17. Juni 2020 / 16:14 Uhr

Elf Meter, fünf Schützen, ein Drama: Kuriose Bezirkspokal-Entscheidung vom Punkt

Elf Meter, fünf Schützen, ein Drama: Kuriose Bezirkspokal-Entscheidung vom Punkt

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Im Elfmeterschießen fällt in Lastrup die Entscheidung.
Im Elfmeterschießen fällt in Lastrup die Entscheidung. © Pixabay/Montage
Anzeige

Sieg oder Niederlage - darüber entscheidet im Fußball mitunter das Elfmeterschießen. Im Bezirkspokal Weser-Ems gibt es gar keine andere Möglichkeit, einen Sieger zu ermitteln. Stefan Brinker, Vorsitzender des Spielausschusses, erklärt #GABFAF eine absolute Neuheit im Amateurfußball.

Anzeige
Anzeige

Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

Das gab es im deutschen Fußball noch nie! Keine 90 Minuten. Keine Verlängerung. Es geht gleich ins Elfmeterschießen. Der Bezirk Weser-Ems startet ein Projekt mit Strahlkraft. "Diese Region ist der Vorreiter. Das werden sich alle anderen Kreise und Bezirke ganz genau anschauen", sagt Ansgar Nieberg, Pokal-Leiter im niedersächsischen Fußballverband, gegenüber #GABFAF.

Mehr zu #GABFAF

Der Plan für den 20. Juni ist klar strukturiert. Insgesamt neun Mannschaften reisen morgens zur Sportanlage in Lastrup. Mit einem Achtelfinal-Elfmeterschießen geht alles gegen 10.45 Uhr los. Der Bezirksligist SV Altenoythe trifft auf den Landesligisten VfR Voxtrup. Eine Favoritenrolle lässt das Duell vom Punkt nicht zu. "Es ist aber fairer als die Alternative, den Sieger per Losentscheid zu stimmen. Beim Elfmeterschießen kann man sich selbst noch mit einbringen", meint Organisator Stefan Brinker im Gespräch mit #GABFAF. Nervenstärke und gute Torhüter sind gefragt.

Fünf Schützen, ein Torwart und ein Team-Verantwortlicher

Insgesamt fünf Schützen sowie einen Mannschaftsverantwortlichen darf jeder Klub bestimmen. Diese dürfe am "Tag der Entscheidungen" nicht ausgetauscht werden. Treffen alle fünf Schützen, geht es im Modus Eins-Gegen-Eins weiter. Mehr als zwei Stunden plant der Veranstalter insgesamt für die acht Partien nicht ein. "Nach uns kommen noch die Mädchen und Frauen. Die spielen den jeweiligen Bezirkspokal-Sieger auch im Elfmeterschießen aus", so Brinker. Corona lässt mehr aktuell nicht zu.

Deutschland und Elfmeterschießen - eine Erfolgsgeschichte

Das erste Elfmeterschießen bei einem großen Turnier erlebte die deutsche Nationalelf 1976 im EM-Finale gegen die Tschechoslowakei. Nachdem Uli Honeß den Ball in den Belgrader Nachthimmel drosch... Zur Galerie
Das erste Elfmeterschießen bei einem großen Turnier erlebte die deutsche Nationalelf 1976 im EM-Finale gegen die Tschechoslowakei. Nachdem Uli Honeß den Ball in den Belgrader Nachthimmel drosch... © imago

Die Regeln beim Elfmeterschießen stehen detailliert im Hygieneplan. Beispielsweise muss der vorgeschriebene Abstand von zwei Metern eingehalten werden, Zuschauer und Fans müssen draußen bleiben und duschen ist sowieso auf dem Gelände im Anschluss nicht drin. "Man darf auch nur mit Abstand jubeln – außer die Spieler kommen aus einem Haushalt. Den Pokal muss sich der Sieger am Ende auch vom Tisch nehmen. Wir gratulieren nur aus der Ferne. Die Regeln müssen alle klar eingehalten werden", betont der Chef-Organisator aus dem Bezirk Weser-Ems.

Elfmeterschießen oder Losentscheid?

Neben den Verantwortlichen soll ein Schiedsrichter-Gespann aus der Oberliga für einen reibungslosen Ablauf sorgen – ausgestattet mit einem desinfizierten Spielball. Ein Schiri steht auf der Torlinie, ein anderer in der Nähe des Schützens und der dritte behält die wartenden Spieler am Mittelkreis im Blick. Für Pokalleiter Nieberg spielt beim Elfmeterschießen nicht nur Glück eine Rolle. "Man kann als Mannschaft Einfluss auf das Weiterkommen nehmen. Im Pokal kommt es öfters mal zu so einer Entscheidung. Diese Variante ist besser als der Losentscheid."

Wie die Kreis- und Bezirkspokale in den einzelnen Gebieten enden, kann jeder selbst entscheiden. Das Elfmeterschießen ist eine Idee, die auch in anderen niedersächsischen Pokal-Wettbewerben geplant ist. Am "Tag der Entscheidungen" in Lastrup erhalten Verantwortliche aus anderen Regionen live im Internet erste Eindrücke. Verschiedene Streaming-Plattformen machen es möglich, dass auch nicht ausgewählte Spieler sowie Team-Verantwortliche das Geschehen in Lastrup live verfolgen können.

Am Ende bleibt aber bei wohl allen Sportlern ein Wunsch, den Brinker im Gespräch mit #GABFAF abschließend aufgreift: "Ich hoffe einfach, dass wir so etwas nie wieder machen müssen. Da sind mir die 90 Minuten schon viel lieber."