13. Juni 2019 / 09:15 Uhr

Elbflorenz-Präsident Saegeling: "War von vornherein klar, wie schwer der Kampf wird"

Elbflorenz-Präsident Saegeling: "War von vornherein klar, wie schwer der Kampf wird"

Astrid Hofmann
Dresdner Neueste Nachrichten
Präsident Uwe Saegeling hatte mit dem HC Elbflorenz in der abgelaufenen Saison Einiges durchzustehen.
Präsident Uwe Saegeling hatte mit dem HC Elbflorenz in der abgelaufenen Saison Einiges durchzustehen. © Matthias Rietschel
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Am vorletzten Spieltag sprang der HC Elbflorenz von der Abstiegs-Schippe. Bis dahin war es ein langer Weg. Im SPORTBUZZER-Interview äußert sich Präsident Uwe Saegeling über Höhen, Tiefen und die Planung für die kommende Saison.

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Dresden. Nach nervenaufreibenden Wochen und Monaten endete zu Pfingsten für die Handballer des HC Elbflorenz die zweite Saison im Bundesliga-Unterhaus. Zum Glück gab es schon eine Woche zuvor das ersehnte Happyend, als mit dem Sieg gegen Lübeck-Schwartau der Klassenerhalt unter Dach und Fach gebracht werden konnte. Für alle, die mit den Dresdnern fieberten, war das eine Erlösung. Ganz besonders aber für einen Mann, der nicht nur als Präsident die Fäden in der Hand hält, sondern zugleich als Mäzen und Halleninhaber in besonderer Weise der Spiritus Rector dieses außergewöhnlichen Handball-Projektes in der sächsischen Landeshauptstadt ist. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 53-Jährige über graue Haare, schwere Entscheidungen und die Ausrichtung in den nächsten Jahren.

Herr Saegeling, wie viele graue Haare und Nerven hat Sie die abgelaufene Saison gekostet?

Die grauen Haare waren schon vorher da (lacht). Aber im Ernst, diese Saison war schon nervenaufreibend und mit großer Anspannung verbunden. Das hat man sicher auch nach dem Heimsieg und dem damit verbundenen Ligaverbleib gesehen. Da fiel von uns allen viel ab.

Was war für Sie der Tiefpunkt in dieser Spielzeit?

Da gab es sicher einige Momente, wie schon das Remis gegen Hagen oder die Niederlage gegen Dessau. Natürlich der Spielabbruch gegen Hamm wegen des Hallenbodens und die Entscheidung, Christian Pöhler als Cheftrainer zu beurlauben.

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Hat sich für Sie damit der alte Spruch, dass die zweite Saison die schwerste ist, am Ende bestätigt?

Eigentlich halte ich ja von diesem Spruch nichts, aber am Ende muss ich zugeben, dass er sich doch bestätigt hat.

Haben Sie bzw. das Trainerteam nach dem guten 11. Platz im Vorjahr die Liga in diesem Jahr unter- und die eigene Mannschaft überschätzt?

Nein, das würde ich nicht ansatzweise unterschreiben. Wenn fast ein Drittel der Liga absteigt, war von vornherein klar, wie schwer der Kampf wird. Natürlich waren wir für die Konkurrenz auch kein Überraschungsgegner mehr, dieser Vorteil war weg. Zudem hatten wir auf unsere Eingespieltheit gesetzt, aber dann zeigte sich, dass sich die direkten Konkurrenten vehement verstärkten.

Worin sehen Sie die Gründe, dass das Team in den Abstiegsstrudel geriet?

Neben den gerade schon erwähnten Gründen war sicher eine Ursache, dass sich im Laufe der Saison das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft verschlechtert hat. Dann bekam der eine oder andere Spieler bei Christian Pöhler nur wenige Einsatzzeiten. Nicht zuletzt hatten wir mit unseren beiden Verstärkungen Marc Pechstein und Michal Kasal durch langwierige Verletzungen auch etwas Pech.

Wie schwer fiel Ihnen die Beurlaubung von Christian Pöhler?

So etwas fällt mir nie leicht. Und ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass Christian Pöhler unser Aufstiegstrainer war, dass unter seiner Federführung wir unser Nachwuchsleistungszentrum aufgebaut haben und es zertifiziert wurde. Seine Anteile an den Erfolgen sind also keinesfalls vergessen. Doch wir mussten dann handeln, einen neuen Impuls setzen, auch wenn ich mir das vielleicht anders gewünscht hätte. Im Nachhinein erwies es sich jedoch als richtig.

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Was hat Rico Göde anders gemacht als Christian Pöhler?

Er hat den Jungs wieder das Gefühl gegeben, dass sie Handball spielen können, dass sie eine Mannschaft sind, die zusammenhält. Unter seiner Leistung haben sie den Spaß wiedergefunden, er brachte eine ganz andere Stimmung rein. Dabei spielt auch eine Rolle, dass Rico selbst ein gestandener Profi war, der vieles erlebt hat und sich in die Spieler hineinversetzen kann.

Sind Sie also mit dem 15. Platz am Ende zufrieden?

Ich bin am Ende zufrieden, dass wir über dem Strich stehen. Das ist das Wichtigste, dass wir auch weiterhin Bundesliga-Handball in Dresden sehen werden. Klar, ich hätte mir gewünscht, dass es etwas weniger aufregend läuft. Letztendlich ist es jetzt egal, ob wir 13. oder 15. sind.

Jetzt warten alle auf die Entscheidung, wie es personell mit den Trainern in der ersten Mannschaft und auch im Perspektivteam weitergeht. Rico Göde hatte die Verantwortung am Ende für beide Teams. Können Sie schon etwas verraten?

An dieser Stelle noch nicht, aber wir werden das am Donnerstag bei einer Pressekonferenz tun.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Wie sieht Ihre mittelfristige Planung für den HC Elbflorenz aus, wird der Verein in naher Zukunft im Oberhaus anklopfen?

Das wäre verfrüht. Wir wollen in den nächsten zwei, drei Jahren ein beständiges Mitglied der 2. Bundesliga sein und Schritt für Schritt im Rahmen unserer Möglichkeiten vorwärts gehen. Der Verein muss sich als Ganzes weiterentwickeln, dazu braucht es noch mehr Partner. Unser Netzwerk wächst zwar weiter, aber wir machen uns nichts vor, bei der Vielzahl an Sportmannschaften in Dresden und der begrenzten Anzahl an Firmenzentralen ist es immer auch ein harter Kampf um jeden Sponsor. Aber ich denke, inzwischen wird der HCE schon sehr positiv wahrgenommen.

Ein kurzes Wort noch zum Hallenboden. Wie sehr hat sie der Spielabbruch geärgert und gibt es schon eine finale Lösung für die Bodendeckel?

Natürlich hat mich das als Halleninhaber damals besonders gewurmt. Wir sind mit dem Glasbodenhersteller in ständigem Kontakt und arbeiten an einer endgültigen Lösung. Im Moment haben das Problem aber auch so im Griff.

Haben Sie noch Kontakt zu Christian Pöhler, hat er zum Klassenerhalt gratuliert und werden Sie mit ihm bezüglich einer Auflösung seines noch bis 2022 datierten Kontraktes sprechen?

Ja, ich habe mit ihm Kontakt und er hat auch gratuliert. Irgendwann im Sommer werden wir uns sicher treffen und alles besprechen.

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