02. April 2021 / 13:01 Uhr

Grizzlys Wolfsburg in der Krise: Cortina will an System festhalten und tadelt die Teamleistung

Grizzlys Wolfsburg in der Krise: Cortina will an System festhalten und tadelt die Teamleistung

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Nürnbergs 25-Daniel Schmölz (vorne) zieht hier zum 2-1 Siegtreffer für Nürnberg ab. Wolfsburgs Torwart 34-Chet Pickard (hinten) hatte keine Chance.

Foto: ISPFD
So einfach kann das gehen: Daniel Schmölz hat Unordnung in Wolfsburgs Hintermannschaft (v. l. Toto Rech, Chet Pickard, Phil Bruggisser, Gerrit Fauser) ausgenutzt, den Puck aufs Tor gebracht, der zum 2:1 für Nürnberg drin sein wird. © ISPFD
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Die Grizzlys Wolfsburg mal wieder in der Krise. Bevor es am Sonntag (17 Uhr) erneut gegen Süd-Schlusslicht Nürnberg Ice Tigers geht, dürfte es intensive Gespräche geben. Und der Druck auf Chefcoach Pat Cortina wächst zum zweiten Mal in dieser Spielzeit.

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Noch halten sie Platz vier, doch im Eishockey-Oberhaus sind die Grizzlys Wolfsburg auf der Rutsche. Viele Tore schossen sie in dieser Saison selten und in Summe nie (71 in 30 Spielen, nur Nürnberg und Krefeld, die beiden Schlusslichter, trafen seltener). Doch inzwischen treffen die Grizzlys fast gar nicht mehr. Sie lassen dickste Chancen aus. Und deshalb hilft es auch nicht mehr, dass die Niedersachsen weiter wenig Tore kassieren. Dennoch: An der Chancen-Verwertung wollte Coach Pat Cortina das 1:2 in Nürnberg nicht festmachen. Weil ihm der ganze Auftritt nicht geschmeckt hatte. "Das war nicht genug", so sein hartes Fazit nach der zahnlosen Vorstellung einer Mannschaft, die als gut besetzt gilt, die früh komplett war und gute Trainingsbedingungen bekam.

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Fakt ist: In ihrer Neun-Spiele-Siegesserie schossen die Grizzlys 30 Tore, in den zehn Spielen danach gewannen sie nur zwei Partien, erzielten dabei nur 15 Treffer und nur viermal mehr als zwei sowie nie mehr als drei. Und die Kurve zeigt hier sogar noch nach unten. In den vergangenen sechs Partien gab es nur sieben Tore. In der Fan-Szene, die mit Cortina nie warm wurde, wird der Chor der Kritiker in den sozialen Medien wieder laut.

In der Siegesserie hatten die Grizzlys stets mindestens zwei Tore geschossen. Die Harmlosigkeit zeigt sich auch im Powerplay: In der Siegesserie gelangen zwölf Powerplay-Treffer, nur in einem Spiel kein Überzahltor. In den vergangenen zehn Spielen gab es nur sechs Powerplay-Tore, in sechs dieser Partien keines.

Das Fazit, dass es nicht genug war, musste Cortina wieder einmal ziehen. "Wir waren zu passiv in der defensiven Zone, haben in der neutralen Zone ab und an Löcher gelassen, offensiv haben wir nicht das ganze Eis genutzt", so seine Detailkritik.

An der Ausrichtung will er nichts ändern, eben auch nicht, weil die Tor-Möglichkeiten da sind: "Das System gibt uns Chancen, wir wollen mit dem Puck spielen. Wenn wir die Chancen nutzen und wenig zulassen, können wir die Spiele gewinnen." Jedoch "muss unser Wettkampf-Level besser sein".

Die Play-Off-Teilnahme - vor der Saison klar als Ziel ausgegeben - ist gefährdet, zwei Konkurrenten im Kampf um Platz vier haben direkten Kontakt zu Wolfsburg, das den vierten Rang hält. Die Zahl der Spiele wird weniger. Die Verantwortlichen in Geschäftsführung und Aufsichtsrat werden sich Gedanken machen, wie es weitergehen soll.

Die Siegesserie kam, nachdem Manager Charly Fliegauf und Aufsichtsrats-Chef Klaus Mohrs öffentlich Druck aufgebaut hatten. Der Negativlauf war damals nicht so krass wie jetzt. Die Ordnung im Spiel allerdings war nicht gut, besserte sich enorm. Eigentlich ist sie jetzt immer noch vorhanden. Nur kommen einfach zu wenig Siege. Die Ergebnisse, damals gefordert, kommen nun schon länger nicht mehr. Welches Register kann man da noch ziehen?

Cortina hat noch keinen neuen Vertrag, bestätigte er vor Kurzem auf Nachfrage.

Wackelt der Trainerstuhl? Die Frage stellt sich nach nur sechs von 30 möglichen Punkten zuletzt fast automatisch. Das weiß er. Aber: "Karfreitag hat die Mannschaft Ruhetag, alle können nachdenken, was sie besser machen können." Die Trainerfrage stelle sich für ihn nicht: "Ob ich noch Trainer sein werde, daran verschwende ich keinen Gedanken." Manager Charly Fliegauf war bis Freitag Nachmittavg nicht für eine Stellungnahme erreichbar.