12. Oktober 2021 / 18:39 Uhr

Eishockey-Torjäger Furchner: Neue Rolle macht ihm "erschreckend viel Spaß!"

Eishockey-Torjäger Furchner: Neue Rolle macht ihm "erschreckend viel Spaß!"

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Sebastian Furchner von den Grizzlys Wolfsburg und Blaine Byron von den Eisbären Berlin während des Spiels zwischen den Eisbären Berlin gegen die Grizzlys Wolfsburg am 24.09.2021 in Berlin, Deutschland. (Foto von Jan-Philipp Burmann/City-Press GmbH)
Ich krieg' dich! Grizzlys-Torjäger Sebastian Furchner muss neuerdings Stürmer stoppen - und hat da sogar Spaß dran. © City-Press GmbH/Grizzlys Wolfsburg
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Ein Torjäger und ein Kreativkopf als wichtige Spieler in der Abwehr - die Grizzlys Wolfsburg trotzten in der DEL in den letzten Wochen brutalem Ausfallpech, hielten den Platz in den Top Drei. Auch, weil Fabio Pfohl und Sebastian Furchner in besonderen Rollen glänzten. Und dem Eishockey-Rekordspieler Furchner macht die Rolle "erschreckend viel Spaß!"

1084 Partien in der DEL hat Sebastian Furchner auf dem Buckel, 1080 dieser Partien bestritt er als Stürmer, schoss inzwischen 296 Tore. Doch seit beim deutschen Eishockey-Vizemeister Grizzlys Wolfsburg reihenweise Spieler, vor allem in der Abwehr ausfielen, wurde er zum Notverteidiger. Und inzwischen hat der Vollblut-Eishockeyspieler sogar umgedacht, gibt zu: "Es macht mir erschreckend viel Spaß!"

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Dabei hatte er doch noch nach den ersten Einsätzen gesagt: "Das wird kein Dauerauftrag." Und hatte dabei so geklungen, als ob er lieber heute als morgen in den Angriff zurückkehren würde. Der 39-Jährige gibt zu: "Dass mir das jetzt sogar so einen Spaß macht, überrascht mich selbst." Es könnte aber viele Gründe dafür geben. Zum einen liebt der Spieler, der die meisten DEL-Einsätze aller noch aktiven Profis im Oberhaus hat, dieses Spiel einfach zu sehr. Zweitens löst er die Aufgabe gut. Und drittens schwärmt er von der Teamchemie: "Es macht richtig Spaß mit dieser Mannschaft." Und eben auch in der Defensive. "Mein Hauptnebenspieler Ryan Button redet viel mit mir, aber auch die anderen Verteidiger, man kriegt da viel Feedback. Auch von Co-Trainer Gary Shuchuk." Shuchuk ist im Trainerteam für die Defensivspieler zuständig.

Dominik Bittner, der oft an der Seite des seit zwei Partien zum Not-Verteidiger "aufgestiegenen" Fabio Pfohl agiert, lobt: "Die beiden machen es gut, obwohl es eine super schwierige Aufgabe ist, weil sie plötzlich mit Spielsituationen konfrontiert werden, die sie nicht kennen." Furchner bestätigt: "Seit 25 Jahren spiele ich im Angriff, was fürs Abwehrspiel fehlt, ist das Timing und die Erfahrung. Da hat man nicht das gute Stellungsspiel, das gelernte Abwehrspieler haben. Wer schon länger als Verteidiger gespielt hat, hat gelernt, was man in bestimmten Situationen machen muss."

Gegen München, bei seinem ersten Einsatz in der Defensive, hatte Furchner gleich ein Aha-Erlebnis. "Als ich den Penalty für München verursacht habe, da hatte ich zu sehr als Stürmer gedacht, einen Schritt nach vorn gemacht, wo ich schon den Rückwärtsgang hätte einlegen müssen. Aber das war in meinem ersten Spiel, das passiert mir so nicht mehr."

Für ihn und Pfohl gelte: "Es einfach halten, die Scheibe schnell rausspielen, nichts Besonderes versuchen." Jedoch bringen beide aus Bittners Sicht auch ein Plus mit: "Beide können mit der Scheibe umgehen, das ermöglicht es ihnen, auch einen Aufbau einzuleiten, schnell sind sie auch."

Furchner ist zudem in doppelter Mission unterwegs, im Powerplay hat er weiter seinen Stammplatz. In der Regel vor des Gegners Kasten. Hilft ihm in der Abwehrarbeit vor dem eigenen Tor eigentlich die Erfahrung, die er als Stürmer mit den Verteidigern des Gegners vor deren Tor gesammelt hat? "Nicht unbedingt", meint Furchner, "jeder Angreifer, der vors Tor geht, ist anders in seiner Art, da stellt man dann auch mal fest, der eine oder andere haut ab, wenn es ihm zu hart wird, andere kommen immer wieder." Eines schätzt er in diesen Duellen, im Gerangel um die optimale Platzierung vor dem Kasten in seiner Aushilfsrolle: "Vor dem eigenen Tor kann ich nun mal öfter ein bisschen austeilen statt auf der anderen Seite immer immer nur einzustecken."


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Am Freitag (19.30 Uhr) beim ERC Ingolstadt wird wahrscheinlich mindestens einer der beiden Aushilfsverteidiger weiter hinten gebraucht. U23-Verteidiger Steven Raabe sollte fit werden, hat aber großen Praxis-Rückstand und war zuvor nicht mit viel Eiszeit bedacht. Und hinter dem Comeback von Janik Möser (Ellenbogenverletzung) steht weiter ein Fragezeichen, vielleicht wird er weiter geschont. Bei Armin Wurm und Jordan Murray könnte es noch etwas dauern bis zum Comeback. Die Grizzlys sind am Sonntag spielfrei, ehe es dann am Dienstag (19.30 Uhr) mit der Partie gegen die Nürnberg Ice Tigers weitergeht.