02. September 2020 / 18:08 Uhr

Was der Teamarzt den Grizzlys Wolfsburg über Corona erklärte 

Was der Teamarzt den Grizzlys Wolfsburg über Corona erklärte 

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Grizzlys
Gut zuhören: Die Grizzlys müssen nicht nur auf dem Eis einen Übungsplan einhalten, sondern auch jede Menge Corona-Regeln. Die erklärte ihnen Teamarzt Dr. Alexander Gänsslen (r.). © Boris Baschin / Grizzlys Wolfsburg (Ilari Näckel)
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"Das Corona-Virus ist gefährlich" - diese klare Aussage macht Dr. Axel Gänsslen, Teamarzt der Grizzlys Wolfsburg und Hygiene-Beauftragter der Eishockey-Klubs. Wie man trotzdem in der DEL ins spielen kommt, darüber macht nicht nur er sich viele Gedanken und spricht über Wolfsburgs Vorbereitungen im SPORTBUZZER-Interview.

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Eishockey-Erstligist Grizzlys Wolfsburg tut alles, um einen Saisonstart möglich zu machen. Dazu gehören auch Corona-Konzepte und die Einhaltung politisch und behördlich verordneter Regeln. Die Profis sind alle da, unterziehen sich gerade ihren Leistungstests. Und sie bekamen eine Corona-Unterweisung von Teamarzt Dr. Axel Gänsslen. Der SPORTBUZZER sprach mit ihm.

Sie haben den Profis der Grizzlys Wolfsburg eine lange Unterweisung zum Verhalten in Corona-Zeiten und zu den Hygiene-Regeln gegeben, was waren die Kernpunkte?

Das Virus gibt es. Es kann im Einzelfall tödlich sein. Eine Ansteckung können wir nicht ausschließen. Wir können nur das Risiko einer Ansteckung so klein wie möglich halten. Unser Ziel ist es, wieder Eishockey zu spielen unter Einhaltung der gegebenen Regeln und unter bestmöglicher Einhaltung aller Hygiene-Regeln.

Das wird bei den Spielern einige Umstellung erfordern...

Wie für alle Menschen auch. Nur müssen die Profis zudem verinnerlichen: In ihrer Rolle sind sie Vorbilder. Im übrigen gilt das auch für mich: Ich trage nicht nur am Arbeitsplatz Mund-Nase-Bedeckung, sondern praktisch überall.

Diese Mund-Nase-Bedeckung ist einer der Kernpunkte der Regeln?

Ja. Die drei wesentlichen Regeln sind: Abstand, Mund-Nase-Bedeckung und Hygiene, wie regelmäßiges Händewaschen.

Um wieder spielen zu können, gelten rund um und in der Eis-Arena weitere Regeln, können Sie dazu etwas sagen?

Da ging es zum Beispiel um Abläufe, wie: Woran ist zu denken, wenn man zum Training kommt, wenn man in der Kabine ist. Auch wir im Klub haben uns viele Gedanken gemacht, zum Beispiel mit der Einziehung der Plexi-Wände zwischen den Spieler-Sitzplätzen. Sprich: Wir haben geprüft, wie man die behördlich vorgegebenen Konzepte umsetzen kann. Maskenpflicht in der Kabine wäre praktisch nicht machbar gewesen. Duschen ist im DEL-Protokoll zu Corona im Prinzip nicht vorgesehen, wir haben Wege ersonnen, wie es gehen kann. Auch das wird neue Abläufe und Disziplin erfordern. Und Kenntnisse.

Etwa über...

Zum Beispiel, wie man sich als Profi verhält, wenn man Kontakt zu einem positiv getesteten Menschen hatte, ohne dass man selbst Symptome zeigt. Wie man sich zu verhalten hat, wenn man Symptome hat. Solches und vieles mehr bekommen die Spieler schriftlich. Auf deutsch. Und auch auf englisch, wobei ich die Übersetzung selbst mache.

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Die Abläufe werden kaum von Anfang an perfekt funktionieren...

Das wissen wir, deshalb haben wir regelrechte Sicherheitsfenster im Plan, starten relativ soft in kleinen Gruppen, wir regeln manches momentan strenger als es sein müsste. Wir sprechen jede Woche in kleinen Gruppen die Abläufe, Einhaltung und Probleme durch – auch mit den Kapitänen und dem Mannschaftsrat. Das Ganze muss sich einspielen. Und wir können sehen, wo man noch justieren kann oder muss. Die Spieler müssen sich immer wieder bewusst machen, es geht um die Frage: Wie schützt man sich selbst. Und: Sie tun damit etwas für ihren Sport. Gibt es irgendwann in der Liga einen Hotspot, weil die Umsetzung des Hygiene-Konzepts nicht gestimmt hat – dann wäre das eine Katastrophe.

Wird die Liga wie geplant starten können?

Das ist auch eine Entscheidung der Politik. Wir können nur hoffen, uns vorbereiten, die geltenden Regeln umsetzen. Und hoffen, dass den Entscheidern für alle Hallensportarten – aber insbesondere für Eishockey mit seiner Bindung an Eisflächen – klar ist, dass da nicht nur die jeweiligen Erstliga-Teams dranhängen. Sondern auch der gesamte Nachwuchs. Aber wie gesagt, das liegt nicht in unserem Einfluss. Gesundheit geht vor. Es handelt sich um eine Pandemie mit hochdynamischer Entwicklung, in der nichts in Stein gemeißelt ist, sich Vorgaben schnell wieder ändern können.

Als die Play-Offs abgesagt wurden, hatten sie da schon damit gerechnet, dass Corona solch ein massives Thema werden wird?

Ehrlich gesagt, ja. Vor Kurzem hat das RKI übrigens festgestellt, dass die Letalität bei Corona höher ist als bei der Grippe. Noch einmal: Das Virus gibt es. Es ist gefährlich.