26. März 2020 / 09:03 Uhr

Eisschnelllauftrainer Joachim Franke hatte Claudia Pechstein bereits abgeschrieben

Eisschnelllauftrainer Joachim Franke hatte Claudia Pechstein bereits abgeschrieben

Frank Thomas, dpa
Dresdner Neueste Nachrichten
Joachim Franke (Deutschland) - 16. BDFL Oldie Fußballtrainer Treffen in der Sportschule Egidius Braun in Leipzig - Einzelbild,Deutschland, Fussball, Mann, Maenner,10.11.2015

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Joachim Franke trainiert unteranderem Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. © imago/Christian Schroedter
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Eisschnelllauf-Trainer hatte vor seinen 80. Geburtstag mit einem Besuch in der Semperoper gemeinsam mit seiner Frau zu feiern. Dieser Plan wurde durch die Corona-Pandemie genauso durchkreuzt wie die Termine beim Eisschnelllauf.

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Berlin. Der erfolgreichste deutsche Eisschnelllauf-Trainer wird am kommenden Montag 80 Jahre alt. Eigentlich wollte Joachim Franke, der seine Sportler zu neun Olympiasiegen, 23 WM-Titeln und 21 Gesamt-Weltcups führte, aus diesem Anlass mit seiner Frau Ingrid nach Dresden fahren und zu „Carmen“ in die Semperoper gehen, ehe er mit Familie, Freunden und ehemaligen Schützlingen zu feiern beabsichtigte, doch die Corona-Krise macht das Vorhaben zunichte. Wenig Freude bereiten dem Jubilar aber auch die aktuellen Entwicklungen im deutschen Eisschnelllauf.

Frage: Herr Franke, 33 Jahre lang waren sie Eisschnelllauf-Coach, haben zahlreiche Berliner Sportler an die Weltspitze geführt. Was war die Sternstunde ihrer Trainer-Karriere?

Franke: Ganz klar die Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City. Nach den glänzenden Trainingsleistungen von Claudia Pechstein auf dem schnellen Eis in Utah, habe ich gewusst: Hier können wir etwas Großes schaffen. Sie holte zweimal Gold mit Weltrekorden. Das war nicht mehr zu toppen.

Worin lag das Geheimnis dieser Erfolge am großen Salzsee?

Von Anfang an wollte ich, dass wir drei Wochen vorher die Anpassung in Utah machen, der Verband war dagegen. Aber der damalige NOK-Chef Walther Tröger hat uns geholfen und den Weg geebnet. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Wir waren selbst überrascht, dass wir fast allein im Utah Olympic Oval waren, alle anderen Top-Athleten hatten sich in Calgary auf Olympia vorbereitet.

War Claudia Pechstein von Beginn an solch ein Riesentalent, dass sie es auf neun Olympia-Medaillen – darunter fünf Goldene – brachte?

Claudia war immer eine sehr ehrgeizige und leistungsbereite Sportlerin. Aber mein erster Eindruck, als sie als Vize-Junioren-Weltmeisterin nach längerer Trainingspause zu mir kam, war nicht so toll. Beim ersten Lauftraining spürte ich sie sehr schnell nicht mehr hinter mir und dachte: ‚Was ist denn nun los’? Sie war konditionell schwach, eine ganz schlechte Läuferin. ‚Da werden wir nicht weit kommen’, schoss es mir durch den Kopf. Aber schon im ersten Höhentrainingslager in Bulgarien hat sie mich dann überzeugt.

 29-02-2020 SCHAATSEN: ISU WK ALLROUND & SPRINT: HAMAR Claudia Pechstein GER during ISU World Championships Allround & Sprint on February, 29 2020 in Vikingskipet in Hamar, Norway Photo by SCS/Sander Chamid World Championships Allround and sprint xVIxANPxSportx/xSoenarxChamidxsportfotografiexIVx 407571817
Claudia Pechstein beider ISU Weltmeisterschaft am 29. Februar 2020 in Vikingskipet in Hamar (Norwegen). © imago images/VI Images
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Was war Ihre größte Enttäuschung als Trainer?

Das abrupte Karriereende von Uwe-Jens Mey nach seinem zweiten Olympiasieg 1992. Ich konnte es kaum glauben, dass er die große Chance aus der Hand gibt, schon zwei Jahre später den dritten Olympiasieg über 500 Meter zu erkämpfen.

Auch Andre Hoffmann und Olaf Zinke machten sie zu Olympiasiegern. Welcher Sportler hat sie am meisten überrascht?

Mit dem Olympiasieg von Olaf Zinke über 1000 Meter in Albertville 1992 hat wohl niemand gerechnet, selbst ich als Trainer nicht. Eine Hundertstelsekunde gab den Ausschlag. Schade, dass er nach seinem Autounfall 1993 nie mehr den Anschluss gefunden hat.

Ihre Trainer-Karriere ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Dennoch gingen sie doch 1973 nicht ganz freiwillig auf das 400-Meter-Oval?

Sicher nicht. Denn meine Liebe galt dem Eishockey. Als ich es 1968 nicht in die DDR-Auswahl zu den Winterspielen in Grenoble geschafft hatte, hörte ich auf und übernahm mit 28 Jahren als jüngster Cheftrainer die Oberliga-Mannschaft von Dynamo Weißwasser. Viermal hintereinander wurden wir Meister, doch dann kam das Ende der Förderung der Sportart in der DDR. Es ging nur noch mit den zwei Dynamo-Teams in Berlin und Weißwasser weiter. Viele Trainer mussten in andere Sportarten wechseln. Mich überredete man mit einer Drei-Zimmer-Wohnung in Berlin, zum Eisschnelllauf zu gehen. Heute ist das kaum noch vorstellbar...

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