08. September 2021 / 21:40 Uhr

Elfer-Drama! Schult hält doppelt, Wolfsburgs Fußballerinnen sind in der Champions League!

Elfer-Drama! Schult hält doppelt, Wolfsburgs Fußballerinnen sind in der Champions League!

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zwei Tore in Bordeaux: Ewa Pajor sicherte sich mit dem VfL Wolfsburg den Einzug in dei Gruppenphase der Champions League.
Zwei Tore in Bordeaux: Ewa Pajor sicherte sich mit dem VfL Wolfsburg den Einzug in dei Gruppenphase der Champions League.
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Entscheidung im Elfmeterschießen: Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg haben mit einem 5:3 n.E. bei Girondins Bordeaux die neue Gruppenphase der Champions League erreicht - nach einem wahren Drama-Spiel.

Was für ein Drama, was für ein Spiel, was für ein Happy End! Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg stehen in der Gruppenphase der Champions League - und brauchten dafür ein Elfmeterschießen. Nach dem 3:2-Sieg im Hinspiel gegen Girondins Bordeaux stand es am Mittwochabend im Rückspiel nach 90 Minuten 2:1 die Französinnen - was für Girondins gereicht hätte, gäbe es die Auswärtstorregel noch. Weil die aber abgeschafft wurde, ging es in die Verlängerung, wo erst Wolfsburg traf und Bordeaux spät ausglich. Im fälligen Elfmeterschießen parierte VfL-Torfrau Almuth Schult zwei Schüsse, ein weiterer ging an den Pfosten - so mussten nur drei Wolfsburgerinnen treffen. Endstand: 5:3 nach Elfmeterschießen für Wolfsburg. Die VfL-Tore während der 120 Minuten zuvor hatte beide Ewa Pajor erzielt.

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Das Spiel war intensiv. Die Temperaturen in Frankreich lagen bei knapp 25 Grad, das Jean-Antoine-Moueix-Stadion in der französischen Stadt Libourne kochte! Die Heimfans pushten ihre Mannschaft unermüdlich, klatschten, trommelten und sangen lautstark. Bordeaux witterte nach dem starken Auftritt im AOK-Stadion weiter seine Chance! VfL-Trainer Tommy Stroot hatte überraschend Schult uns Tor gestellt, stellte mit Lena Oberdorf und Lena Lattwein auf der Doppel-Sechs etwas defensiver auf, dazu rückte Sara Doorsoun in die Abwehrreihe. Kurz nach Anpfiff dann der erste Schock: Schult musste behandelt werden, nachdem Claire Lavogez ihr bei einem Klärungsversuch auf den Fuß trat, konnte aber weiterspielen. Und die 30-Jährige war direkt gefragt: Der VfL wackelte in der Anfangsphase vermehrt, FC-Stürmerin Katja Snoeijs hatte bereits nach 12 Minuten die erste Großchance, scheiterte aber an der Rückkehrerin.

Im Gegenzug dann der Fauxpass von Bordeaux! Abwehrspielerin Eve Perisset passte auf Torfrau Anna Moorhouse zurück, die 26-Jährige verstolperte den Ball jedoch. Pajor lauerte in bester Stürmer-Manier, lief die nervöse Engländerin an, und drückte die Kugel über die Linie - 1:0 für Wolfsburg! Die Gastgeberinnen kamen aber wieder zurück - und der VfL half dabei ordentlich mit. Doorsoun ging im Laufduell mit Maelle Garbino nicht entscheidend nach, die Offensivspielerin flankte anschließend in den Strafraum, wo Dominique Janssen und Schult sich nicht ganz einig waren. Janssen wehrte den Ball zwar ab, dieser landete aber direkt bei Snoeijs, die sich nicht zwei Mal bitten ließ und eiskalt zum 1:1 einnetzte.

Der FC wechselte zur zweiten Halbzeit Torfrau Moorhouse aus, auch die mit Gelb vorbelastete Spielmacherin Lavogez musste raus. Am Spielverlauf änderte das lange nichts, Snoeijs und Pajor hatten für beide Seiten weitere Möglichkeiten. Und dann musste der VfL plötzlich wieder zittern: Nach einem Pass chippte die Niederländerin Sisca Folkertsma den Ball mit der Hacke künstlerisch auf Melissa Gomes weiter, die mit einem sehenswerten Distanzschuss aus rund 20 Metern perfekt ins linke Eck traf - 2:1 für Bordeaux!

