16. Juli 2020 / 17:20 Uhr

Eishockey-Corona-Konzept steht: Grizzlys Wolfsburg erwarten arbeitsreichen August

Eishockey-Corona-Konzept steht: Grizzlys Wolfsburg erwarten arbeitsreichen August

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Das könnte eng werden: In der Kabine der Grizzlys Wolfsburg sind die 1,5 Meter Mindestabstand nicht einzuhalten - das sorgt auch bei Manager Charly Fliegauf für zusätzliche Arbeit in nächster Zeit.
Das könnte eng werden: In der Kabine der Grizzlys Wolfsburg sind die 1,5 Meter Mindestabstand nicht einzuhalten - das sorgt auch bei Manager Charly Fliegauf für zusätzliche Arbeit in nächster Zeit.
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Der Deutsche Eishockey-Bund hat das Hygiene-Konzept vorgestellt, mit dem im Zeichen der COVID-19-Pandemie der Kufensport in den On-Ice-Betrieb zurückkehren kann. Auch auf die Grizzlys Wolfsburg kommt viel Arbeit zu. Die für die DEL-Profis und Fans wohl spannendste Frage, nämlich wie viele Zuschauer dabei sein dürfen, muss erst einmal unbeantwortet bleiben.

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Einlass für Teams (getrennt), Fans (gesteuert, namentlich erfasst), Abstandsregeln (während des Trainings in der Kabine 1,5 Meter), Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, Hallenbelüftung (die Einfluss auf die Maximalkapazität haben könnte) - auf über 80 Seiten haben Experten von DEL, DEB und andere Fachleute aus dem medizinischen Bereich ein detailliertes Konzept erarbeitet, mit dem der Kufensport in den On-Ice-Trainings- und in den Spielbetrieb zurückkehren kann.

Noch keine Antwort von der Politik

Das Konzept macht Hoffnung, hat aber auch Hürden. Auch auf die Grizzlys Wolfsburg kommt einiges an Arbeit und Vorbereitungsmaßnahmen zu. Und die für die Profis wohl spannendste Frage, nämlich wie viele Zuschauer dürfen rein, muss erst einmal unbeantwortet bleiben. „Das ist ein ziemlich gutes Konzept, mit dem wir die Spieler wieder aufs Eis bringen“, sagte DEL-Spielbetriebsleiter Jörg von Ameln.

Allerdings sind wesentliche Punkte noch offen: So gibt es bislang noch keine Rückmeldung aus der Politik zum Konzept, das bereits seit Anfang des Monats an entscheidenden Stellen vorliegen soll. „Stand heute haben wir das Feedback noch nicht. Wir werden das in den kommenden Tagen und Wochen mit den Entscheidungsträgern besprechen“, räumte Stefan Schaidnagel, Sportdirektor des DEB ein.

So wollen die Grizzlys testen

Auch sieht das Konzept keine einheitliche Testung von Spielern vor. „Wir müssen einen Rhythmus finden, in dem wir Spieler regelmäßig testen. Das entscheidet jeder Verein vor Ort“, sagte der medizinische DEB-Koordinator Lutz Graumann. Ungeklärt ist demnach auch, wer für die Kosten aufkommen soll. Grizzlys-Manager Charly Fliegauf sieht das für Wolfsburg schon geklärt: "Wir werden kurz vor der Wettkampfphase in kurzen Abständen testen, um eine Ausgangslage zu haben."

Mehr zu den Grizzlys Wolfsburg

Ob in der DEL in der neuen Saison vor Zuschauern gespielt werden kann, ist noch offen. Die Profi-Klubs sollen auf Grundlage des vorgelegten Konzeptes individuelle Pläne erarbeiten. Ob an den jeweiligen Standorten Zuschauer möglich sind, entscheiden die lokalen Gesundheitsämter. In der Bewertung des Konzeptes mag sich Fliegauf nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, "weil der Teufel oft im Detail steckt". Man werde Schritt für Schritt vorgehen, weil sich die Lage ja auch noch verändern könne. Sicher sei aber: "Der August wird für uns ein anspruchsvoller, arbeitsreicher Monat."

Nachwuchs fürs Training wohl ohne Kabine

Am Beispiel der Halle in Füssen haben die Autoren des Konzeptes die Möglichkeiten, Hürden und Voraussetzungen aufgezeichnet. Für Wolfsburg interessant dabei: Bei einer Kapazität von knapp 4000 Zuschauern in Füssen scheint es dort denkbar, rund 2000 Zuschauer zuzulassen. Das darf dem Standort Wolfsburg Hoffnung machen. Rainer Schumacher, für den Nachwuchs und Hallen-Organisation zuständiger Geschäftsführer: "Wir haben sicher auch das Plus, das unsere Halle relativ neu ist." Sie wurde 2006 fertiggestellt. Klar sei, so Schumacher, dass "wir jetzt die Gespräche mit der Stadt suchen".

Zugleich gehe es jetzt in Schritt 1 an die Planung für die Rückkehr ins Eis-Training. Für die Profis werde das vielleicht gar nicht so schwierig, für den Nachwuchs, der in der Regel die kleinen Kabinen unter der alten Tribüne nutzt, schon. Das Modell, so Schumacher: "Die Kabinen werden nicht genutzt. Die Kinder und Jugendlichen sollten umgezogen gebracht werden, müssten neben dem Eis die Schlittschuhe anziehen, nach dem Training daheim duschen. Die Eltern könnten während des Trainings nicht mehr in die Halle."

Tyler Haskins hilft im Training bei den Grizzlys Wolfsburg

Tyler Haskins in seinem Element: Auf Wolfsburgs Eis - nun mal als Assistenztrainer. Zur Galerie
Tyler Haskins in seinem Element: Auf Wolfsburgs Eis - nun mal als Assistenztrainer. © Jürgen Braun

Eine Umstellung droht auch den Profis: 1,5 Meter Abstand an Trainingstagen könnten sie in ihrer Kabine nicht halten. Im Notfall müsste das Team auf die zwei großen Kabinen aufgeteilt werden. Das wäre aber spätestens kurz vor den Spieltagen kritisch, weil dann üblicherweise oft das Gast-Team schon diese zweite Kabine belegt.

DEL-Chef betont erneut die Wichtigkeit der Wirtschaftlichkeit

Zuschauer - das ist der kritischste Punkt für das Oberhaus. Für das Lizenzierungsverfahren durften die Klubs mit der gewohnten Hallenauslastung kalkulieren. Geht das wegen möglicher Einschränkungen durch Corona nicht, müssten die Zahlen "nachgearbeitet" werden, hatte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke gesagt, und auf die dann mögliche Notwendigkeit weiterer Förderung hingewiesen - neben dem Konjunkturpaket und trotz der guten Nachricht vom Einstieg eines Titelsponsors, der jedem Klub weiterhin einen sechsstelligen Betrag jährlich bringt. Nach der Veröffentlichung des Hygienekonzeptes sagte er auf der DEL-Homepage: "Wir haben die Hoffnung und das Ziel, dass wir ab November wieder Spiele vor Zuschauern veranstalten können. Zugleich ist uns wichtig, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen tragfähig sind."

Das Konzept des DEB

Wer sich tiefer in die Materie einlesen will - hier geht es zum Konzept.