08. Februar 2021 / 22:59 Uhr

"Eklig und unangenehm": Darum ist Wolfsburgs Abwehr so schwer zu knacken

"Eklig und unangenehm": Darum ist Wolfsburgs Abwehr so schwer zu knacken

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Spricht über die verschärfte Quarantäne der VfL-Profis: Marcel Schäfer, der Sportdirektor der Wolfsburger.
Spricht über die verschärfte Quarantäne der VfL-Profis: Marcel Schäfer, der Sportdirektor der Wolfsburger. © Boris Baschin
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Der VfL Wolfsburg kassiert in dieser Saison extrem wenig Gegentore, 19 sind es gerade einmal. Das liegt an starker Defensivarbeit, aber auch am sicheren Schlussmann Koen Casteels.

Die Defensive des VfL steht in dieser Saison so gut wie lange nicht: Die vergangenen fünf Partien gewann das Team von Trainer Oliver Glasner zu null, gerade einmal 19 Gegentore hat der Tabellendritte nach 20 Spieltagen auf dem Konto - weniger waren es in der Geschichte des Fußball-Bundesligisten zu diesem Zeitpunkt noch nie. "Das hat sich die Mannschaft hart erarbeitet", lobt Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer.

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Auch Torhüter Koen Casteels hat großen Anteil daran, dass es für den VfL gerade so gut läuft. Mit seinen Paraden rettete der Belgier den Wolfsburgern schon einige Siege. "Koen hat uns das eine oder andere Mal in letzter Instanz vor dem Gegentor bewahrt", sagt Schäfer. So beispielsweise beim 2:1 gegen 1899 Hoffenheim, als er in der Nachspielzeit einen Elfmeter parierte. Oder beim 1:0 am Mittwoch im Pokal, als er einen Schuss von Schalkes Matthew Hoppe aus kurzer Distanz noch reflexartig mit dem Fuß über das Tor lenkte. Insgesamt achtmal spielte der Keeper in dieser Saison schon zu null, wehrte 73,1 Prozent der Bälle ab - Top-Wert in der Bundesliga.

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Doch nicht nur das: Seinen persönlichen Rekord von 300 gegentorlosen Liga-Minuten (aus der Saison 2015/16) hatte Casteels schon vor dem Augsburg-Spiel überboten. Doch jetzt ist er schon seit 397 Minuten ohne Gegentreffer - und stellte damit einen Vereinsrekord auf. Dieser lag zuvor bei 395 Minuten, den in der Spielzeit 2003/04 Ex-VfL-Torwart Simon Jentzsch aufgestellt hatte. Bis zum Bundesliga-Rekord dauert es für Casteels allerdings noch ein paar Spiele. 2003 war Timo Hildebrand für den VfB Stuttgart 885 Minuten, also neun Spiele in Folge, nicht überwunden worden. Die Bestmarke kann Wolfsburgs Keeper nur knacken, sollte er die nächsten vier Spiele sowie in den ersten 38 Minuten in Bremen ohne Gegentor bleiben.

Dass das gelingt, dafür werden Casteels und seine Vorderleute alles geben. "Der Wille, sich permanent gegen ein Gegentor zu stemmen, ist bei uns momentan ziemlich ausgeprägt", lobt Schäfer. Das gesamte Team arbeite gerade "extrem gut und intensiv gegen den Ball". Das fängt vorn bei Wout Weghorst an, der 90 Minuten anläuft und den Gegner zusammen mit den anderen Offensivkräften beim Spielaufbau unter Druck setzt. Daher sei es derzeit "eklig und unangenehm, gegen uns zu spielen", findet der Sportdirektor, der sich allerdings generell mehr Wertschätzung für Abwehrspieler wünschen würde: "Die Defensive wird leider zu selten herausgestellt, was schade ist. Der Stürmer wird für ein Tor gefeiert, aber wenn ein Abwehrspieler den Ball im letzten Moment noch von der Linie grätscht, wird das zwar lobend erwähnt, aber es interessiert leider nicht wirklich."

Mit 19 Gegentoren nach 20 Liga-Spielen stellen die Wolfsburger die zweitbeste Defensive im Oberhaus - nur RB Leipzig (17) hat weniger. Zur Einordnung: In der Vizemeister- und Pokalsieger-Saison 2014/15 hatte der VfL das einzige Mal zum selben Zeitpunkt genauso viele Gegentore auf dem Konto. Allerdings auch drei Punkte und neun geschossene Treffer mehr. Schäfer jedenfalls, der damals selbst noch für den VfL auf dem Rasen gestanden hatte, sieht zwischen beiden Spielzeiten "keine Parallelen. Es ist eine ganz andere Mannschaft mit einer anderen Art, Fußball zu spielen." Trotz ähnlich großen Potenzials.