26. März 2020 / 12:48 Uhr

Eishockey-Profi Bergman: Baby-Alarm in schweren Zeiten

Eishockey-Profi Bergman: Baby-Alarm in schweren Zeiten

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Bergman
Baby-Alarm in schweren Zeiten: Wade Bergman von den Grizzlys Wolfsburg und Gattin Jenna. © Boris Baschin (1), privat
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Die Corona-Epidemie hält die Welt in Atem, sie belastet alle, ganz besonders werdende Eltern. Wie Wade Bergman von den Grizzlys Wolfsburg. Für ihn und seine Frau ist die Situation besonders kompliziert.

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Auch mal rund um die Uhr gefordert sein, wach sein müssen, wenn man eigentlich schlafen sollte. Darauf hatten sich Wade Bergman und seine Frau Jenna schon eingerichtet. So ab Mitte April, wenn das erste Baby der beiden kommen soll. Jetzt sind sie auch schon fast rund um die Uhr wach. Aber aus anderen Gründen. Nämlich um Kontakt zu den Familien und den Freunden zu halten. Denn die verteilen sich auf über bis zu sieben Stunden Zeitunterschied zu Wolfsburg. Und Kontakt gibt es derzeit viel.

"Das Virus macht auch vor Kanada und den USA nicht halt", sagt der Deutsch-Kanadier Bergman. Ein Plus beim Kontakt per Telefon oder Skype: "Meine Eltern sind im Ruhestand, da hat man dann ein wenig Spielraum, um sie zu erreichen." Er stammt aus Calgary, wo es sieben Stunden früher ist als in Europa. Seine Gattin stammt aus Minnesota, 2000 Kilometer entfernt von Calgary und sechs Stunden hinter deutscher Zeit zurück. Regelmäßig tauscht man sich nun aus. Es geht eben nicht mehr nur um die Schwangerschaft, sondern auch um die Pandemie.

Eishockey: Grizzlys Wolfsburg gegen Nürnberg Ice Tigers

Szenen vom letzten Heimspiel der Saison: Grizzlys Wolfsburg (dunkle Trikots) gegen Nürnberg Ice Tigers. Zur Galerie
Szenen vom letzten Heimspiel der Saison: Grizzlys Wolfsburg (dunkle Trikots) gegen Nürnberg Ice Tigers. ©
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Auf Geburt in Wolfsburg eingerichtet

Das Baby soll in Wolfsburg zur Welt kommen, das war so geplant. Theoretisch wären zum Geburtstermin noch die Play-Offs gewesen, Wolfsburg hätte noch dabei sein können, deshalb hatte man sich auf die Geburt in Wolfsburg eingerichtet. Corona änderte daran nichts, während mit dem abrupten Saisonende alle anderen Profis schnellstmöglich in ihre Heimatländer jetteten. Bergman: "Wir sind ja inzwischen zwei Jahre hier, wir kennen die Ärzte hier, sie kennen uns, wir haben Vertrauen in sie." Nach dem Saisonende quasi hochschwanger zu fliehen, sich in neue ärztliche Betreuung zu begeben, das, so sagt Bergman, "hätte keinen Sinn ergeben".

Puzzeln und pauken statt Play-Offs

Natürlich mache man sich Gedanken, wie sich die Krankheit auf die Krankenhäuser auswirken werde, wenn sie nicht abebbt. Doch das gelte auch für Nordamerika, "und das beschäftigt uns genauso wie alle anderen, die in dieser Zeit Eltern werden". Die Zeit können sich die beiden dieser Tage, in denen man nicht mehr so oft rausgeht, mit einem neuen Hobby vertreiben. "Zu Saisonbeginn haben wir angefangen zu puzzeln. Dass das mal so intensiv werden würde, damit haben wir damals aber nicht gerechnet." Das jüngste Projekt: 1000 Teile, eine Landschaft auf den Lofoten. Statt Play-Off-Spannung genießen die Bergmans Zweisamkeit, außerdem paukt der Profi via Youtube Deutsch und kocht.

Rückhalt durch die Grizzlys

Was vor einigen Monaten auch nicht absehbar war, war Bergmans Zukunft. Nun ist klar: Der spielstarke Verteidiger erhält keinen Vertrag mehr bei den Grizzlys. Allerdings: Sein Vertrag läuft noch bis zum 30. April. Und, so übt Manager Charly Fliegauf Solidarität: "Wir lassen ihn natürlich nicht hängen. Je nachdem, wie sich alles entwickelt, muss er die Wohnung nicht zum 1. Mai räumen, kann länger bleiben. Und auch ansonsten stehen wir zur Hilfe bereit."

Auswärtssieg
Noch ist er ein Grizzly: Verteidiger Wade Bergman (l.). Auch wenn sein Vertrag ausläuft, steht der Klub hinter ihm. © Peter Steffen (dpa)

Nachbar Bittner kann helfen

Bergman: "Das ist sehr schön, den Manager in dieser Sache hinter sich zu wissen. Wir sind sehr froh, dass wir uns darüber jetzt noch keine Gedanken machen müssen." Ein wenig Beistand gibt es auch in der Nachbarschaft: Verteidiger Dominik Bittner wohnt im gleichen Haus. Da haben der Profi und seine Frau dann auch Unterstützung, wenn es mal spezielle Fragen gibt, die das Paar vielleicht nicht so einfach beantworten kann. Deutsch ist nicht ihre Muttersprache, auch wenn sie nach zwei Jahren in Bremerhaven und zwei in Wolfsburg inzwischen viel verstehen.

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Kein Vertrag? "Es gibt größere Dinge!"

Gestrandet in Corona-Zeiten in Wolfsburg, so fühlen sich die Bergmans aber nicht. "Wir waren darauf eingerichtet, bis eine Weile nach der Geburt in Deutschland zu bleiben. Nun dauert es vielleicht länger, vielleicht verbringen wir den ganzen Sommer in Europa", sagt der 29-Jährige. "Wir müssen abwarten, was kommt. So wie jeder." Dass er noch einen neuen Klub braucht, "darüber mache ich mir im Moment nicht so viele Gedanken", sagt der Eishockey-Profi. "Da gibt es größere Dinge. Die Hoffnung, dass die Epidemie abflaut und die Geburt unseres Babys."

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