21. Juli 2014 / 09:33 Uhr

Eltern der Nachwuchsspieler sind größter Sponsor für den Verein

Eltern der Nachwuchsspieler sind größter Sponsor für den Verein

Wilko Finke
Leipziger Volkszeitung
Leitet die Geschicke beim SV Naunhof: Rainer Lisiewicz.
Leitet die Geschicke beim SV Naunhof: Rainer Lisiewicz. © Norman Rembarz
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Naunhofs Vereinschef Rainer Lisiewicz braucht sich über Mangel an Vereinsarbeit nicht beschweren.

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Muldental. Als Spieler kickte er einst bei Lok Leipzig sogar in internationalen Gefilden. Als Trainer war er auch höherklassig tätig. Die Rede ist von Rainer Lisiewicz, der unserer Zeitung Rede und Antwort stand und auch verriet, warum er derzeit in ein weiteres Fußballmetier einstieg und was er für Pläne mit den SV Naunhof hat.

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Frage: Als bekannt wurde, dass Sie beim SV Naunhof einsteigen, rechneten viele damit, es kommt zum Trainerwechsel im ersten Herrenteam. Doch es kam anders, als viele dachten. Wie ist es zu erklären, dass Sie Vereinschef wurden?

Rainer Lisiewicz: Ganz einfach, ich habe mich überreden lassen.

Wie charakterisieren Sie ihre neue Tätigkeit?

Es ist ganz anders, als wenn man Trainer ist. Als Coach hast du deine Mannschaft, und eigentlich ist es dir - salopp ausgedrückt - schnurzpiepegal, was die anderen machen. Als Präsident bist Du für den ganzen Verein verantwortlich. Das ist ein viel größeres Aufgabengebiet, von der ersten Männermannschaft bis zu den Bambinis und in unserem Fall auch für die Frauenmannschaft bin ich mit verantwortlich. Es ist ganz wichtig, dass dir am Anfang vieles gelingt, manches braucht aber seine Zeit.

Gelang der Einstieg nach Maß?

Ich denke schon, zumal mir vieles leicht gemacht wurde.

Sie sprachen es an, auch um den Kinder- und Jugendbereich gilt es sich zu kümmern. Wie sieht es mit Nachwuchs beim SV 1920 aus?

Zum Glück ist die Zusammenarbeit mit Großsteinberg fast ein Selbstläufer, da passt vieles zusammen. Hier springt ein beiderseitiger Vorteil heraus. Aber auch unsere eigenständigen Nachwuchsteams sind zum Teil gut unterwegs.

Soll in Zukunft in den vier Bezirksligen (heißen inzwischen Landesklassen) Naunhof vertreten sein?

Gut wäre es, aber da muss schon vieles passen. Derzeit müssen wir erst einmal kleinere Brötchen backen, sind wir dabei, den Nachwuchsbereich zu stabilisieren, sind aber auf Partner noch angewiesen. Wir können noch nicht in allen Altersklassen eigenständig an den Start gehen. Natürlich wollen wir immer das Bestmögliche erreichen. Es gilt vor allem die Eltern für den Verein, in dem ihre Kinder spielen, zu begeistern, denn die Eltern sind inzwischen der größte Sponsor eines Vereins.

Scheitern Pläne noch an Voraussetzungen?

Leider ja. Es fehlt vor allem an Nachwuchsübungsleitern. Von denen könnten wir noch einige gebrauchen.

Verantwortliche der Frauenmannschaft sahen es mit Skepsis, als bekannt wurde, dass Sie neuer „Präsi“ beim SV 1920 werden. War die Befürchtung berechtigt?

Unsere Frauen gehen in der Meisterschaft auf Kreisebene im Kleinfeld auf Punktejagd. Sollte sich hier etwas bewegen, gäbe es auch keine Probleme, wenn sie auf Großfeld Bezirksliga spielen wollen. Sie sind auf keinen Fall das fünfte Rad am Wagen. Es ist wichtig, eine Frauenabteilung zu haben.

In Naunhof gibt es keine Mädchennachwuchsmannschaften, soll es auch im Fußball in absehbarer Zeit welche geben?

Noch deutet nichts darauf hin. Mädchen, die gern dem runden Leder hinterherjagen wollen, können in den Jungsmannschaften trainieren und auch spielen.

Welche Veränderung gibt es im Männerbereich?

Eine ganz wichtige. Wir sind auf einem guten Weg, wieder eine zweite Herren an den Start zu bringen. 2014/15 allerdings noch in Spielgemeinschaft; aber ich denke, bald gibt es eine eigenständige Zweite an der Clade.

Warum wurde mit Hochdruck daran gearbeitet, schnell eine Zweite zu bilden?

