31. März 2018 / 10:16 Uhr

Eishockey-Nationalspieler Marcel Goc im SPORTBUZZER-Interview: "Ich wünsche mir mehr Zeit im TV"

Eishockey-Nationalspieler Marcel Goc im SPORTBUZZER-Interview: "Ich wünsche mir mehr Zeit im TV"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Marcel Goc steht mit dem DEL-Klub Adler Mannheim im Halbfinale der Playoffs - mit der Nationalmannschaft gewann er bei Olympia Silber.
Marcel Goc steht mit dem DEL-Klub Adler Mannheim im Halbfinale der Playoffs - mit der Nationalmannschaft gewann er bei Olympia Silber. © imago/Eibner
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Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und Spieler der Adler Mannheim, Marcel Goc, schwärmt von den Olympischen Spielen und spricht im Interview darüber, wie der Eishockey-Hype in Deutschland genutzt werden soll. Zudem spricht er über die DEL-Play-offs gegen Red Bull München.

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Deutschland erlebte während der Olympischen Winterspiele einen wahren Eishockey-Hype. Die deutsche Nationalmannschaft spielte ein herausragendes Turnier, gewann gegen Schweden und Kanada. Zum Finalspiel gegen die "Olympischen Athleten aus Russland" standen viele Menschen mitten in der Nacht auf. Marcel Goc führte sein Team in Pyeongchang als Kapitän aufs Eis. Nur ein paar Tage später spielte er mit den Adler Mannheim schon wieder in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). In diesen Tagen tritt er mit dem Serienmeister früherer Tage gegen den EHC Red Bull München in der Halbfinalserie an. Im Interview mit dem SPORTZBUZZER spricht er über die Olympischen Spiele, mehr TV-Zeit und die Spiele gegen München.

Marcel Goc, es ist gerade einmal einen Monat her, da haben Sie mit Olympia-Silber Ihren wohl größten Karriere-Moment erlebt. An welchen Moment erinnern Sie sich zuerst, wenn sie an die Winterspiele denken?

Diesen einen Moment gibt es nicht. Wir haben von Anfang bis Ende ein super Turnier erlebt. Das fing schon im Trainingslager in Füssen an, wo die Stimmung im Team schon sehr gut war. Wir hatten zu Beginn der Spiele Möglichkeit bei anderen Sportarten vor Ort zu sein und deutsche Medaillen mitzuerleben. Das war bei anderen Olympischen Spielen so selten möglich aufgrund der weiten Wege. Wir selbst haben gut gespielt und hatten sicherlich auch Scheibenglück. Unsere Siege waren keine Eintagsfliegen. Wir hatten einen Lauf – Siege gegen die Schweiz, Schweden und Kanada.

Nur im Finale sollt es nicht sein…

Wir waren kurz nach dem Finale enttäuscht. Wir waren richtig nah dran an Gold. Wenn wir 6:0 untergegangen wären, dann hätten wir uns gesagt: Klar, gegen so eine Mannschaft. Als uns die Medaillen um den Hals gehängt wurden, habe ich mich aber schon über die Silbermedaille gefreut. Wenn ich mir die Medaille jetzt zu Hause angucke, freue ich mich riesig. Noch immer kommen Anfragen, dass ich die Medaille für ein Foto mitbringen soll (lacht).

Kurz danach ging es in der DEL schon weiter. Nun spielen Sie die Play-off-Halbfinal-Serie. Hatten Sie überhaupt schon Zeit, um zu realisieren, was Sie erreicht haben?

Ich glaube, wir realisieren das richtig erst bei den nächsten Olympischen Spielen – oder noch später. Noch heute reden alle von den Bronzemedaillen-Gewinnern 1976. Wir haben jetzt sogar noch mehr erreicht. In ein paar Jahren wird dann jeder über unsere Mannschaft reden.

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Während den Olympischen Spielen herrschte ein großer Eishockey-Hype in Deutschland. Zum Finale sind viele Menschen nachts aufgestanden. Was spüren Sie davon aktuell noch?

Bei uns, den Adler Mannheim, gab es einige neue Anmeldungen bei der Laufschule und den U8- und U10-Mannschaften. Genau das wollen wir erreichen. Je erfolgreicher der Sport ist, desto häufiger wird darüber gesprochen. Egal wo ich hingehe, beim Arzt, beim Autoservice, alle sprechen mich an und wollen was übers Eishockey wissen. Selbst meine Tante, die mit Eishockey nie etwas zu tun hatte (lacht). Das macht mich stolz. Wir tun uns in Deutschland aber schwer, auch mal über den Fußball hinaus zu gucken. Ich hoffe, dass wir den Schwung über längere Zeit mitnehmen können und Eltern und Kinder für den Sport begeistern zu können.

Was ist dafür nötig?

Die Begeisterung weitertragen! Wer nachts für ein Eishockeyspiel aufsteht, ist begeistert gewesen. Ich rate jedem: Geht selbst ins Stadion. Die SAP-Arena ist hervorragend für sowas (lacht). Da ist es noch einfacher zu verfolgen. Wenn ich Leute aus meinem Bekanntenkreis mitgenommen habe, hat keiner gesagt, dass er nicht mehr hingeht.

Wie kann Deutschland oder das deutsche Eishockey von der erhöhten Aufmerksamkeit profitieren?

​Ich wünsche mir mehr Zeit im TV! Je mehr wir in den Fokus geraten und je mehr Werbung mit dem Eishockey gemacht wird, desto besser ist es für unseren Sport.

