08. Dezember 2014 / 10:42 Uhr

Eklat im Jugendfußball: C-Junioren schlagen Schiedsrichter zusammen

Eklat im Jugendfußball: C-Junioren schlagen Schiedsrichter zusammen

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Eklat im Jugendfußball: C-Junioren schlagen Schiedsrichter zusammen
Eklat im Jugendfußball: C-Junioren schlagen Schiedsrichter zusammen © Imago/Claus Bergmann (Symbolfoto)
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Beim C-Junioren-Spiel zwischen Arminia Hannover III und dem Mühlenberger SV eskaliert die Situation: Ein 18-jähriger Schiedsrichter wird zusammengeschlagen. Auch Spieler sollen daran beteiligt gewesen sein.

Mohammed El Idrissi ist 18 Jahre alt. Ein junger Schiedsrichter, der am Sonnabend ein Spiel mit 14- und 15-Jährigen pfiff. Das Ergebnis: Spielabbruch, El Idrissi klagt „über Schmerzen am ganzen Körper. Augen, Kopfschmerzen, überall Schmerzen“, erzählte das Opfer am Sonntag.

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Der 18-Jährige wurde zusammengeschlagen. Fäuste flogen, als El Idrissi am Boden lag, traten bis zu zwölf Spieler zu. 14-Jährige schlugen den Schiedsrichter bewusstlos. Er habe „versucht, mich zu verteidigen“. Aber es waren zu viele. Das Opfer erlebte dabei „keine Todesangst, aber brutale Gewalt“.

Polizei ermittelt

Vorausgegangen war ein C-Jugend-Kreisligaspiel zwischen Arminia Hannover III und dem Mühlenberger SV. Anstifter der Schiri-Jagd soll P. (20) aus Mühlenberg gewesen sein, der sich als Ko-Trainer ausgab.

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El Idrissi wollte die Partie abbrechen, als Arminia 3:0 führte. Zeugen berichteten von Pöbeleien. In der Pause kam es zur Schlägerei zwischen P. und dem Schiedsrichter. Arminia-Trainer Alex Kölzer ging dazwischen: „Ich habe versucht, den Schiedsrichter in die Kabine zu bekommen. Zu diesem angeblichen Ko-Trainer kamen die Spieler dazu, ich habe auch Tritte abbekommen.“

Überblick: Viele Spielabbrüche in dieser Saison

Die Arminia-Spieler wurden zum Teil von den Eltern in Sicherheit gebracht.  Die Polizei kam nach 20 Minuten. Der mutmaßliche Schläger P. war verschwunden. Die Polizei ermittelt. „Es gibt noch keine Festnahme“, erklärte ein Polizeisprecher. Die Mühlenberger Zeugen seien nicht kooperativ gewesen.

Am Sonntag wollte sich der eigentlich Verantwortliche der Mühlenberger C-Jugend, Oliver Zorn, bei der Polizei melden. Zorn habe „die Nase voll, ich habe den Spielern immer gesagt, sie sollen sich benehmen, weil alle auf uns schauen“.

Cichon entschuldigt sich beim Opfer

Die Mühlenberger Spieler, berichten Zeugen, feierten sich an der Stadtbahnstation am Bischofsholer Damm für die feigen Tritte.  „Wir werden mit aller Härte durchgreifen“, verspricht der stellvertretende Mühlenberger Spartenleiter Michael Cichon. Wahrscheinlich wird die Mannschaft heute nach einer Sitzung des MSV aufgelöst.

Cichon macht gerade positive Schlagzeilen mit dem Klub aus dem sozialen Problemviertel Hannovers. Er ist Trainer der ersten Mannschaft in der Bezirksliga und Tabellenführer. „Wir haben versucht, positiv aufzutreten“, sagt Cichon, „dann passiert so etwas Unfassbares. An Mühlenberg bleibt jetzt immer etwas hängen. Das ist ein Schlag ins Gesicht für uns.“

Cichon telefonierte am Sonntag mit dem Opfer El Idrissi. „Ich habe mich im Namen des Vereins entschuldigt“, sagt Cichon, „das macht es natürlich nicht wieder gut, das weiß ich.“

El Idrissi lässt sich heute intensiv untersuchen, nachdem er am Sonnabend aus der Klinik entlassen wurde. Wird er jemals wieder ein Spiel in einer Liga pfeifen, wo sogar 14-Jährige den Schiedsrichter zusammenschlagen? „Ich will weitermachen“, erklärt er.

*So geht es weiter: Nach Prügelattacke beim Mühlenberger SV: Was droht Mannschaft und Verein?


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