Es wurde zunehmend hektischer, die Partie entwickelte sich zur Nervenschlacht. Beiden Mannschaften genügte nun ein Tor zum Weiterkommen, am Ende klärte Bordeaux einen Versuch von Lattwein auf der Linie, dann scheiterte Pajor in der Nachspielzeit am Aluminium! Verlängerung! Der VfL hatte fortan wieder mehr Spielkontrolle, verteidigte konsequenter und lief die Bälle besser ab. Zudem hatte der Vizemeister den besseren Zug zum gegnerischen Tor, was sich direkt auszahlte. In der 112. Minute bediente Svenja Huth die mitrennende Pajor im Strafraum - die Polin wurde nicht bedrängt, zog ab - und glich aus! Die Wolfsburgerinnen wollten das Ergebnis über die Zeit retten - aber die Freude erlischte, als Mickaella Cardia den Ball kurz vor Ende der Verlängerung aus der Distanz erneut ins linke Eck schlenzte, somit stand es in der Summe wieder 5:5 - es ging ins Elfmeterschießen!

Eve Perisset trat als Erstes für die Französinnen an und zielte nach links, Schult antizipierte stark und parierte den Schuss! Die Freude war groß, als Nächstes stellte sich Lena Oberdorf an den Punkt. Und die 19-Jährige zeigte Nerven! Ihren Schuss platzierte sie ins rechte Eck, FC-Torhüterin Mylene Chavas sprang nach links. Auch den zweiten Elfmeter für Bordeaux wollte Charlotte Bilbault links verwandeln, Schult war aber erneut zur Stelle! Die Wolfsburgerinnen waren nun klar im Vorteil, Eingewächs Joelle Wedemeyer versenkte auch den dritten Elfmeter für die VfLerinnen. Sisca Folkertsma wollte Girondins wieder ran bringen, ballerte jedoch an den Pfosten. Ein weiterer Treffer genügte nun, Sara Doorsoun besiegelte mit ihrem Elfmetertreffer endgültig den Einzug in die Gruppenphase!


FC: Moorhouse (46. Chavas) - Lardez (62. Cardia), Gilles, Berkely, Perisset - Bilbault, Folkertsma - Palis (33. Garbino), Jaurena, Lavogez (46. Gomes (112.) Dufour) - Snoeijs (73. Gudmunsdottir).

VfL: Schult - Doorsoun, Hendrich, Janssen, Wedemeyer - Lattwein, Oberdorf - Huth, Roord (73. van de Sanden), Wolter (80. Blomqvist) - Pajor.

Tore: 0:1 (25.) Pajor, 1:1 (36.) Snoeijs, 2:1 (67.) Gomes, 2:2 (112.) Pajor, 3:2 (119.) Cardia.

Schiedsrichterin: Martinez Madrona (Spanien).

Auslosung am 13. September

Die Auslosung der neuen Gruppenphase wird am 13. September im Livestream aus Nyon gezeigt. Insgesamt nehmen 16 Teams an der ersten Gruppenphase des Wettbewerbs teil, die in Heim- und Auswärtsspielen gegeneinander antreten. Der VfL Wolfsburg ist als einer von drei deutschen Teilnehmern dabei. Neben dem Vizemeister schaffte es auch 1899 Hoffenheim über zwei Qualifikationsrunden. Der Tabellendritte der vergangenen Saison setzte sich überragend gegen den AC Mailand und FC Rosengard durch. Der FC Bayern München hingegen steht als Meister automatisch in der Gruppenphase.

Topf 1 besteht aus dem Titelverteidiger und den Meistern der Top-Verbände (Barcelona, Paris, Bayern und Chelsea). Die restlichen Lostöpfe werden auf Basis der Klubkoeffizientenrangliste zum Saisonbeginn zusammengestellt. Es werden vier Vierergruppen gebildet, die je aus einem Team aus jedem Lostopf bestehen. Der VfL landet in Topf 2 und wird in seiner Gruppe entweder auf Titelverteidiger Barcelona, auf Chelsea oder auf Paris Saint-Germain treffen! Klubs aus dem gleichen Verband können nicht in eine Gruppe gelost werden. 1899 Hoffenheim qualifizierte sich am Mittwoch durch ein 3:3 (nach einem 3:0-Auswärtssieg im Hinspiel) gegen den FC Rosengard aus Schweden für die Gruppenphase.

Gruppenphase
1. Spieltag: 5./6. Oktober
2. Spieltag: 13./14. Oktober
3. Spieltag: 9./10. November
4. Spieltag: 17./18. November
5. Spieltag: 8./9. Dezember
6. Spieltag: 15./16. Dezember