20. Januar 2022 / 21:00 Uhr

"Lehrstunde" gegen Spanien: EM-Dämpfer für deutsche Handballer nach Corona-Wirbel

"Lehrstunde" gegen Spanien: EM-Dämpfer für deutsche Handballer nach Corona-Wirbel

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Deutschland um Bundestrainer Alfred Gislason hat eine klare Niederlage gegen Spanien kassiert.
Deutschland um Bundestrainer Alfred Gislason hat eine klare Niederlage gegen Spanien kassiert. © dpa/Montage
Anzeige

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat ihr erstes Spiel bei dieser Europameisterschaft verloren. Nach dem neuen Corona-Wirbel rund um das DHB-Team unterlag die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason dem Titelverteidiger aus Spanien deutlich. Vor der Partie musste der Coach erneut drei Spieler nachnominieren.

Es gibt Dinge bei dieser Handball-EM, die kann man sich nicht ausdenken. Als sich Deutschlands Handballer für das erste Hauptrundenspiel gegen Spanien aufwärmten, eilte Christoph Steinert vom Hotel zu Fuß in die Arena hinterher. Der Linkshänder hatte nach einem schwach positiven Befund in drei weiteren, offiziellen Folgetests negative Ergebnisse, so dass er in letzter Minute grünes Licht erhalten hatte. Doch auch mit Steinert reichte es gegen den Titelverteidiger nicht. 23:29 (12:14) – die erste EM-Niederlage.

Anzeige

"Wir hatten nach der Pause sehr viele, zu schnelle Fehlwürfe. Und wenn die Abwehr keinen Zugriff bekommt, haben wir gegen die routinierten Spanier keine Chance", erklärte Bundestrainer Alfred Gislason. Grund: Dass seine Jungs den ganzen Tag auf dem Zimmer sind, stecke ihnen in den Knochen. "Unser Spiel war nie so richtig flüssig."

"Das war nach der Pause eine Lehrstunde"

Es wird dennoch weitergespielt. Am Abend zuvor hatte sich der DHB-Stab trotz zwölf Corona-Fällen gegen einen Rückzug aus dem Turnier entschieden. Eine Verlegung der Spanien-Partie wurde durch den europäischen Verband EHF aber abgelehnt. Fünf Stunden vor dem Anwurf die Erlösung: Die Tests sind negativ. Mit den eingeflogenen Lukas Stutzke, David Schmidt und Tobias Reichmann hatte Gislason 16 Spieler.

Die DHB-Sieben machte da weiter, wo sie gegen Polen aufgehört hatte. Im Angriff – sehr diszipliniert, gute Lösungen findend, vor allem über den Kreis. Die Abwehr – nicht so spritzig, dafür kämpferisch, solide. Doch nach dem 10:9 (20.) fehlte es hinten an Galligkeit und vorn an Tiefe. Die Fehler mehrten sich. An Spaniens Keeper Gonzalo Perez de Vargas kam kaum einer mehr vorbei (16 Paraden). Neun Minuten Torflaute mussten die Deutschen verkraften. "Das war nach der Pause eine Lehrstunde", befand Julian Köster.

DHB-Rückzug wegen Corona? Millionenkosten und ein Ausschluss für die Heim-EM drohen

Es wird weitergespielt. Nur ist das zu verantworten? 101 positive Fälle gab es in den 24 teilnehmenden Teams seit dem 1. Januar. Die Deutschen sagen Ja. "Das war eine klare Risikoabwägung", erklärte der Vorstandsvorsitzende Mark Schober. In Summe habe diese dazu geführt, „dass wir weitermachen“.

Da ist die Gesundheit der infizierten Spieler. "Es sind nicht alle symptomfrei, aber eben nicht schwerwiegend." Für Schober wichtig: Aus der Mannschaft gibt es das "starke Signal" für einen Verbleib. Dass weitergespielt wird, hat auch wirtschaftliche Gründe, die in den "EHF-Euro-Regularien" beschrieben sind. Da ist die Rede von 35.000 Euro Geldstrafe, von Entschädigungen an den Ausrichter, die teilnehmenden Nationen, die EHF und deren Vertragspartner. Auch die TV-Sender der noch vier gegnerischen Teams plus ARD und ZDF könnten Regressforderungen stellen. Der Rechtsstreit zwischen Sport A, der Rechteagentur von ARD und ZDF, und dem Vermarkter des Weltverbandes IHF, Sportfive, über das ausgefallene WM-Spiel Kap Verde gegen Deutschland 2021 lässt die Dimension erahnen: Da soll es um 2 Millionen Euro gehen. Heißt: Auf den DHB würden im Falle eines Rückzugs Millionenkosten zukommen. Nicht genug: Die Regularien sehen einen Ausschluss bei den nächsten zwei Europameisterschaften vor. Deutschland wäre bei der EM 2024 im eigenen Land nicht dabei.