10. November 2020 / 15:50 Uhr

Ekkehard Loest: „Perspektivlosigkeit ist das Schlimmste für Vereine“

Ekkehard Loest: „Perspektivlosigkeit ist das Schlimmste für Vereine“

Filip Donth
Göttinger Tageblatt
Und was nun? Ekkehard Loest hofft auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität, damit Vereine und Mannschaften nicht um ihre Existenz bangen müssen.
Und was nun? Ekkehard Loest hofft auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität, damit Vereine und Mannschaften nicht um ihre Existenz bangen müssen. © Helge Schneemann
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Ekkehard Loest bezieht im Tageblatt-Interview Stellung zu den derzeitigen Einschränkungen für den Amateursport. Der Vorsitzende des TV Jahn Duderstadt ist überzeugt: Der Spielbetrieb muss im Januar fortgesetzt werden.

Der Amateursport in Deutschland steht bis Ende November weitestgehend still. Wie es danach weitergeht, weiß noch niemand. Ekkehard Loest, Vorsitzender des TV Jahn Duderstadt, zeigt im Tageblatt-Interview Verständnis für die derzeitigen Einschränkungen. Gleichzeitig warnt er davor, den Spielbetrieb im Handball über einen längeren Zeitraum auszusetzen. Das könne weitreichende Folgen haben. Die Vereine bräuchten nun eine Perspektive, appelliert er.

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Sie haben sich in den vergangenen Wochen stets für eine Fortsetzung des Spielbetriebs ausgesprochen, vergeblich. Die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten haben beschlossen, den Amateursport im November weitestgehend auf Eis zu legen.

Ekkehard Loest: Die Aussetzung des Spielbetriebs zum jetzigen Zeitpunkt war alternativlos angesichts der Beschlüsse. Dazu stehen wir jetzt. Ich habe im Übrigen nicht für die Fortsetzung des Spielbetriebs im November plädiert, sondern betont, dass wir im Januar wieder starten müssen. Wenn wir erneut ein halbes Jahr keinen Spielbetrieb hätten, würde es schwierig werden für den Amateursport – egal ob Handball oder Fußball. Ich fürchte, in diesem Fall würden Ehrenamtliche und ganze Mannschaften wegbrechen.

Im Dezember trainieren, im Januar wieder spielen

Haben Sie dafür Verständnis, dass der Handball-Verband Niedersachsen den Spielbetrieb auch im Dezember aussetzen wird? Das geht immerhin über die Beschlüsse der Politik hinaus.

Im Dezember zu spielen, wäre unsinnig. Nach vier Wochen ohne Training wäre das nichts Halbes und nichts Ganzes. Ich hoffe, dass wir im Dezember wieder trainieren können, damit der Spielbetrieb im Januar fortgesetzt werden kann. Das ist für mich entscheidend. Ansonsten werden wir gesellschaftlich einen erheblichen Verlust erleiden.

Woran denken Sie konkret?


Der eine oder andere Spieler, Trainer oder Offizielle verlieren womöglich die Lust, weil nichts weiter geht und man auch nicht erklären kann, wann es weiter geht. Diese Perspektivlosigkeit ist derzeit das Schlimmste für die Vereine. Es ist dein Ehrenamt, du möchtest es gerne ausfüllen. Irgendwann werden die Leute aber sagen: Ich bin jetzt sechs Monate ausgekommen, ohne Trainer, Betreuer oder Manager zu sein – dann lasse ich es doch. So werden viele Ehrenamtliche denken, die sich bislang aus einer inneren Verpflichtung engagiert haben.

Seit Jahren ein Kampf gegen den Abschwung

Anders als im Frühjahr darf es in Ihren Augen also nicht erneut eine Unterbrechung über mehrere Monate geben.

Genau. Denn wenn wir nicht aufpassen, wird es ein Massensterben von Mannschaften und Vereinen geben. Man darf nicht vergessen: Wir kämpfen seit Jahren ohnehin schon gegen einen gewissen Abschwung, gegen Fitnessstudios und Individualsportarten. Die Vereine haben es bereits schwer. Einen weiteren Schlag können viele womöglich nicht verkraften.

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Was erwarten Sie nun von den Verantwortlichen in Politik und Verbänden?

Mir ist wichtig zu betonen: Gesundheit geht immer vor all den Dingen, die ich benannt habe. Wir dürfen selbstverständlich kein Risiko eingehen. Wenn es die Lage zulässt, müssen wir aber ab Januar wieder spielen. Dann wissen die Vereine, woran sie sind. Diese Perspektive brauchen sie.

Angenommen, der Spielbetrieb kann im Januar tatsächlich fortgesetzt werden: Was passiert, wenn es erneut eine Welle von Spielabsagen gibt, wie es zuletzt der Fall war?

Wenn es Absagen durch Corona gibt, dann gibt es die halt. Die Verbände müssen neue Lösungen suchen. Ich habe Angst, dass die Verbände alle in einem Saisondenken hängen und die Saison unbedingt bis zum 30. Juni 2021 abschließen wollen. Davon müssen wir uns verabschieden. Man muss darüber nachdenken, die Saison vielleicht im gesamten Jahr 2021 zu spielen, das ist dann egal. Für mich geht es darum, diese Saison sauber zu Ende zu bringen. Es geht dabei um das Überleben der Amateursportarten.