11. Februar 2021 / 21:44 Uhr

Melchiori muss weiter auf die Liebste warten, Fauser vor Comeback 

Melchiori muss weiter auf die Liebste warten, Fauser vor Comeback 

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
DEL; Eishockey; Gruppe Nord; Grizzlys Wolfsburg - Düsseldorf, DEG, 10.02.2021
Top-Leistung trotz Trennung: Grizzlys-Verteidiger Julian Melchiori lässt die Hoffnung langsam fahren, dass Freundin Leslie Marie ihn in dieser Saison noch besucht. © Boris Baschin/privat
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Der Mann mit der meisten Eiszeit hat seinen Vertrag verlängert bei Eishockey-Erstligist Grizzlys Wolfsburg. Dabei ging es Verteidiger Julian Melchiori  nicht allein ums Geld, verrät der Kanadier, der es privat gerade schwer hat. Bei Stürmer Gerrit Fauser steht derweil das DEL-Comeback ins Haus.

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Die Grizzlys Wolfsburg haben ihren Top-Transfer weiter gebunden: Verteidiger Julian Melchiori hat seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag beim Eishockey-Erstligisten bis 2022 verlängert.

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Der 29-jährige Kanadier war erst kurz vor der Saison zu den Grizzlys gestoßen – nachdem Manager Charly Fliegauf aufgefallen war, dass der Mann, den er in der russischen KHL bei Neftekhimik unter Vertrag wähnte, dort gar nicht zum Einsatz kam.

Melchiori hatte zwar für die KHL unterschrieben, trat die Reise aber wegen der Pandemie nie an. Fliegauf hakte nach, Melchiori löste seinen Vertrag, kam nach Wolfsburg und überzeugte sofort mit starken Leistungen. Das spiegelt sich in der Eiszeit des Linksschützen wider: In 14 Spielen stand Melchiori 357:16 Minuten auf dem Eis, das entspricht einem Schnitt von über 25 Minuten pro Partie und ist Liga-Höchstwert.

„Ich weiß nicht, ob ich noch mehr Eiszeit nehmen könnte“, sagt der Hüne mit einem Schmunzeln. Und man merkt: Er könnte, wenn er sollte. Gegen Düsseldorf etwa schrubbte er mehr als 28 Minuten Eiszeit. Das ist ein enormer Wert.

Geschuldet ist das aber auch der seit Saisonbeginn schwierigen Personalsituation in der Wolfsburger Abwehr. Dominik Bittner fehlt schon lange, inzwischen auch Armin Wurm. Zuvor war auch Janik Möser lange raus gewesen, umso besser, dass die Grizzlys mit dem Ex-NHL-Spieler einen Akteur gewonnen haben, der es gewohnt ist, viel zu spielen. „Er ist ein richtiges Pferd“, freut sich Fliegauf mächtig und gleichermaßen über den Transfer und die Verlängerung. „So einen haben wir lange gesucht.“ Spielerisch ist er gut, zudem ein guter Skater trotz seiner Größe, ein guter Typ dazu. Einer, an dessen Seite andere lernen können. Wie Steven Raabe. Der U20-Nationalspieler meinte: „Ein unglaublicher Spieler, von dem ich mir jeden Tag etwas abzuschauen versuche.“

Melchiori macht das Spaß, „denn ich bin jetzt in dem Alter, in dem ich Erfahrungen weitergeben kann“. Denn er ist zwar erst kurz in der DEL, aber schon seit neun Jahren Profi.

Die Entscheidung zu verlängern sei ihm relativ leicht gefallen, denn in seinem Alter „geht es nicht mehr nur um das Geld“, sondern auch um den Wohlfühlfaktor.

„Ich mag die DEL, das Spiel ist ähnlich wie in der AHL, auf dem hier größeren Eis kann ich meine läuferischen Fähigkeiten aber besser einbringen. Und es ist eine tolle Mannschaft mit guten Typen.“

Das einzige Manko muss er irgendwie durchstehen: die Fernbeziehung. Freundin Leslie Marie und Katze Nonna werden ihn wohl nicht besuchen kommen. Wegen des Lockdowns verschob sich die Anreise immer weiter, der anvisierte 26. Februar kippt wohl wegen des Lockdowns auch. Melchiori: „Wahrscheinlich wird das nichts mehr und wir treffen uns erst nach der Saison wieder.“ Umso bemerkenswerter, wie unbeeinflusst davon er Leistung abruft. Melchiori: „Und nächste Saison ist sie dann hoffentlich immer hier.“

Mehr zu den Grizzlys Wolfsburg

Die Grizzlys Wolfsburg waren schwach in die Saison gestartet, dann zuletzt nicht gerade in Optimalbesetzung unterwegs, vor allem hinten zwackte es. Trotzdem wurden nacheinander die Top-Drei der Liga geschlagen. Dennoch: Ab Sonntag gibt es wieder drei Partien binnen fünf Tagen, da täte etwas Entlastung gut. Und die sollte es geben. Erst einmal aber im Sturm.

Gerrit Fauser könnte nach langwieriger Unterkörperverletzung wieder so weit sein. Sowohl er als auch Abwehrspieler Dominik Bittner wären wahrscheinlich schon weiter gewesen, hätte nicht die Corona-Quarantäne zu Trainingsausfällen geführt. Bei Stürmer Fauser ist Manager Charly Fliegauf optimistisch, bei Verteidiger Bittner reicht es noch nicht – „aber er ist auf der Zielgeraden“. 

Stürmer Valentin Busch, dessen Corona-Infektion fast symptomlos verlief, könnte auch bald dazukommen, das ist aber abhängig von den Ergebnissen von Antikörper-Tests. Fallen die positiv aus, wäre Busch bald wieder spielberechtigt. 

Bei NRW-Tour: Grizzlys gehen erstmals wieder ins Hotel

Sonntag ist quasi Stichtag, denn: Die Grizzlys haben die beiden kommenden Spiele zu einer NRW-Tour zusammengefasst, gehen erstmals in dieser Spielzeit ins Hotel. Wegen der Pandemie-Situation setzten alle Klubs im Wesentlichen auf An- und Abreise am Spieltag, weil die Grizzlys aber am Sonntag (in Krefeld) und am Dienstag (in Düsseldorf) in kurzer Folge in nah beieinanderliegenden Standorten gastieren, beziehen sie ein Hotel. Das wurde länger geplant, kurzfristig klargemacht. Fliegauf: „Am Donnerstag steht dann daheim das dritte Spiel in fünf Tagen an, zuvor zweimal aus dem Rheinland zurückzufahren, wäre keine optimale Vorbereitung.“ Kurzfristig gebucht wurde, „weil wir es erst einmal kostenmäßig hinkriegen mussten“. Schließlich ist es eine beinahe doppelte Zusatzausgabe. Hotelübernachtungen gibt es eigentlich fast immer, in dieser Spielzeit waren sie aber für die Doppelrunde in der Nord-Gruppe nicht vorgesehen – und, so Fliegauf: „Wegen der Corona-Regeln müssen es 32 Zimmer sein, wo wir normalerweise 20 buchen.“ 

Mit Busch rechnet Fliegauf noch nicht, anders als Bittner und Fauser muss der ja auch erst einmal wieder trainieren. „Vielleicht reicht es für das Spiel in Berlin am Dienstag in einer Woche.“ Verteidiger Armin Wurm, einige Tage nach Busch Corona-positiv getestet, muss möglicherweise noch etwas länger warten – weil seine Infektion nicht symptomlos verlief, sondern mit Schnupfen einherging.