14. Dezember 2017 / 08:00 Uhr

Elmar Paulke vor der Darts-WM: "Darts passt in die Event-Zeit"

Elmar Paulke vor der Darts-WM: "Darts passt in die Event-Zeit"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
SPORT1-Kommentator bei der Darts-WM: Elmar Paulke.
SPORT1-Kommentator bei der Darts-WM: Elmar Paulke. © SPORT1
Anzeige

Am Donnerstag beginnt die Darts-WM im berühmten Londoner Ally Pally. Der SPORTBUZZER sprach vor dem Start des Turniers mit SPORT1-Kommentator Elmar Paulke über Favoriten, die Begeisterung für Darts und die fehlenden deutschen Topstars.

Anzeige

Wenn am Donnerstag (täglich ab 20 Uhr bei SPORT1) die Darts-WM beginnt und bis ins neue Jahr hinein gespielt wird, wird das SPORT1-Kommentatoren-Duo Elmar Paulke und Tomas "Shorty" Seyler den deutschen Fans das Turnier wieder in Wohnzimmer übertragen. Der SPORTBUZZER sprach vor Beginn des Turniers mit SPORT1-Kommentator Paulke über die Darts-Begeisterung in Deutschland, die Favoriten bei der WM und ein Treffen mit der Darts-Legende Phil Taylor.

Anzeige

Elmar Paulke, was bedeutet Darts für Sie?

Viele Dinge. Es ist eine große Leidenschaft und bedeutet, viele Stunden am Kommentatoren-Platz zusitzen und etwas zu verfolgen, was mich begeistert. Darts war für mich aber auch ein Sprungbrett bezüglich meiner eigenen Karriere. Ich habe zwei Bücher geschrieben, kommentiere inzwischen neben Darts für SPORT1 auch für Pro7 Samstagabend-Shows und moderiere Veranstaltungen der PDC auf der Bühne.

Darts hat in Deutschland in den vergangenen Jahren einen wahren Boom erlebt, obwohl ein echtes Zugpferd fehlt. Wie erklären Sie das?

So eine Entwicklung hat es noch nie gegeben. Normalerweise gibt es einen deutschen Star, weshalb die Sportart dann in den Mittelpunkt rückt. Beim Darts kam das über die TV-Übertragung. Darts hat einen interessanten Mix, was der Sport beim Zuschauer auslöst. Es gibt die große Fangemeinde imHintergrund der Bühne, die laut feiert. Das wäre doch beim Golf undenkbar. Für den Spieler ist es hingegen unglaublich schwierig, auf der Bühne in einen Tunnel zu kommen. Das macht den Reiz aus. Die PDC bezieht die Zuschauer ein, indem sie die zu bemalenden Schilder verteilt oder Kostüme prämiert. Das passt in die heutige Event-Zeit. Zum Fußball gehen die Leute doch auch nicht mehr, weil es nur um die 90 Minuten geht. Das löst eine große Faszination aus.

Die gesetzten Teilnehmer der Darts-WM 2019

1. Michael van Gerwen (Niederlande): Der 29-Jährige spielt seit 2007 in der PDC. 2014 und 2017 wurde er im Ally Pally bereits Weltmeister und ist 2018 der große Favorit. Zur Galerie
1. Michael van Gerwen (Niederlande): Der 29-Jährige spielt seit 2007 in der PDC. 2014 und 2017 wurde er im Ally Pally bereits Weltmeister und ist 2018 der große Favorit. © imago/Getty

Wären Sie auch gern mal ein Zuschauer, der verkleidet feiert?

Ehrlich gesagt nein. Für mich besteht die Begeisterung nicht in der Stimmung, sondern im Mental-Sport. Die Sportler leisten unglaublich viel unter Druck. Mich fasziniert, wie sie mit den Situationen umgehen, wenn sie unbedingt ein Doppelfeld treffen müssen. Die Topspieler wie Michael van Gerwen oder Phil Taylor sind ausgesprochen gut darin. Natürlich ist die Party cool, aber das mentale Spiel ist cooler.

Warum?

