02. November 2020 / 19:54 Uhr

"Mit Zuschauern macht es mehr Spaß": Indians und Scorpions testen für Ligastart

"Mit Zuschauern macht es mehr Spaß": Indians und Scorpions testen für Ligastart

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Maske ist Pflicht, auch beim Testspiel zwischen den Hannover Scorpions und und den Hammer Eisbären.
Die Maske ist Pflicht, auch beim Testspiel zwischen den Hannover Scorpions und und den Hammer Eisbären. © Florian Petrow
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Schiedsrichter mit Gummihandschuhen, keine Zuschauer, keine Einlaufshow, dafür die allgegenwärtige Alltagsmaske: Die ersten Heimspiele vor einer Geisterkulisse waren für die Eishockey-Oberligisten Hannover Indians und die Hannover Scorpions etwas Besonderes. Keine Frage.

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Natürlich war die Atmosphäre anders – erwartungsgemäß bei einem Geisterspiel, aber bei einer stimmungsvollen Sportart wie Eishockey gilt das erst recht. Das geht schon bei der Einlaufshow los. Die gibt es nämlich gar nicht.

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Heimauftakt vor leeren Rängen

Denn wo keine Zuschauer sind, die lauthals den Nachnamen jedes Spielers rufen können, braucht vorab über die Lautsprecher auch nicht der jeweilige Vorname verkündet werden. Die Eishockey-Oberligisten Hannover Indians und die Hannover Scorpions haben am Sonntagabend erstmals Heimspiele vor leeren Rängen absolviert.

Bilder vom Eishockey-Testspiel zwischen den Hannover Scorpions und Hammer Eisbären

Bilder vom Eishockey-Testspiel zwischen den Hannover Scorpions und Hammer Eisbären Zur Galerie
Bilder vom Eishockey-Testspiel zwischen den Hannover Scorpions und Hammer Eisbären ©

Die Indians unterlagen in der Vorbereitung auf die neue Oberliga-Saison den Crocodiles Hamburg mit 4:5 nach Verlängerung. Rund 30 Personen, allesamt aus beruflichen Gründen anwesend, verfolgten die Partie im Eisstadion am Pferdeturm.

Jeder Schuss klingt blechern

Und der vom Fußball bekannte Randaspekt, wonach man von der Spielfläche viel Kommunikation der Spieler und teilweise auch Erklärungen der Schiedsrichter gegenüber den Akteuren zur Regelauslegung hört, ist beim Eishockey nicht anders.

Anders als beim Fußball: Die Schiedsrichter tragen Gummihandschuhe. Hinzu kommt die Akustik: In einem leeren Stadion klingt jeder Schuss blechern – Trainingsgäste kennen das, es wirkt jedoch ungewohnt.

Die Treffer für den ECH erzielten Jan Nijenhuis, Förderlizenzspieler vom Kooperationspartner Wolfsburg, und Robby Hein jeweils per Doppelpack – immerhin unterlegt mit Tormusik aus dem Sprecherturm.

"Spieler hören mich besser"

Der Jubel zu den Toren kommt jedoch ausschließlich von der Spielerbank. Von dort, so hat Indians-Trainer Lenny Soccio bemerkt, „hören mich die Spieler auf dem Eis besser, ich muss nicht so laut schreien“. Klar sei aber auch, sagt der Coach, „dass wir gern wieder unsere Fans hier haben wollen. Wir müssen die Situation so annehmen, und wir sind froh, dass wir wieder unsere Arbeit ausüben können.“

Weiter geht es für die Indians am Dienstag (20 Uhr, Pferdeturm) mit dem letzten Test vorm Saisonstart. Zu Gast sind die Saale Bulls Halle.

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Auch in Mellendorf beim 4:1-Sieg der Scorpions gegen die Hammer Eisbären war vieles anders: Die Spieler beider Teams kamen aus unterschiedlichen Zugängen aufs Eis. Bis sie ihren Platz auf der Bank eingenommen hatten, trugen sie eine Maske.

Faustkampf mit Viktor Knaub

Aus dem Sprecherturm sorgte Eric Haselbacher für ein wenig Normalität, indem er die bei Heimspielen bekannten Lieder während der Unterbrechungen oder zum Ende der Drittelpausen abspielte – und auch die Tore mit Freude, jedoch gedämpfter als sonst, verkündete.

Weniger Emotionen gab es dagegen bei einem Faustkampf unter Beteiligung von Viktor Knaub – was wäre da auf den Rängen losgewesen. Der Scorpions-Neuzugang, auch schon früher im Indians-Trikot kein Kind von Traurigkeit, musste acht Minuten vor Schluss das Eis verlassen – und bitte die Maske nicht vergessen.

"Schiedsrichter hätten nicht zur Bank kommen müssen"

Die Tore für die Scorpions erzielten Patrick Schmid, Andy Reiss und Julian Airich (2).

„Die typische Eishockey-Atmosphäre fehlt einfach. Mit Zuschauern macht es mehr Spaß, selbst wenn die gegen einen sind“, sagte Scorpions-Trainer Tobias Stolikowski. Auch ihm fiel die Stille auf. „Die Schiedsrichter hätten gar nicht zur Bank kommen müssen, um uns etwas zu erklären. Das hätten sie auch von weiter weg machen können.“