20. Mai 2021 / 08:43 Uhr

Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm über die Corona-Pause, die WM und die DEL-Saison

Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm über die Corona-Pause, die WM und die DEL-Saison

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm geht mit dem deutschen Team ehrgeizig in die Weltmeisterschaft in Riga.
Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm geht mit dem deutschen Team ehrgeizig in die Weltmeisterschaft in Riga. © IMAGO/Zink (Montage)
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Vor der an diesem Freitag beginnenden Eishockey-Weltmeisterschaft spricht Bundestrainer Toni Söderholm im SPORTBUZZER-Interview über die lange Corona-Pause, die WM-Vorbereitung und die ungewöhnlich verlaufene Saison in der DEL.

SPORTBUZZER: Toni Söderholm, durch die Pandemie hatten Sie Ihre Mannschaft fast eineinhalb Jahre nicht gesehen. Wie kann man sich unter diesen Umständen seriös auf eine WM vorbereiten?

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Toni Söderholm (43): Man hat sich gefühlt wie als Spieler, wenn man sich verletzt hat. Ein Teil der Identität als Spieler oder Trainer fällt weg, wenn du verletzt bist. Man hat aber Gedanken, wie die nächste Maßnahme ablaufen könnte, und die bleiben im Kopf. Die Identität als Trainer, die ich vor der Pandemie hatte, ist jetzt wieder zurück.

Die Mannschaft hat fast alle Spiele in der Vorbereitung verloren. Wie bewerten Sie dies?

Mir macht das keine Angst. Ich weiß genau, was wir in welcher Woche geplant hatten, wie wir vom Kader und von der Spielweise her weitermachen. Da mache ich mir keine großen Sorgen. Eines ist auch klar: Wichtig ist, dass das Spiel sich jeden Tag entwickelt. Und wenn man das will, braucht man auch einige Szenen, die nicht so gut sind. Wir haben Gegentore bekommen, bei denen man richtig viel lernen kann. Klar brauchen wir auch Erfolgserlebnisse, damit man Selbstvertrauen aufbaut.

Welche Puzzleteile fehlen noch?

Wir müssen besser in Überzahl und viel besser in Unterzahl spielen. Da haben wir ein paar Dinge verändert. Das Schlimme ist, man braucht Strafzeiten, damit man Unterzahl üben kann (lacht). Aber Strafzeiten haben wir genug bekommen, auch an falschen Stellen. Die Defensive ist stabiler geworden. In der offensiven Zone haben wir noch viel Entwicklungspotenzial.


Es gibt einige Absagen aus der DEL, unter anderem gleich vier Spieler vom EHC Red Bull München. Wie stehen Sie dazu?

Hundertprozentiges Verständnis. Ich bin dankbar, dass die Spieler offen und ehrlich gesagt haben, wie sie sich fühlen. Auch wenn ein Spieler gut ist – wenn er nicht sein Bestes liefern kann, ist der Nächstbeste richtig nahe dran. Wenn dieser dann bei 102 Prozent spielt, sind wir in einer besseren Lage, als wenn ein müder Profi zu uns kommt.

Sehen Sie die USA, Kanada und Finnland als die schwierigsten Gruppengegner?

Sie stellen gefährliche Fragen (lacht). Bei der letzten WM haben wir gegen Dänemark und gegen die Slowakei keine so guten Spiele geliefert. Gegen Finnland und die USA haben wir sehr gut gespielt. Wenn man denkt, dass man besser ist, muss man bereit sein zu zeigen, warum das so ist.

Die DEL hatte den Saisonstart wegen der Pandemie mehrfach verschoben und trug die Play-offs in verkürzter Form aus. Aus Ihrer Sicht eine gute Lösung?

Zu 100 Prozent. Die Vereine haben gut gearbeitet, sodass die Spieler spielen konnten. Die Konzepte und Strategien waren gut. Es war richtig, eine Nord- und eine Südgruppe einzuteilen, um etwas mehr Interesse zu wecken. Von außen betrachtet lief die Saison besser als in vielen anderen Ländern, es gab weniger Unterbrechungen.

Viele DEL-Klubs gelten wirtschaftlich als sehr abhängig von den Zuschauereinnahmen. Kann es eine Saison wie die abgelaufene ein zweites Mal geben?

Man muss die Leute wieder in die Hallen bekommen. Ich sitze nicht am Portemonnaie, weiß nicht, wie es bei den Klubs in der Kasse ausschaut. Aber was das Sporterlebnis angeht, will ich die Fans im September wieder in den Hallen sehen. Die Fans haben das auch mehr als verdient, weil sie ihre Vereine und Spieler in der schwierigen Zeit unterstützt haben.