Der fünfmalige Darts-Weltmeister Eric Bristow hat mal gesagt, dass Darts wie vier Stunden Elfmeterschießen im Fußball ist. Das ist ein passender Vergleich. Du denkst beim Elfmeterschießen, dass es ganz leicht ist. Wenn dir aber 80.000 Leute zugucken, ist es gar nicht mehr so einfach. Ähnlich ist es beim Darts. Es sieht viel leichter aus, als es ist. Da stecken unendlich viele Übungsstunden drin. Phil Taylor wird im Laufe seiner Karriere über 20 Millionen Mal einen Pfeil geworfen haben. Das ist ganz viel Fleiß und Disziplin gepaart mit mentaler Stärke. Das wissen auch diejenigen, die die Party feiern. Denn nur mit Party bist du nicht über Jahre hinweg erfolgreich – auch wenn es diese Stimmung nur beim Darts gibt.

Bei der WM werden wieder sehr viele Fans vorm Fernseher sitzen und der Sport erfährt eine Aufmerksamkeit, die er die Saison über nicht hat. Warum?

Schon allein der Ally Pally, dieses große, pompöse Gebäude, macht viel aus. Zudem ist der Zeitpunkt der WM gut gewählt. Zwischen Weihnachten und Neujahr läuft doch sonst kaum Sport im Fernsehen. Wenn alle Filme gesehen sind, mit allen Verwandten gesprochen wurde, bist du froh, wenn ein bisschen Darts im Fernsehen läuft (lacht). Die Zeit spielt eine große Rolle. Bei der WM können sich Karrieren und Leben verändern. Da fiebern die Zuschauer mit. Peter Wright ist 2010 ins Turnier gegangenen und dachte, er beendet danach seine Karriere. Dann steht er 2017 im Halbfinale und ist in den Top10. Heute ist er Weltklasse.

Mehr zur Darts-WM

Peter Wright ist der Paradiesvogel, alle kennen Taylor und van Gerwen. Ist der Sport aufgrund derTypen so erfolgreich?

Die Typen schaffen eine hohe Wiedererkennbarkeit. Du siehst die Jungs einmal und erkennst sie wieder. Es sind unterschiedliche Charaktere, die aufeinandertreffen. Teilweise haben die Sportler ein Kneipenimage, lösen damit aber eine hohe Identifikation bei den Leuten aus.

Die WM steht im Zeichen des Abschieds von Phil Taylor. Sie haben ihn im November noch für eine Sport1-Doku getroffen. Welchen Eindruck macht er auf Sie?

Er wirkt sehr aufgeräumt. Taylor hatte vor ein, zwei Jahren Spiele abgeschenkt. 2017 wollte er wieder alle Spiele gewinnen, aber der Druck des Gewinnens lastet nicht mehr auf ihm. Er hat Erfolge in seiner Karriere nie gefeiert und, sich nie darauf aufgeruht. Als er früher mit einem Pokal nach Hause gekommen ist, hat sein Vater gefragt, was als Nächstes kommt. In diesem Jahr wird er 180 Exhibitions gespielt haben. Das ist total anstrengend, aber er hat immer gesagt, er muss ja weitermachen. Taylor will auch die WM noch einmal gewinnen. So bereitet er sich vor und auch die Topstars trauen ihm das zu. Auch weil Taylor keine Melancholie entwickelt. Er lässt es nicht an sich ran, dass es sein letztes Spiel sein könnte.

Die 14 PDC-WM-Titel von Darts-Profi Phil Taylor

Phil Taylor in seinen jungen Jahren: 1995 gewann er nach zwei Titeln bei der BDO seinen ersten PDC-Darts-WM-Titel. Zur Galerie
Phil Taylor in seinen jungen Jahren: 1995 gewann er nach zwei Titeln bei der BDO seinen ersten PDC-Darts-WM-Titel. © Getty

Wem trauen Sie neben Taylor den Titel zu?

Van Gerwen, Wright und Garry Anderson. Aber ich glaube, dass es seine sehr spannende WM wird. Taylor, Mensur Suljović oder Raymond van Barneveld sind immer für Überraschungen gut, weil sie ein gutes Timing und Erfahrung haben. Zudem hat es der Modus mit den Sätzen in sich.

Aus Deutschland sind Kevin Münch und Martin Schindler dabei. Was trauen Sie den beiden zu?

