09. Dezember 2020 / 23:02 Uhr

Ex-Eishockey-Profi Marcel Ohmann: Karriere-Ende, doch in Kürze ist sein neues Glück komplett

Ex-Eishockey-Profi Marcel Ohmann: Karriere-Ende, doch in Kürze ist sein neues Glück komplett

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Grizzlys Wolfsburg - Ohmann
Karriere-Ende: Die Grizzlys Wolfsburg waren den letzte Klub von Marcel Ohmenn (Nr. 37), nach unfassbar viel Verletzungspech war er mental down, jetzt ist er wieder glücklich. Und bald noch glücklicher. In Kürze erwartet er mit Freundin Vanessa Nachwuchs. © Boris Baschin / privat
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Mit 28 den dritten Kreuzband-Riss - im Sommer 2019 war für Marcel Ohmann klar: das war's mit der Eishockey-Karriere. Mental war er damals down. Nun geht es ihm wieder gut. Und in Kürze ist das Glück des Eishockey-Profis, der für die Kölner Haie und zuletzt für die Grizzlys Wolfsburg spielte, komplett.  

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Ein stiller Abschied von der Bühne

Für manche gibt es einen großen Abschied, manche melden ihr Karriere-Ende in den sozialen Medien selbst - und manche gehen still und leise. Einer der Stillen spielte zwei Jahre Eishockey in der DEL für die Grizzlys Wolfsburg. Oder besser: spielte kaum. Nur 31 Partien von 2017 bis 2019. Nach unglaublich viel Pech war die Karriere mit 28 vorbei. Marcel Ohmann ist inzwischen 29. Aber endlich wieder glücklich.

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Wie geht es? „Sehr gut“, sagt Ohmann. Und er klingt auch so. Bei den Grizzlys klang er nur selten so locker, so gelöst. Und das hatte seinen Grund: Der Mann mit der Nummer 37 erlitt zwei Kreuzbandrisse in Wolfsburg, insgesamt drei in viereinhalb Jahren. Und direkt nach dem Wechsel an die Aller hatte er noch einen Sack voller Partien wegen einer langwierigen Rückengeschichte verloren. Und einige vor dem zweiten Kreuzbandriss wegen Schulterproblemen. „Ganz ehrlich“, so sagt er, „ich vermisse das Spiel natürlich, aber eigentlich nicht so sehr, wie ich selbst erwartet hatte.“ Klingt komisch für einen, der es so lange gespielt hat, der Jugend- und A-Nationalspieler war, ein quirliger Kämpfer, der immerhin 380 DEL-Partien mit 40 Toren absolvierte.

Druck, Hoffnung, Nackenschlag - "keine schöne Zeit"

Ohmann erklärt: „Was ich immer noch vermisse, sind die Jungs in der Kabine, aber das Spiel an sich, davon hatte ich mich wohl schon ein wenig entwöhnt. Mein Leben bestand ja mehr aus Reha als aus dem Spiel.“ Das hatte Konsequenzen. Auch mental. Ohmann: „Man hat Druck, man macht sich selbst Druck. Wann werde ich fit, wann kann ich wieder spielen, man muss und will sich ja für einen Vertrag empfehlen. Dann hat man Hoffnung, dann kommt der nächste Nackenschlag. Das war keine schöne Zeit.“



Von den Kölner Haien, wo er den Großteil seiner Karriere verbracht hatte, war der gebürtige Neusser zu den Grizzlys gestoßen. Freundin Vanessa kam mit, hatte Arbeit in Wolfsburg, dann in Hannover. Nach seinem dritten Kreuzbandriss, nur wenige Partien nach einem Comeback, das stark war, lief sein Vertrag aus, Ohmann zog nach Hannover, merkte nach einem neuerlichen Reha-Anlauf: „Das wird nichts mehr.“ Inzwischen sind die beiden verlobt, die Hochzeit soll bald folgen, sie wohnen wieder in Pulheim bei Köln. Zum Jahreswechsel wird Nachwuchs erwartet. „Passt alles“, sagt Ohmann, „auch in diesen schwierigen Corona-Zeiten. Unsere Eltern wohnen jeweils nicht weit entfernt. Das erleichtert vieles, auch wenn das Baby da. Vanessa sagt, ich bin viel entspannter geworden.“

Jetzt sind die Steuern Ohmanns Fach

Ohmann macht jetzt eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten. Im August hat er begonnen, in zweieinhalb Jahren ist er fertig. „Ich hatte überlegt, was ich machen könnte, hatte mich immer schon gern um meine eigene Steuererklärung gekümmert. Das könnte zu mir passen, dachte ich mir.“ Zumal: „Eishockey-Profis haben auch mit Steuern zu tun, ich kenne dann zwei Seiten beruflich, wer weiß, wofür das mal gut ist.“ Das Eishockey-Spiel als Profi fehlt ihm nicht, dem Eishockey bleibt er dennoch erhalten, ab und an macht er in der Hockey-Schule von Ex-NHL-Spieler Alexander Sulzer mit. "Ich kann mir auch vorstellen, mal als Trainer zu arbeiten." Aber das darf warten. Erst einmal freut er sich aufs Weihnachtsbaby und genießt „das, was man plötzlich auch zu schätzen weiß, eine geregelte Arbeitszeit und Wochenenden.“ Manchmal fällt es jemandem in der Berufsschule auf, dass er doch der Ex-Eishockey-Profi ist. Selten. Und Ohmann ist das recht. „Denn meine Profi-Karriere ist vorbei.“

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"Wobei", so sagt er dann und man hat das Gefühl, man sieht durchs Telefon sein Schmunzeln, „ich habe ja eigentlich nie mein Karriere-Ende verkündet. Könnte man ja hiermit mal machen.“ Kann man. Lieber hätte man ihn noch einmal spielen sehen, gesund. Den Stürmer, dem Bremerhavens Manager Alfred Prey mal den Weg eines Sebastian Furchner prophezeit hatte. Es kam anders. Aber jetzt ist er wieder glücklich. Und das ist nach so finsteren Zeiten vielleicht das Wichtigste.

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