21. Mai 2021 / 22:04 Uhr

Eishockey-Ikone Jeff Likens über die DEL, die Grizzlys und seinen Abschied

Eishockey-Ikone Jeff Likens über die DEL, die Grizzlys und seinen Abschied

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Likens 3on3
Ein Wiedersehen ist geplant: Aber erst einmal heißt es Abschied nehmen für Jeff Likens und seine Familie. Und Abschied nehmen von einem ganz Großen der DEL und der Grizzlys, der nun seine Karriere beendet hat. © Meghan Corbett, 3on3, Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH
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Er fehlte fast nie, er war der Schrecken vieler Stürmer: Jeff Likens, Urgestein der DEL und der Grizzlys Wolfsburg, hat seine Karriere beendet. Über seine Zeit als Eishockey-Profi könnte er ein Buch schreiben, im SPORTBUZZER hier zum Abschied Eckpunkte, dazu gibt es ein langes Gespräch im neuen 3on3-Podcast powered by SPORTBUZZER. 

​Jeff Likens hat seine Karriere als Profi-Eishockey-Spieler beendet. Als der US-Amerikaner seine Deutschland-Karriere begann, wollte er erst einmal nicht nach Wolfsburg, am Ende blieb er hier am längsten. Und verlässt nun als Rekord-Importspieler die DEL nach einer beeindruckenden Karriere, auch wenn ihm der Titel erneut haarscharf verwehrt blieb. Der 35-Jährige nahm sich jetzt Zeit, um mit SPORTBUZZER-Redakteur Jürgen Braun und Sven Grosche vom 3on3-Overtime Podcast powered by Sportbuzzer ein wenig zurück und vorwärts zu schauen.

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Jeff Likens über…
...sein Feeling kurz nach dem verlorenen Finale und kurz vor der Heimkehr: „Mein Körper sagt, dass er etwas Ruhe braucht, aber ich fühle mich gut, auch, wenn ich jetzt Goodbye sage zum Spiel. Wir sind bereit, zu gehen, genießen unsere letzte Woche hier.

...die Saison und sein letztes Spiel, als er mit einem Cut unter dem Auge ein letztes TV-Interview gab: „Wir hatten gekämpft, es war emotional, traurig, das Karriereende und so eine lange Saison. Wir waren als eines der ersten Teams in die Vorbereitung gegangen, hatten vier Monate Trainingscamp statt der üblichen sechs Wochen. Trainingscamps waren nie mein Favorit. Ich war nach dem Ende traurig – nicht für mich, sondern für alle. Jeder war so nah dran gewesen, viele öfter. Furchi sechs Mal, andere, drei, vier Mal. Die Emotionen, die ich gezeigt habe, kamen auch aus der Situation, dass meine Karriere vorbei ist. Aber ich war auch stolz, was wir erreicht hatten.“

...den Umzug: „Am 27. Mai geht es zurück, die Visa laufen aus, erstaunlich, was sich mit zwei Kindern im Haus so alles angesammelt hat. Wir haben einen Schiffscontainer gemietet, das läuft entspannt.“

...den Wechsel 2008 nach Deutschland: „Larry Mitchell war Manager in Augsburg, er und Charly Fliegauf hatten mich in Manchester beobachtet, von beiden hatte ich Angebote. Larry rief an, Charly rief an, Charly hat fünf Jahre versucht mich zu kriegen, dann hatte er es geschafft.“

...den Trainer, der den größten Eindruck hinterließ: „Pavel Gross hat mich zu einem besseren Spieler gemacht, ohne ihn hätte ich vielleicht nicht so lange auf diesem Niveau spielen können.“


...Begegnungen in Deutschland: „Es war cool später in Deutschland in all den Jahren wieder Spieler zu treffen, die ich noch aus dem US-Junioren-Programm kannte – wie etwa Greg Moore, Tim Wallace, der ja auch eine Weile bei uns in Wolfsburg war, oder Danny Richmond.“

...Tipps von ihm als ehemaligem Juniorenweltmeister an Jan Nijenhuis und Steven Raabe vor der WM vor einigen Monaten: „Ich sagte: ,Gebt den Puck an Stützle, wenn ihr es könnt‘. Stützle hat alle Werkzeuge – Schuss, Skating, Playmaking – man kann sehen, wie gut er noch werden kann. Ernsthaft: Der wichtigste Tipp war: ,Nehmt die Erfahrung mit, habt Spaß‘.“

...Gründe für die Treue zu den Grizzlys: „Pavel hatte daran großen Anteil, mit ihm hatten wir immer die Chance, den Titel zu gewinnen.“

...seine für Gegner unbequeme Spielweise: „Es ist mein Job. Wenn die gegnerischen Spieler nicht wissen, dass du auf dem Eis bist, hast du was falsch gemacht. Wenn du nicht der Schnellste bist, und ich schätze, das bin ich nicht, musst du dennoch zeigen, dass du da bist. Manchmal waren manche deshalb sauer auf mich, aber ich mag die Herausforderung.“

