02. Januar 2021 / 16:07 Uhr

Kurioses Schlägerritual: Das bedeutet der Jubel der Scorpions

Kurioses Schlägerritual: Das bedeutet der Jubel der Scorpions

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hoch die Hände: Die Scorpions Christoph Kabitzky (rechts) und Robin Thomson zelebrieren den kuriosen Schlägerjubel.
Hoch die Hände: Die Scorpions Christoph Kabitzky (rechts) und Robin Thomson zelebrieren den kuriosen Schlägerjubel. © Debbie Jayne Kinsey
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Wer zu den Hannover Scorpions hält, hatte in dieser Saison schon oft Grund zum Jubeln. Die Wedemärker holten 17 Siege aus 18 Spielen – und immer wieder fällt ein bestimmtes Ritual nach Toren auf. Doch warum ziehen die Scorpions ihre Schläger hoch und runter, als seien sie Langhanteln?

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Wenn die Spieler von Oberligist Hannover Scorpions einen Sieg feiern, fahren sie auf ihren Torhüter zu und gratulieren sich gegenseitig – so weit, so normal, auf diese Weise be­ju­beln alle Eishockey-Mannschaften einen Erfolg. Bei den Scorpions sieht das aber anders aus.

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Wenn sich die Spieler ihrem Keeper nä­hern, nehmen sie ihre Schläger in beide Hände und he­ben sie waagerecht über den Kopf. Dabei ziehen sie die Schläger jeweils hoch und runter, als seien sie Langhanteln. Das sieht stark und putzig zugleich aus, wirken die Scorpions doch wie computeranimierte Figuren aus den 80er-Jahren. „Oder wie aus einem Eishockey-Videospiel aus den Neunzigern“, sagt Abwehrmann Ro­bin Thomson und lacht.

Tor für die Scorpions! Erfunden hat den kuriosen Schlägerjubel Victor Knaub (Zweiter von rechts).
Tor für die Scorpions! Erfunden hat den kuriosen Schlägerjubel Victor Knaub (Zweiter von rechts). © Debbie Jayne Kinsey

Die gute Laune ist verständlich: Mit 17 Siegen aus 18 Spielen hatten die Scorpions bislang oft Gelegenheit für ihren eigenartigen Jubelstil, der bei ihnen zu einem Ritual geworden ist.

Aber wie hat es angefangen? „Das hat Victor bei uns eingeführt, wir haben es nachgemacht“, sagt Stürmer Robin Marek und meint damit Victor Knaub. Der An­griffs­hü­ne wechselte im Sommer von den Saale Bulls Halle nach Mellendorf. „Das habe ich in Halle schon ge­macht. Aber die Kollegen ha­ben es nicht übernommen“, berichtet Knaub. Vielleicht, weil es mit den Saale Bulls, anders als bei den Scorpions, seltener Siege zu be­ju­beln gab? Knaub lacht: „Ja, sicher auch deswegen. Das konnte sich nicht einspielen.“

Das knaubsche Jubelprinzip

Bei den Scorpions funktionierte es – wenn auch mit Anlauf, ehe die Mitspieler dem knaubschen Jubelprinzip nacheiferten. „Zunächst hat es niemand gemacht. Dann hat irgendwann Christoph Kabitzky damit angefangen – und nach und nach wurden es mehr“, sagt Thomson. Die sukzessive Steigerung hatte auch damit zu tun, dass die Spieler ihren zeitweise verletzten Kollegen grüßen wollten. „Wir ha­ben uns dann gesagt, dass wir das für Harry machen“, berichtet Thomson. Für Harry? Der Abwehrspieler er­zählt aus einem Witz in der Kabine: „Das ist sein Spitzname bei uns. Irgendjemand hat mal erwähnt, er würde nicht wie ein Victor, sondern wie ein Harry aussehen.“ Entsprechend rufen die Spieler auf dem Eis auch „Für Harry“, wenn sie ihr Jubelritual ausführen.

Victor alias Harry Knaub findet es witzig: „Das ist eine Super-Truppe. Toll, wie die Jungs an mich gedacht ha­ben – als ich wieder spielen wollte, aber wegen einer Gehirnerschütterung verzichten musste.“ Ehrensache, findet Thomson: „Er ist wichtig für das ganze Team, seine gute Laune in der Kabine steckt einfach an.“

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Ohnehin herrscht bei den Scorpions aktuell beste Stimmung. Mit 13 Siegen am Stück beendeten sie das alte Jahr, weiter geht es Sonntag (18.30 Uhr) da­heim gegen die Rostock Pi­ran­has – bislang ein Lieblingsgegner. Die Wedemärker gewannen alle drei Saisonvergleiche und erzielten dabei 22 Tore. Bei einem weiteren Erfolg werden sie wieder mit Schlägern über dem Kopf auf Torhüter Brett Jaeger zufahren und putzige Bewegungen machen. Für Harry.