer halben Abwehr, holte dennoch sechs Punkte am Wochenende und liegt punktgleich mit München an der Spitze der DEL. Die Misere ist noch nicht vorbei, doch es gibt Hoffnung.

Erst ein 3:2 in München, dann ein 2:1 daheim gegen Straubing: Es war ein Bravourstück, das die Grizzlys Wolfsburg am Wochenende ablieferten. Denn: Am Freitag waren sie schon nur noch mit fünf gelernten Verteidigern gestartet, am Sonntag dann fehlten von denen noch zwei: Janik Möser und Jordan Murray. Was dann kam? "Wahnsinn", so Wolfsburgs nicht vorschnell zu Euphorie neigender Manager Charly Fliegauf. Nur drei gelernte Verteidiger, am Ende sieben Spieler mit über 20 Minuten Eiszeit. Outstanding. "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir schon mal in der Defensive so knapp waren", meinte Fliegauf.

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Auf Dauer wird es mit dieser Personaldecke nicht gut gehen. Möglich auch, dass für die jüngsten Energieleistungen die Zeche erst bezahlt wird, wenn der eine oder andere Spieler zurückkehrt. Doch jetzt hat man erst einmal ein Polster. Und: Auf Rückkehrer hoffen die Grizzlys dringend. Die Vorzeichen stehen nicht so schlecht. Björn Krupp, der wegen Medikamenteneinnahme nicht trainieren konnte, dürfte wieder ins Training einsteigen, vielleicht reicht es auch schon für Youngster Steven Raabe. Sturmhüne Darren Archibald ist ebenso ein Rückkehrkandidat. Und Janik Möser kommt vielleicht mit einer Ellenbogenprellung aus dem Spiel in München davon. Sein Einsatz am kommenden Wochenende schien am Montag nicht ausgeschlossen.

Grizzlys Wolfsburg gegen Straubing Tigers 2:1

Szenen vom DEL-Spiel Grizzlys Wolfsburg gegen Straubing Tigers Zur Galerie
Szenen vom DEL-Spiel Grizzlys Wolfsburg gegen Straubing Tigers © Grizzlys Wolfsburg / City-Press GmbH, Boris Baschin

Bei Jordan Murray (Oberkörperverletzung) sieht es indes schlechter aus. Bei ihm könnte es eine Weile dauern, genau wie bei Armin Wurm (Handverletzung). Verstärkungen sind zwar ein Thema, aber, so der Manager: "Wenn sich abzeichnet, dass wir bis zur Spielpause im November wieder komplett sind, neige ich zum Abwarten." Einfacher Grund: "Mit acht Verteidigern waren wir gut aufgestellt." Die könnten gar nicht alle zugleich eingesetzt werden. Ein Zugang würde dazu führen, dass, wenn alle fit sind, nur noch mehr Spieler plötzlich einen Tribünenplatz hätten. Und den hätte nach den jüngsten Vorstellungen schon keiner verdient. Fliegauf: "Da ist doch keiner unter den Erwartungen."

Eher darüber. Findet auch Trainer Mike Stewart: "Wir Coaches mussten improvisieren, haben einen Plan gemacht, aber wir konnten im Grunde nur noch reagieren. Das Lob muss man an die Jungs geben, sie haben das fantastisch umgesetzt." Er gibt zu: "Wenn gegen Straubing noch ein Verteidiger ausgefallen wäre, hätten wir improvisieren müssen. dafür hatten wir kleinen Plan mehr." Und die Gefahr bestand, denn seine Schützlinge gingen hohes Risiko, wie es gefordert ist. Sie blockten Schüsse, was das Zeug hielt. "Gegen Straubing so viele wie noch nie in dieser Saison", sagte Stewart. Nicht nur in Unterzahl. Der Coach: "In einer Shift hat Gerrit Fauser mal drei Schüsse weggenommen."

Die Konsequenz schilderte Fliegauf so: "In der Kabine saßen sie dann - mit Eisbeuteln links und rechts." In der Abwehrnot halfen Torjäger Sebastian Furchner, der bis zu den Junioren Verteidiger gespielt hatte, und Tyler Gaudet, der sich dann am Sonntag auch in den Dienst der Sache stellte, als es am Freitag weitere Ausfälle gegeben hatte. Ein paar Mal hatte Gaudet früher mal verteidigt, bei Furchner war es 24 Jahre her. Stewart: "Beide haben gesagt, sie sind bereit, sich für die Mannschaft zu opfern. Chapeau!"

Machacek mit der Torwart-Maske

Die Opfer lohnten sich, die Punkte kamen, und deshalb hatten die Profis trotz aller Schmerzen Spaß. Als die Fans Towart Dustin Strahmeier lautstark zum Jubel forderten, kam erst mal Spencer Machacek mit Torwartmaske. Doch das war auch ein Zeichen. Machacek: "Unsere Torhüter geben uns jede Nacht die Chance zu gewinnen."