16. November 2020 / 17:44 Uhr

Damit die DEL spielen kann: So hängen sich auch die unsichtbaren Helfer der Grizzlys rein

Damit die DEL spielen kann: So hängen sich auch die unsichtbaren Helfer der Grizzlys rein

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
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Sie arbeiten hinter an der Bande: Dieses Archivbild zeigt das Grizzlys-Kampfgericht (vorn Silvia Tschöp, h. l. Angela Wegner) beim Länderspiel in der Eis-Arena. Nun bewältigt die Crew eine ganz andere Herausforderung: Geisterspiele in Corona-Zeiten. © Boris Baschin (Archiv)
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Keine Fans, keine Stimmung, aber wenigstens Eishockey. Für die Spieler war die Atmosphäre seltsam, aber auch für die eingespielte Crew am Kampfgericht bei den Grizzlys Wolfsburg. Auch sie vermissen die Fans und wissen um hohe Verantwortung.

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Das Eishockey-Geisterspiel gegen die Düsseldorfer EG, das war nicht nur für die Aktiven der Grizzlys, die am Dienstag in Krefeld spielen, eine besondere Situation, an die man sich gewöhnen muss. Auch für die hinter dem Plexi kaum sichtbaren und bis auf Sprecher Jens Kluck unhörbaren, aber extrem wichtigen Helfer rund um den Zeitnehmertisch. "Wir vermissen die Fans schwer", sagt Angela Wegner, die die Tür der Heim-Strafbank bedient. Vermissen im doppelten Sinne. Denn natürlich schätzen die insgesamt elf Kampfgerichtler den Sport und seine besondere Atmosphäre. Aber hinzukommt, so Gerald Klaukien, der unter anderem für Zeitnahme und Aufnahme der Torschützen von den Schiedsrichtern hinter der Plexi-Wand steht: "Die Fans helfen uns, das Spiel zu verfolgen. Wir haben nicht immer optimale Sicht. Oder wenn wir zum Beispiel gerade noch etwas notieren und ein bestimmtes Raunen hören, richten wir unseren Blick sofort hoch."

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Diese Geräusche fehlen. "Da ist ja bei einem Jugendspiel mehr Krach", so Wegner schmunzelnd. 20, 30 Leute und ihre Reaktionen reichen schon, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das war übrigens am Samstag auch anders deutlich spürbar - anfangs wurde Lightshow und Tor-Musik verzögert eingespielt. DJ Jens Kluck musste auch stets erst einmal realisieren: "Oh, ja, ist wohl Tor!"

Grizzlys Wolfsburg - Düsseldorfer EG: Geisterspiel ohne Fans

Geisterspiel ohne Fans: Im Magentasport-Cup gewannen die Grizzlys Wolfsburg mit 7:0 gegen die Düsseldorfer EG. Zur Galerie
Geisterspiel ohne Fans: Im Magentasport-Cup gewannen die Grizzlys Wolfsburg mit 7:0 gegen die Düsseldorfer EG. © Britta Schulze

Nicht nur akustisch helfen die Fans. Klaukien: "Ob der Puck drin ist, können wir nicht immer gleich erkennen, aber wenn die Fans bei unseren Toren aufspringen, wissen wir sofort Bescheid. Denn den Pfiff der Schiedsrichter hören wir nicht. Und von unserer flachen Position sehen wir sie auch nicht immer." Einziger Vorteil nun: "Wir können leichter mit den Unparteiischen kommunizieren, hören alle Pfiffe."

Aber auf diese Vorteile würden die Off Ice Officials, wie sie Eishockey-fachlich heißen, lieber verzichten. "Man ist irgendwie wacher, aufmerksamer, wird quasi mitgenommen, wenn Kulisse da ist", erklärt Klaukien. Missen übrigens wollen alle ihr Spiel dennoch nicht. Mindestens mehr als ein halbes Jahrzehnt ist das Team schon dabei. Urgestein ist die langjährige Unparteiische Silvia Tschöp, im Oktober in die Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Eishockey-Bundes aufgerückt, die mit ihrem Fachwissen und ihrer Art hoch geschätzt ist. Sie sagt: "Wenn wir uns nicht alle so gut verstünden, würden wir den Job nicht alle schon so lange machen."

"Tolles Miteinander beider Teams"

Wolfsburgs Crew hat dadurch auch bei den Unparteiischen einen guten Ruf, und natürlich kennen sie längst auch viele Spieler bestens. Was ihnen beim ersten Geisterspiel der Grizzlys-Geschichte besonders gut gefiel? Der Umgang mit Corona. Wegner: "Die Spieler haben total gut mitgezogen. Sie haben zum Beispiel weniger gespuckt." Letzteres gehört beim Profi-Sport und beim Eishockey sonst ständig dazu. "Sie waren alle aufmerksam. Und insgesamt war es ein tolles Miteinander."

Ein Beispiel: Caterer Nafi Öztan sorgte für die Schiri-Verpflegung (diesmal übrigens statt Büfett-artig einzeln verpackt), der Servierwagen kam per Aufzug nach unten, doch das ist die Corona-Schutzzone der Gäste. Ein DEG-Betreuer schob den Wagen durch, auf der anderen Seite wurde er in Empfang genommen und zu den Schiedsrichtern gerollt.

Masken-Pflicht, Handschuh-Pflicht - dem Kampfgericht macht das nichts aus. Schmerzhafter nun aber für den einen oder anderen: Er muss zu Hause bleiben. Unter Corona-Bedingungen steht an jeder Strafbank nur noch eine Person (statt zwei). Das kann stressig werden, wenn es auf der Bank mal voller wird, hilft aber beim Abstand halten. Jede Strafe weniger würde Wegner und Co. durchaus behagen. Ist die Bank frei, ist nämlich Desinfizieren angesagt.

Die Grizzlys waren mit den Corona-Abläufen zufrieden, die Mitarbeiter auch. Wegner: "Tolles Miteinander beider Mannschaften, alles toll vorbereitet von den Grizzlys und ihren Hygiene-Beauftragten." Daran wolle man in den nächsten Partien anknüpfen. Denn der ehrenamtliche Job bringt eine hohe Verantwortung mit sich. Wegner: "Wenn wir es richtig machen, tragen wir mit dazu bei, dass auch die DEL loslegen kann."