Es müssen jetzt die Trainer angestellt werden, die die Kinder trainieren können und ihnen den Spaß am Eishockey vermitteln. Wenn sich die Kinder auf den Kufen halten können und in andere reinrutschen können, haben die Spaß dran. So war das zumindest bei meinem Kleinen (lacht).

Was wünschen Sie sich von den Verantwortlichen?

Ich wünsche mir mehr Zeit im TV! Sport1 zeigt in der Saison viele Spiele aber in der Sportschau oder in den dritten Programmen wird nicht so viel Eishockey gezeigt. Je mehr wir in den Fokus geraten und je mehr Werbung mit dem Eishockey gemacht wird, desto besser ist es für unseren Sport. Da sind unsere Fachmänner jetzt gefragt.

Kritiker sagen, die Liga sei durch die lange Hauptrunde und ohne Auf- und Abstieg langweilig. Wie reagieren Sie darauf?

An einer Auf- und Abstiegsregel wird durch die DEL2 gerade gearbeitet. Es müssen aber viele Kriterien erfüllt werden, aber wir kommen da vielleicht langsam wieder hin, dies einzuführen. Und zu den Spielen: Es ist immer was los! Die Meisterschaft ist bei uns sehr lange offen – nicht so wie im Fußball, wo man nach 20 von 34 Spielen manchmal schon weiß, wer Meister wird. Nach der regulären Saison werden die Karten neu gemischt. In den Play-offs herrscht immer Spannung. Niemand gewinnt nur durch Zufall eine Serie. Das macht doch den Mannschaftssport aus. Die Fans begrüßen das. Die haben genauso ihre Abläufe, wie wir Jungs auf dem Eis (lacht).

Abgezogen: Marcel Goc im Duell der deutschen Nationalmannschaft gegen Kanada
Abgezogen: Marcel Goc im Duell der deutschen Nationalmannschaft gegen Kanada © Getty Images
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Sie sind viele Spiele gewohnt, spielen nach 52 Saisonspielen nun die DEL-Halbfinalserie. Rebelliert der Körper manchmal?

Die Pflegezeit für den Körper wird einfach länger. Der Sport ist athletischer geworden und ich musste mein Training auch etwas umstellen. Ich hatte in den letzten zwei Jahren zwei schwere Verletzungen. Die Rolle vom Reha- und Fitnessteam wird immer wichtiger. Da geht es darum, wie ich mein Knie anders aufbaue oder die Schulter trainiere. Wir profitieren davon, dass die Adler Mannheim mit der TSG Hoffenheim zusammenarbeiten und deren Trainingsmethoden übernehmen. Dabei wurden Schwachstellen aufgedeckt.

Der Erfolg gibt Ihnen recht. Die Adler Mannheim sind plötzlich Meisterkandidat. Ist ein Sieg gegen Red Bull München in der Halbfinalserie realistisch?

München ist seit drei Jahren die Messlatte der Liga. Jeder jagt sie und sie haben die Vorrunde wieder souverän gewonnen und auch die Viertelfinalserie bestimmt. Wir haben uns aber im Laufe der Saison gesteigert und werden dagegenhalten. Beide Mannschaften haben einen tiefen Kader und es kommt auf die berühmten Kleinigkeiten an. Es geht darum, wer die Kräfte am besten einteilen kann. Ich habe nichts dagegen, wenn wir das sind (lacht).

Auf was können sich die Fans in der Serie – für viele ein vorweggenommenes Finale – freuen?

München spielt sehr offensiv und aggressiv und wir müssen dagegenhalten. Es wird attraktives Eishockey, weil beide Mannschaften sich gegenseitig das eigene Spiel aufdrücken wollen. Beide Mannschaften haben sehr gute Torhüter und wir müssen ein Mittel finden, dem Danny aus den Birken das Leben schwer zu machen – zur Not über sieben Spiele.

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Danny aus den Birken: Der Keeper wechselte sich in den ersten Spielen noch mit Timo Pielmeier ab. Aber in den wichtigen Spielen gegen Norwegen und Schweden setzte der Bundestrainer Marco Sturm auf den Torhüter vom EHC München. Er ist der sichere Rückhalt für das Team, hält fast alles, was auf seinen Kasten kommt. ©

Ihr Nationalmannschaftskollege Christian Ehrhoff überraschte am Sonntag mit seinem Karriereende. Sie sind auch schon 34 Jahre alt, haben fast alles in Ihrer Karriere erlebt. Könnte es Ihre letzte Play-off-Serie sein?

Die Meldung von Christian kam für mich auch überraschend. Aber er wird sich Gedanken mit seiner Familie gemacht haben und ich wünsche ihm alles Gute. Ich denke aber noch nicht ans Karriereende. Ich habe in Mannheim noch einen Vertrag über zwei Jahre.

Das hört Bundestrainer Marco Sturm bestimmt gern. Nach den Play-offs steht nämlich die WM auf dem Programm. Kann Deutschland noch einmal genauso überraschen wie bei Olympia?

Ich träume wieder von so einem Ergebnis. Aber die Jungs aus NHL werden wieder dabei sein. Die spielen aus einem guten Grund da drüben, machen etwas besser als wir (lacht). Deshalb sind Mannschaften wie Schweden, Kanada und USA noch höher einzuschätzen. Für uns ändert sich aber wenig, wie wir ins Turnier gehen. Wir haben gesehen, dass wir an einem guten Tag die Topnationen ärgern können. Wer jetzt aber meint, dass alles andere als eine Finalteilnahme eine herbe Enttäuschung ist, schätzt das falsch ein. Wir wollen in die Top acht der Welt. Wenn wir uns da etablieren können, wäre das für das deutsche Eishockey ein Riesenerfolg.

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