Für mich ist es eine Überraschung, dass Kevin Münch sich noch einmal für die WM qualifiziert hat. Deshalb kann er das entspannter angehen, weil er kein Profi ist. Er ist Landschaftsgärtner und muss nicht gewinnen, damit der Kühlschrank gefüllt ist. Bei Martin Schindler ist das anders. Er spielt als Profi auf der Tour. Er hat konstant gespielt und auch mal ein paar Runden auf bei den Profis gewonnen. Ob er aber Simon Whitlock schlagen kann? Wahrscheinlich nicht. Aber er ist bei den wichtigen Spielen in dieser Saison immer da gewesen.

Warum hat Deutschland eigentlich keinen Topstar, anders als beispielsweise die Niederländer?

In den Niederländern ging der Boom vor 20 Jahren los, als Raymond van Barneveld den ersten WMTitel geholt hat. Die haben Spieler in ihrem Land, die wissen, was es bedeutet, Darts-Profi zu sein. Das fehlt den Besten in Deutschland. Sie trainieren noch nicht so professionell. Für mich gehört ein Mentalcoach dazu, genauso wie die Statistik. Die Deutschen trainieren, spielen viele Matches – aber es ist nochnicht auf dem höchsten Niveau.

Game On für die Darts-WM auf SPORT1

Am Donnerstag, 14. Dezember, startet live ab 20:00 Uhr auf SPORT1 die Darts-Weltmeisterschaft 2018 im legendären Alexandra Palace in London. SPORT1 ist beim Darts-Highlight des Jahres mittendrin und präsentiert die Darts-WM mit der größten Berichterstattung, die es bislang im deutschen TV gegeben hat: Erstmals sind alle Sessions des Turniers in rund 100 Livestunden im Free-TV zu sehen. Als Kommentator ist die deutsche Darts-Stimme Elmar Paulke zusammen mit Experte Tomas „Shorty“ Seyler im Einsatz. Moderator Sascha Bandermann liefert über das komplette Turnier Interviews und Eindrücke aus dem „Ally Pally“. Im weiteren Turnierverlauf ist auch der deutsche Darts-Profi Max Hopp als Experte am Mikrofon im Einsatz. Neben den Liveübertragungen zeigt SPORT1 zum WM-Start am Donnerstag, 14. Dezember, ab 19:00 Uhr die exklusive Reportage „Road to Ally Pally – Phil Taylors letzte WM“ sowie regelmäßige Zusammenfassungen – insgesamt stehen 21 Tage Darts am Stück auf dem Programm. Als führende 360°-Sportplattform in Deutschland bildet SPORT1 die Darts-WM über sämtliche digitale Plattformen ab: Auf SPORT1.de, in der SPORT1 Darts App und auf den sozialen Kanälen von SPORT1 gibt es Videos, Interviews, Vorschauberichte und vieles mehr. Dazu werden alle WM-Sessions parallel zum TV auch als Livestream auf Facebook und YouTube angeboten.

Das SPORT1-Kommentatoren-Duo: Experte Shorty Seyler (links) und Kommentator Elmar Paulke.
Das SPORT1-Kommentatoren-Duo: Experte "Shorty" Seyler (links) und Kommentator Elmar Paulke. © SPORT1

Sport1 setzt extrem auf Darts und ist damit vor allem während der WM erfolgreich. Wäre das auf anderen Sendern auch der Fall?

Das hängt immer von den Einschaltquoten ab. Wenn nationaler Erfolg da ist, werden wir diesen Darts-Boom noch viel größer erleben und dann haben auch noch größere Sender Interesse daran. Ich glaube, dass gerade die WM in den entscheidenden Tagen Potenzial für einen der ganz großen Sender hätte. Selbst große Zeitungen berichten darüber. Wenn im heute-Journal ein Berichtaus dem Ally Pally kommt, ist der Sport in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Sie kommentieren die WM bei Sport1 an der Seite von Tomas „Shorty“ Seyler. Die Fans mögen dieses Zusammenspiel zwischen Ihnen. Was macht Sie als Duo aus?

Wir schaffen einen ganz guten Mix aus Unterhaltung und Sport – so wie die Veranstaltung an sich eben auch ist. Shorty und ich sagen uns teilweise auch On Air die Meinung. Es war nie geplant, dass wir lustig sein wollen. Das ist einfach so entstanden. Das macht uns Spaß und das merken auch die Zuschauer.