30. Januar 2019 / 06:00 Uhr

Eishockey-Star Dominik Kahun exklusiv: "Ich habe einiges geopfert"

Eishockey-Star Dominik Kahun exklusiv: "Ich habe einiges geopfert"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
In der NHL angekommen: Der deutsche Eishockey-Nationalspieler Dominik Kahun.
In der NHL angekommen: Der deutsche Eishockey-Nationalspieler Dominik Kahun. © imago
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Dominik Kahun gewann 2018 bei den Olympischen Winterspielen Silber mit der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft und spielte sich so in den Fokus der NHL-Teams. Im Sommer wechselte er zu den Chicago Blackhawks und startete richtig durch. Im SPORTBUZZER spricht er über die Erfüllung eines Traums.

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Endlich kann auch Dominik Kahun einmal durchatmen. Weil die nordamerikanische Eishockey-Liga NHL für das Allstar-Game am vergangenen Wochenende pausierte, hatte der 23-Jährige mit seinen Chicago Blackhawks nun fast zwei Wochen Pause. Ungewohnt, spielt er in seiner ersten NHL-Saison doch sonst regelmäßig vier Partien in der Woche. Denn Kahun, der 2018 mit der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft Silber gewann, hat sich nach seinem Wechsel im letzten Sommer von Red Bull München in die USA direkt durchgesetzt. In allen 51 Partien bekam der Stürmer Eiszeit, erzielte dabei acht Tore und lieferte zwölf Assists. Ein Gespräch über die Verwirklichung eines großen Traums.

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SPORTBUZZER: Herr Kahun, Sie sind bereits einige Monate in den USA. Wie anders ist das Leben als Eishockey-Profi?

Dominik Kahun: Ich habe mich in Chicago gut eingelebt. Es ist eine coole Stadt – aber was ganz anderes als in Deutschland. Eishockey hat hier einen riesigen Stellenwert. Die Leute erkennen einen auf der Straße. Wir haben eine sehr coole Mannschaft und mit den Jungs verstehe ich mit sehr gut.

Wann entstand der erste Kontakt mit den Chicago Blackhawks?

Die Blackhawks haben sich bei meiner Agentur nach mir erkundigt. Die Jungs aus Chicago haben mir dann erzählt, dass sie mich schon bei mehreren Weltmeisterschaften und dann vor allem bei den Olympischen Spielen beobachtet haben. Das hat mich sehr beeindruckt – und ich habe mich in den Gesprächen schnell gut aufgehoben gefühlt.

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<b>Danny aus den Birken:</b> Der Keeper wechselte sich in den ersten Spielen noch mit Timo Pielmeier ab. Aber in den wichtigen Spielen gegen Norwegen und Schweden setzte der Bundestrainer Marco Sturm auf den Torhüter vom EHC München. Er ist der sichere Rückhalt für das Team, hält fast alles, was auf seinen Kasten kommt. Zur Galerie
Danny aus den Birken: Der Keeper wechselte sich in den ersten Spielen noch mit Timo Pielmeier ab. Aber in den wichtigen Spielen gegen Norwegen und Schweden setzte der Bundestrainer Marco Sturm auf den Torhüter vom EHC München. Er ist der sichere Rückhalt für das Team, hält fast alles, was auf seinen Kasten kommt. ©

Jetzt gehören Sie zum NHL-Kader. Wie überrascht sind Sie selbst?

Ich habe mir so meine Gedanken gemacht, ob es der richtige Schritt war. In Europa wird sehr viel Wert auf die Technik gelegt. In der NHL wird immer hart zum Tor gegangen. Das ist aber nicht ganz mein Spiel. Ich habe mich aber durchgebissen und dran gewöhnt.

Und Sie bekommen viele Spielzeiten.

Ich bin sehr stolz, dass ich es hier geschafft habe. Es wird immer gesagt, aber ich habe wirklich viel Arbeit in den Traum von der NHL gesteckt. Mein ganzes Leben habe ich einiges geopfert. Aber ich bin immer noch nicht da, wo ich sein will. Es ist aber eine Genugtuung, dass ich den vielen Zweiflern zeigen kann, was ich erreichen kann.

In der NHL wird häufiger gespielt als in der DEL, und Sie müssen viel weiter reisen. Wie halten Sie den Stress aus?

Die Reisen sind heftig. Wir haben manchmal drei, vier Spiele in fünf Tagen und wir reisen nach jedem Spiel in eine andere Stadt. Aber um ehrlich zu sein: Mir macht es trotzdem mehr Spaß, so häufig zu spielen, als zu trainieren (lacht).

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Ihre Teamkollegen sind Stars des Sports. Eine besondere Situation?

Ich genieße es, dass ich mit den Jungs auf dem Eis stehen darf. Es ist etwas Besonderes. Aber es ist schwerer, als man denkt, hier zu spielen. Der Druck ist groß, und die Jungs scheißen mich auch mal zusammen, wenn ich etwas nicht so gut gemacht habe. Es geht in unserem Sport darum, tagtäglich auf höchstem Niveau zu spielen.

Sie haben einen Traumstart hingelegt und treffen regelmäßig.

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Ich hätte mir es nicht besser ausmalen können. Aber das darf man nicht überbewerten. Ich lasse mich ungern hochhypen.

Das ist der deutsche Kader bei der Eishockey-WM:

TOR: Mathias Niederberger (Düsseldorfer EG/25 Jahre/22 Länderspiele) Zur Galerie
TOR: Mathias Niederberger (Düsseldorfer EG/25 Jahre/22 Länderspiele) ©

Sie sind in den Fokus der NHL gerückt, als Sie mit der Eishockey-Nationalmannschaft Silber bei den Spielen in Südkorea holten.

Ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich mich in der Nationalmannschaft so beweisen durfte. Pyeongchang ist das Beste, was mir im Eishockey je passiert ist. Das war die coolste Mannschaft, in der ich jemals war. Als junger Spieler ist es natürlich schwierig, sich durchzusetzen. Aber ich habe das geschafft.

Es war für Sie – und einige Kollegen – der Türöffner für die NHL. Ehliz und Co. haben es aber nicht geschafft. Warum ist es für deutsche Spieler so schwer, in den USA Fuß zu fassen?

Es ist sehr schwer, hier oben zu bleiben. Deshalb werde und kann ich mich auch nie zurücklehnen. Ich drücke den anderen Jungs die Daumen, dass sie es hier auch irgendwann schaffen.

Ist das deutsche Eishockey ein Jahr nach den Olympischen Spielen auf dem richtigen Weg?

Wir werden immer besser. Wir gewinnen mehr Respekt von den anderen Nationen und ich tue alles dafür, ein Vorbild für die jungen Eishockey-Spieler zu sein.