Ganz einfach. Eine zweite Mannschaft bildet die Grundlage, dass die nachrückenden Jugendlichen in den Männerbereich im Verein bleiben. Eine Zweite bietet ehrgeizigen Spielern die Chance, sich für die Erste anzubieten.

Wir wollen nicht vom Weg abkommen, uns auch der ersten Herren widmen. Verfehlte sie das Saisonziel?

Auf alle Fälle. Viele Spieler überschätzten sich, dachten, Naunhof sei das beste Team. Die Realität sah allerdings anders aus, der Bumerang kam schnell zurück. In der zweiten Halbserie gelang auswärts kein Sieg. Da braucht sich letztlich keiner wundern, wenn zwei andere Teams besser sind. Sicher gab es Ausfälle zahlreicher Spieler, aber nur daran hat die Nichterfüllung des Planes nicht gehangen. Man hätte am Wochenende auch mal etwas anderes liegen lassen können, um Fußball zu spielen.

Warum kam es zur Trainerentlassung von Thomas Richter?

Ich war mehr oder weniger das ausführende Organ. Es ist nun mal so: Wenn erhoffte Erfolge ausbleiben, wird gehandelt. Manchmal sogar, wenn Erfolge da sind. Das bekam ich selbst zu spüren. Bei Lok Leipzig und in Sandersdorf war ich erfolgreich, musste aber gehen, weil ich einigen Herren nicht ins Konzept passte.

Wenn ein Trainer geht, kommt eine neuer. Ronny Hofmann hatte von den Außenstehenden keiner auf der Rechnung. Warum er?

Ronny fragte ich, ob er bereit ist, uns weiter auf dem Rasen zu helfen. Er druckste etwas herum, verwies auf seine Verletzungen. Daraufhin sprach ich ihn an, ob er sich vorstellen könne, die Truppe zu übernehmen. Genug Erfahrung hat er, zudem auch einen guten Stand im Team. Ich sagte mir, da machst du nicht den Bock zum Gärtner. Ich denke, das ist eine gute Lösung.

Am Saisonende verlassen Spieler ihre Vereine. Auch in Naunhof war das so. Wer steht 2014/15 nicht mehr zur Verfügung?

Mit Holm Beyer sind wir noch im Gespräch. Wir würden es gern sehen, wenn er zusammen mit Sven Birnbaum das Co-Trainerduo bildet. Sie haben als ehemalige Oberligaspieler aus Grimmaer Zeiten viel Erfahrung und könnten so „Hoffi“ tatkräftig zur Seite stehen. Beide haben noch kleine Kinder und könnten sich so auch abwechseln. Und, wenn Not am Mann ist, sogar für einen Kurzeinsatz auflaufen.

Wieviel Neue werden kommende Saison in der Clade auflaufen?

Mit Neuverpflichtungen sind wir noch nicht am Ende. Ich habe einige Kontakte geknüpft, und es stehen auch noch Gespräche mit potenziellen Interessenten an. Mehr gibt es zu dieser Problematik momentan nicht zu sagen.

Stimmt die Buschfunkmeldung, dass mit René Heusel ein echter Torjäger kommen wird?

Die Meldung stimmt, René haben wir verpflichtet. Über seine Qualitäten brauche ich sicher kein Wort zu verlieren.

Welche weiteren Spieler stehen schon fest?

Vom FSV Grün-Weiß Großbothen wechselt Sebastian Trutz zu uns. Aus dem eigenen Nachwuchs kommt Maximilian Ackermann. Und, wenn man so will, wird Robert Brandis, der allerdings schon einige Einsätze im ersten Männerteam hatte, Stammspieler.

Ein Wort zu den Abgängen. Warum wechselte Torhüter Frank Neugebauer zum SV Tresenwald?

Die Mannschaft favorisierte Martin Gäwel, sicher hat das auch einen Ausschlag gegeben. Er möchte mehr im Tor stehen, als auf der Bank sitzen. Das akzeptieren wir, haben aber nun das Problem, auf Torwartsuche gehen zu müssen.

Wer hörte noch auf?

Martin Fichtner ging nach Rackwitz. Ich hätte ihn gern in Naunhof behalten, weil er Potenzial hat, noch nicht am Ende der Leiter angekommen ist. Er hat sich aber entschieden zu gehen.

In der Serie 2013/14 ist mit Sicherheit jedem Naunhofer Spieler und auch den Verantwortlichen im Verein klargeworden, dass ein Landesklasseaufstieg nicht im Selbstlauf bewältigt wird. Werden in Naunhof die Pläne, höher als Kreisoberliga zu spielen, in die unterste Schublade gelegt?

Auf keinen Fall. Wenn vieles einen normalen Lauf nimmt, ist der Aufstieg schon 2014/15 machbar. Daran werden wir intensiv arbeiten. Ob es letztlich klappt, bleibt abzuwarten.