08. April 2020 / 08:00 Uhr

Eishockey-Trainer Marco Sturm über einen Abbruch der NHL, die Corona-Krise und seine Zukunft

Eishockey-Trainer Marco Sturm über einen Abbruch der NHL, die Corona-Krise und seine Zukunft

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ex-Bundestrainer Marco Sturm wechselte Ende 2018 den Job: er wurde Co-Trainer der Los Angeles Kings in der NHL.
Ex-Bundestrainer Marco Sturm wechselte Ende 2018 den Job: er wurde Co-Trainer der Los Angeles Kings in der NHL. © Getty
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Der ehemalige Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm rechnet mit einem Abbruch der US-Liga NHL. Der Co-Trainer der Los Angeles Kings sprach mit dem SPORTBUZZER über die Folgen der Coronavirus-Pandemie und seine vertragliche Situation.

Marco Sturm ist im Wartestand. Denn wegen des Ausbruchs der Coronavirus-Pandemie ist auch der Spielbetrieb in der amerikanischen Eishockey-Liga NHL seit Mitte März unterbrochen. Folglich ist auch der frühere Bundestrainer, seit November 2018 als Co-Trainer der Los Angeles Kings in der stärksten Eishockey-Liga der Welt tätig, zur Tatenlosigkeit verdammt.

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Dass sich daran bald etwas ändert, glaubt Sturm nicht. Der 41-Jährige Bayer rechnet mit einem Saisonabbruch, wie er dem SPORTBUZZER verrät: „Die Liga kämpft bis zum letzten Tag, das ist klar“, weiß Sturm um die Bemühungen, die laufende Spielzeit mit Verspätung abzuschließen. „Trotzdem gehe ich nicht davon aus, dass wir in dieser Saison noch einmal spielen werden. Wenn ich betrachte, was in den anderen Staaten alles los ist, sehe ich keine Chance, dass wir die Spielzeit weiterführen.“

"Bei uns wird es wahrscheinlich erst in den nächsten Wochen richtig schlimm"

„Los“ ist Corona, und „die anderen Staaten“, das sind dieser Tage vor allem New York und Louisiana, wo die Infektionszahlen derzeit bedrohlicher als überall sonst in den USA in die Höhe schießen. „Bei uns wird es wahrscheinlich erst in den nächsten zwei, drei Wochen richtig schlimm“, meint Sturm, der von seinem Chef Rob Blake kurz nach dem 3:2-Sieg über die Ottawa Senators am 12. März die Genehmigung erhielt, in den Flieger nach Florida zu steigen.


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Dort haben die Sturms seit acht Jahren ihren Wohnsitz. Und auch, wenn die Lage dort im Südosten der USA noch nicht so dramatisch ist wie in anderen Gegenden der Welt, vermeidet die Familie Kontakte. „Von meinem Arbeitgeber war der Befehl, dass wir uns nur zu Hause aufhalten“, erzählt der Assistent von Kings-Cheftrainer Todd McLellan. Spieler und Coaches müssen täglich an den Mannschaftsarzt melden, ob sie Symptome haben. Positiv getestet wurde bei den Kings noch niemand.

Parallel zu allen Vorsichtsmaßnahmen laufen die Planungen für die Zeit nach der Krise. Die Mannschaft muss fit bleiben. Die Spieler erhalten Trainingspläne über eine eigens entwickelte Handy-App. Der Fitnesscoach überwacht, ob die Profis ihre Verpflichtungen erfüllen, und gibt die Informationen ans Trainerteam weiter.

Über Videokonferenzen hält Sturm Kontakt zu McLellan und dem Management. „Der Fokus liegt ja schon auf der nächsten Saison. Man kann sich nicht nur zurücklehnen und abwarten, was passiert“, sagt Sturm. Über die Meetings mit den Bossen erhält er im „Exil“ in Florida auch Angaben dazu, wie sich die Situation in Los Angeles entwickelt.

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Sturm will bei den Kings bleiben: "Auf einem guten Weg"

Die Fallzahlen in der kalifornischen Metropole sind bislang trotz mehr als 120 Toten noch recht gering. Doch die Stadt trifft Vorkehrungen gegen einen schlimmeren Ausbruch. „Seit einer Woche sind die Strände blockiert. Man hat LA so noch nie gesehen. Es sind fast keine Leute auf der Straße. Es ist wie im falschen Film. Das ist schon etwas beängstigend“, gibt Sturm zu, der Deutschland als Bundestrainer mit Olympiasilber 2018 zu einem historischen Erfolg verhalf.

Er hofft, bald wieder ein anderes Los Angeles zu erleben – am liebsten weiter als Co-Trainer der Kings. Sein Vertrag läuft zwar am Ende der Saison aus, doch der Klub besitzt die Option, um ein Jahr zu verlängern – und wird diese wohl ziehen. Sturm: „Durch Corona hat sich das verschoben, aber wir waren auf einem sehr guten Weg. Vom Verein kam ja schon das Signal, dass es weitergehen soll.“ Über die einjährige Option denkt er derzeit jedoch nicht hinaus. Beide Parteien würden nächste Saison „frühzeitig schauen, wie es weitergeht“, erklärt er. Das fällt gewiss leichter, wenn bis dahin der größte Gegner abseits des Eises bezwungen ist: das Coronavirus.