...Tore, die ihm in Erinnerung blieben: „In diesem Jahr im Viertelfinale gegen Bremerhaven. Gegen Düsseldorf mal ein Direktschuss, am Tag nach der Geburt meiner Tochter Jane, das hat mich glücklich gemacht. Meine Mitspieler haben sich immer amüsiert: ,Deine Tore sehen alle gleich aus‘. Ich war keine Scoring Machine – manche können sich an viele ihrer Tore erinnern, ich kann mich besser an Checks erinnern. Ich mag es, zu checken.“

Allstars der Grizzlys Wolfsburg

Felix Brückmann: Kam 2014 aus Mannheim, wurde in Wolfsburg Nationalspieler, ging 2020 zurück zu den Adlern. Dazwischen ein überragender Keeper für die Grizzlys Wolfsburg, ruhig, sympathisch, ein Fels. Steckte ein schlimmes Jahr weg, als Operationen an beiden Hüften notwendig wurden, er 2018/19 kein Spiel machen konnte. 2021 spielte er wieder für Deutschland bei der WM. Zur Galerie
Felix Brückmann: Kam 2014 aus Mannheim, wurde in Wolfsburg Nationalspieler, ging 2020 zurück zu den Adlern. Dazwischen ein überragender Keeper für die Grizzlys Wolfsburg, ruhig, sympathisch, ein Fels. Steckte ein schlimmes Jahr weg, als Operationen an beiden Hüften notwendig wurden, er 2018/19 kein Spiel machen konnte. 2021 spielte er wieder für Deutschland bei der WM. ©

...seine unfassbar seltenen Verletzungen: „Auf jeden Fall habe ich da Glück gehabt. Ich habe eine hohe Schmerztoleranz. Es gibt unterschiedliche Trainingsphilosophien. Für mich war der Weg, mehr explosiv zu arbeiten, weg von Krafttraining mit schweren Gewichten, Augenmerk auf Verletzungverhütung, Beweglichkeit. Massagen, Fitness, Ernährung sind wichtig.

...die lustigsten Kabinenbegebenheiten, die witzigsten Charaktere? „Die lustigsten Sachen? Das kann ich nicht erzählen, aber lustigste Typen gab es viele. Marco Rosa auf jeden Fall und Brent Aubin. Es gibt Zeiten, da ist es im Eishockey ernst, aber wenn man keinen Spaß hat, macht es keinen Sinn.“

...seine leistungsmäßig herausragende letzte Spielzeit: „Ich hatte eine andere Rolle, es war ein wenig einfacher, war ein gutes Jahr für mich mit Julian Melchiori als häufigstem Partner. Er ist ein starker Läufer, so musste ich nicht so viel skaten, ich habe gesagt: ,Ich hole den Puck aus der Ecke, ich checke den Mann, du bringst den Puck raus aus der Zone’. Ich konnte mich drauf fokussieren, hart zu spielen, Schüsse zu blocken. Das mag nicht jeder, ich schon.“

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…seine Zukunft: Den Bereich Mental-Coaching könnte ich mir vorstellen, Spielern beizubringen, smart zu spielen. Im Eishockey zu bleiben wäre eine Möglichkeit. Wenn die Grizzlys mich anrufen würden, ob ich ihnen helfen kann, wäre ich bereit. Einen Indoor-Hunde-Park in Minnesota zu betreiben, ist eine andere Idee. Jetzt will ich aber erst einmal relaxen und die Pro Golf Tour genießen.

...spezielle Momente: „Die Geburt meiner Kinder hier und dreimal in acht Jahren ins Finale zu kommen, ist schon unglaublich. Wenn man darauf zurückschaut, darf man stolz sein.“

...das, was er vermissen wird: „Wolfsburg. Hier sind meine Kinder groß geworden. Alle ihre Freunde und die Freundschaften, die hier für uns als Familie entstanden; die Kabine, mit guten Freunden dort jeden Tag zusammen zu sein, das werde ich wohl am schmerzlichsten vermissen. Wir waren oft in der Autostadt mit den Kindern, der Essehof war schön, das Phaeno, das Planetarium, der Charme Braunschweigs, das wird uns fehlen. Und die Fans. Aber es gibt auch zu Hause einiges zu entdecken. Wir haben jetzt mal zwölf Monate Zeit für soziales Leben dort, statt drei. Das war immer stressig. Aber wir sagen jetzt nicht ,Goodbye Wolfsburg’, sondern ,See you later’, wir sehen uns wieder.“

Das waren Auszüge. Wie er angefangen hat, wer ihn zum Eishockey gebracht hat, wer seine Vorbilder waren, bei wem er sich bedankt, dass er mal der Verteidiger mit den meisten Vorlagen in der DEL war, was ihm die Fans in Wolfsburg bedeuten, und, und, und: Das ganze Gespräch mit Jeff Likens gibt es im 3on3-Overtime-Podcast (oben verlinkt) und auf allen gängigen Podcast-Plattformen wie Spotify, Deezer oder Podcast Addict.