24. Mai 2020 / 16:27 Uhr

Grizzlys-Kapitän Furchner: "Das kritischste Thema meiner Karriere"

Grizzlys-Kapitän Furchner: "Das kritischste Thema meiner Karriere"

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wir lösen das ohne viel Palaver: Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner im SPORTBUZZER-Interview.
"Wir lösen das ohne viel Palaver": Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner im SPORTBUZZER-Interview. © Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH
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Gehaltsverzicht, Gewerkschaftsgründung, Lizenzen, für die die Unterlagen eigentlich jetzt eingereicht sein sollten, in Gefahr - im deutschen Eishockey-Oberhaus sorgt Corona für Sorgen. Der SPORTBUZZER sprach mit Rekordspieler Sebastian Furchner von den Grizzlys Wolfsburg.

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Wie geht es weiter – diese Frage bewegt dieser Tage die deutschen Eishockey-Profis massiv. Sie sollen einem Gehaltsverzicht zustimmen, ohne den die Klubs keine Lizenz erhalten sollen. Dazu haben sich die 14 DEL-Klubs selbst verpflichtet. Auch die Grizzlys Wolfsburg. Klubführung und Spieler geben sich extrem zugeknöpft, Grizzlys-Kapitän und Liga-Urgestein Sebastian Furchner (über 1000 Partien) allerdings beantwortet einige Fragen.

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Herr Furchner, die deutschen Eishockey-Profis sollen auf 25 Prozent Gehalt verzichten…

...das ist so nicht ganz richtig. Unsere Gehalt könnte um bis zu 25 Prozent sinken, je nachdem, wie sich die Einnahmen bei den Klubs in der neuen Saison darstellen.

Es heißt, wenn nicht alle Spieler einer Mannschaft zustimmen, gibt es keine Lizenz. Können Sie als Kapitän etwas zur Situation bei den Grizzlys sagen? Es gab bei anderen Klubs Klagen, man sei erst spät informiert worden, fühle sich durch den Zeitdruck ein wenig erpresst...

Ich weiß nicht, wie es bei anderen Vereinen war. Uns hat der Verein früh und offen informiert. Es wurden viele Gespräche geführt. Fakt ist: Wir sind uns der Probleme bewusst, die die Pandemie in der ganzen Welt auslöst. Fakt ist dementsprechend auch: Es ist das kritischste Thema in meiner ganzen Karriere. Ich werde zu den Details unserer Gespräche nichts sagen. Nur so viel: Wir lösen das, wie man die Grizzlys kennt und wie wir das immer machen: gemeinsam und ohne viel Palaver drumherum.

Ihre früheren Nationalmannschaftskameraden Patrick Reimer und Moritz Müller treiben die Gründung einer Spielergewerkschaft voran…

Das Thema gab es ja schon länger. Das ist grundsätzlich eine gute Sache, nicht nur wegen Corona. Wenn es jetzt schon eine Spielergewerkschaft gegeben hätte, wäre es für die Liga sicher leichter gewesen, uns ihre Ideen zu vermitteln. Die Gewerkschaftsgründung läuft, aber es wird sicher ein, zwei Jahre dauern, bis sie steht, sie muss vernünftig aufgebaut werden.

Furchner-Ehrung in Wolfsburg

Die Furchner-Ehrung in Wolfsburg Zur Galerie
Die Furchner-Ehrung in Wolfsburg © Boris Baschin / Jürgen Braun

Michael Meeske, Geschäftsführer bei den Fußball-Profis des VfL Wolfsburg hat angedeutet, dass er es für denkbar hält, dass erst nächsten Sommer wieder vor Fans gespielt wird. Bei einer Freiluftveranstaltung also. Hallensport könnte kritischer sein. Und Liga-Geschäftsführer Gernot Tripcke hatte ausgeschlossen, längere Zeit ohne Fans spielen zu können, Eishockey ist anders als Fußball auf die Zuschauer angewiesen.

Was kommt, was wird, was ist im Herbst? Das kann heute niemand mit Gewissheit sagen. Aber mich würden jetzt langsam Konzepte interessieren zum Wie. Wie wir eine Eishockey-Saison auch mit Corona spielen können. Damit muss man sich beschäftigen. Die Basketballer machen es gerade vor, spielen ihre DM-Endrunde ohne Fans aus. Wir dürfen nicht immer nur über das Ob reden, sondern sollten Konzepte für das Wie entwerfen. Es gibt sicher viele Möglichkeiten, mit denen wir uns befassen sollten und nicht nur mit der Frage: Was ist, wenn wir nicht spielen? Das Wie ist die Grundlage für alles weitere.

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Die Grizzlys halten sich weiter bedeckt: "Wir werden alle Unterlagen zur Lizenzierung fristgerecht einreichen. Über den strukturellen und wirtschaftlichen Aufbau der Unterlagen bzw. des Etats sowie deren Inhalte werden wir, wie in der Vergangenheit auch, öffentlich keine Angaben machen", teilte Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf am Sonntag - dem Stichtag für die Einreichung der Unterlagen - schriftlich mit. "Wir sind nach wie vor in sehr guten Gesprächen mit den Spielern und dem Trainerteam und haben alle sehr offen und transparent über Chancen und Risiken informiert. Zudem habe ich jedem einzelnen Spieler und den Trainern individuell die persönlichen wirtschaftlichen Auswirkungen der geplanten Maßnahmen aufgezeigt. Auf Grund der sehr detaillierten Aufklärung unsererseits, die seit gestern Abend abgeschlossen ist, sollte jetzt jeder in der Lage sein, eine Entscheidung treffen zu können."