30. Mai 2021 / 14:00 Uhr

Eishockey: So kam Rekord-DEL-Spieler Likens zum goldenen Schläger

Eishockey: So kam Rekord-DEL-Spieler Likens zum goldenen Schläger

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Likens Schläger
Wow: Jeff Likens war mehr als beeindruckt - Zum Abschied bei den Grizzlys Wolfsburg und zum Karriereende bekam er vom Team einen echt vergoldeten Schläger mit gravierter Widmung und Logo. Auf dem kleinen Bild Goldschmied Bruno Kähm (früher selbst Wolfsburger Spieler) bei der Arbeit. © Grizzlys Wolfsburg/Citty-Press GmbH, privat
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Das gab es im Eishockey-Oberhaus wohl auch noch nicht: Ein verdienter Spieler beendete seine Karriere - und flog mit einem goldenen Schläger heim. (S)ein echt vergoldeter Schläger mit Spezialgravur war das Geschenk an Jeff Likens von seinen Mitspielern beim deutschen Vizemeister Grizzlys Wolfsburg.

Er war acht Jahre ein Leader bei den Grizzlys Wolfsburg, beendete mit der abgelaufenen Eishockey-Saison als deutscher Vizemeister seine Karriere. Und als Rekord-Importspieler der DEL - nach 766 Einsätzen im Oberhaus. Am 27. Mai flog er heim, im Gepäck einen goldenen Schläger, ein Geschenk seines Teams.

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"Sein Gesicht bei der Übergabe sagte alles", erinnert sich Sebastian Furchner schmunzelnd. Der Kapitän hatte die Idee zu dieser Goldschmiedearbeit mit dem Mannschaftsrat geschmiedet. Die Überraschung gelang und war riesig. Likens sagte dem SPORTBUZZER: "Unfassbar. Ehrlich, das ist die coolste Sache, die ich je gesehen habe, etwas ganz, ganz Besonderes."

Feinste Handarbeit, Goldschmiedekunst, obendrein mit Eishockey-Sachverstand. Furchner: "Uns war klar, für so einen Spieler, der bei uns Grizzlys so viel auch neben dem Eis getan hat, der seine Karriere beendet, muss man sich etwas Besonderes einfallen lassen." Nur was, das war die Frage. Man stöberte durch das Internet, fand einen silbernen Schläger den NHL-Ass Brian Gionta mal bekommen hatte. Nicht schlecht, befanden die Grizzlys. Kann man das toppen?

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Betreuer Alex Knaus hatte die entscheidende Idee: Fragen wir doch mal die Kähms. Denn die haben nicht nur eine Goldschmiede in Vorsfelde, sondern sind eishockey-affin. Konstantin Kähm hatte früher beim TV Jahn gespielt, war im Vereinsrat des ESC gewesen, dessen älterer Sohn Bruno, der längst auch Goldschmied in der väterlichen Werkstatt ist, hatte für den ESC als Jugendlicher und später für den Grizzlys-Stammverein EHC gespielt. Dessen jüngerer Bruder Nikita spielt noch in Wolfsburgs U20. Die Kähms wissen also etwas mit einem Eishockey-Schläger anzufangen.

Dann standen Furchner, Gerrit Fauser und Knaus im Laden, fragten: "Wir haben da eine Idee. Geht das?"

"Wir können fast alles", sagte Konstantin Kähm mutig, wusste aber noch nicht, was auf die Werkstatt zukam. Eishockeyschläger werden nicht alle Tage vergoldet. Die praktischen Eishockey-Kenntnisse halfen, die Überraschung war also nicht allzu groß als der Kampf mit der Krümmung der Schlägerschaufel begann. Denn der Teil, mit dem der Puck geführt wird, ist nicht nur gekrümmt, sondern auch noch über eine zweite Achse verdreht.

Konstantin Kähm erklärt: "Dann haben wir probiert und studiert. In die Krümmung die Gravur und das Logo zu lasern führte zu Verzerrungen." Hindernis zwei: Das Blattgold hielt nicht auf dem Schlägerschaft, "die heutige moderne Schlägertechnik mit Gummierung verhindert das". Der Blattgold-Lieferant half mit Ideen, der dunkle Schläger wurde noch goldig gefärbt, damit es nicht durchs hauchdünne Blattgold schimmert. Der Bereich, wo der Name durchscheint, den jeder Profi irgendwo auf seinem Schaft hat, wurde natürlich ausgespart.

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Maßarbeit bis ins Detail

Jeff Likens #9, DEL-Ironman & Grizzly Forever sowie das Grizzlys-Logo ist in die vergoldete Silberplatte graviert, die sich nun passgenau in die Schaufel des Schlägers schmiegt, mit dem Likens sein letztes Spiel als Profi machte. Am 7. Mai, beim 1:2 in Berlin, was den Eisbären den Titel und Wolfsburg Silbermedaillen bescherte. Nur Likens bekam noch Gold, den goldenen Schläger. "Für so einen Spieler muss man etwas Besonderes machen", sagt Furchner, "und wir sind unheimlich dankbar für die tolle Arbeit, die an dem Schläger geleistet wurde. Wie das umgesetzt wurde, hat uns alle begeistert." Letztlich auch die Goldschmiede. "Zwei Wochen haben wir dran gesessen, überlegt, gearbeitet, gelasert, graviert, Trockenprozesse abgewartet. Aber es hat auch unglaublich viel Spaß gemacht", sagte Konstantin Kähm. Auch ans letzte Detail wurde gedacht: Die Ösen, um den Schläger repräsentativ im Hause Likens in Minnesota an die Wand zu bringen, wurden mit goldenen Schrauben im Schläger versenkt.