09. Juli 2021 / 20:07 Uhr

EM-Entdeckung Schult: "Kann mir vorstellen, das noch mal zu machen"

EM-Entdeckung Schult: "Kann mir vorstellen, das noch mal zu machen"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Almuth Schult vom VfL Wolfsburg überzeugte als ARD-Expertin.
Almuth Schult vom VfL Wolfsburg überzeugte als ARD-Expertin. © ARD
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Sie ist Torfrau des VfL Wolfsburg und der deutschen Nationalmannschaft - und war bei der Männer-EM eine der großen Entdeckungen: Almuth Schult überzeugte als ARD-Expertin. Es muss nicht ihr letzter Job dieser Art gewesen sein.

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Authentisch, kompetent und meinungsstark – für Almuth Schult gab es während der EM viel Lob von allen Seiten. Die Torfrau des VfL Wolfsburg und der deutschen Nationalmannschaft überzeugte als Teil des Experten-Trios der ARD. Im SPORTBUZZER-Interview spricht sie über den TV-Job, ihren neuen Bekanntheitsgrad und ihren Spaß am Turnier.

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Frau Schult, wer bei großen Turnieren im Einsatz war, bekommt hinterher eigentlich Extra-Urlaub und muss erst später in die Saisonvorbereitung einsteigen - gilt das auch für Sie?

Nein (lacht), natürlich nicht. Ich habe auch während der EM artig meinen Trainingsplan durchgezogen - Läufe, Krafttraining, Stabilisationsübungen. Ich war ja die ganze Zeit in Köln, mein Mann und die Kinder waren dabei, wir hatten hier eine Art Ferienwohnung.

Haben Sie bei Ihren Laufeinheiten in Köln gemerkt, dass Sie während der EM immer bekannter geworden sind?

Schon, ja. Bei den Läufen, oder auch beim Einkaufen oder beim Bummeln. Einmal hat ein Taxifahrer die Scheibe heruntergekurbelt und gerufen: ,Du bist doch aus dem Fernsehen, cool, du machst einen guten Job!" Und in der Fußgängerzone merkt man schon, dass einen die Leute plötzlich verstärkt angucken.

Unangenehm?

Nein, bisher nicht. Und ehrlich gesagt: In dem Dorf, in dem ich wohne, hat sich nichts geändert. Das ist sowieso das wichtigste.

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Sie sind im Social-Media-Bereich so gut wie gar nicht unterwegs. Haben Sie trotzdem ein Gefühl dafür, wie gut Sie als EM-Expertin angekommen sind?

Eher indirekt. Ich habe ja auch einige Interviews gegeben, da wurde dann in den Fragen mal was zitiert. Oder Freunde und Familie haben mir was geschrieben und geschickt. Wenn die dann meinten, dass sie zufrieden sind, dann freut mich das sowieso am allermeisten - weil ich dann weiß, dass es bei denen gut ankommt, die mir wichtig sind. Und das Sportschau-Team ist auch zufrieden.

Wie war so ein typischer TV-Tag?

Wenn drei Spiele waren, vor allem sehr lang. Es gibt Vorbesprechungen, Redaktionskonferenzen, in die Maske muss man dann auch noch, schaut sich Spielszenen an, liest Statistiken. Und ich habe natürlich alle Spiele geguckt, auch an den Tagen, an denen die ARD nicht dran war.

Sie haben sich in der Rolle sichtbar wohlgefühlt - mussten Sie sich da erst reinfinden?

Am Anfang war schon ein bisschen Druck da. Ich war ja die erste Frau, die so etwas bei einem großen Männer-Turnier gemacht hat. Da fragt man sich dann schon, wie das ankommt, gerade bei der ersten Sendung, wenn man weiß, dass da viele genau hinschauen. Aber ich habe immer versucht, dieses Thema gar nicht zu sehr zu besetzen. Ich habe zu "Frauen und Fußball" oder auch zu meiner eigenen Mannschaft wenig Bezug genommen. Weil es eben darum nicht ging. Sondern darum, einfach die Spiele zu bewerten.

Andere TV-Frauen - von Claudia Neumann bis Jessy Wellmer - haben viel Kritik einstecken müssen, die zum Teil auch unsachlich, sexistisch oder diskriminierend war. Haben Sie das mitbekommen?

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Wenig. Ich habe in der Zeit kaum etwas gelesen, auch über mich nicht. Sondern mich nur auf meine Aufgabe konzentriert. Kritik an sich ist ja völlig in Ordnung und gehört dazu. Aber es hat eben alles seine Grenzen. Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, wenn es unter die Gürtellinie geht.

Bei Ihnen schien vor allem auch die Chemie mit Stefan Kuntz und Kevin Prince Boateng schien zu stimmen.

Ja, das war super. Wir waren für die Zeit ja fast so etwas wie eine große Familie, haben uns sehr gut verstanden - auch, wenn wir nicht auf Sendung waren. Das gilt aber nicht nur für die Beiden, sondern auch für Alex Bommes und die Leute hinter der Kamera. Beim gesamten Sportschau-Team möchte ich mich für die gute Arbeitsatmosphäre bedanken. Das hat wirklich vieles leichter gemacht.

Als Boateng einmal sagte, Hummels sei schon "so lange im Game“, hatten Sie einen kleinen Lachanfall. Hat das eine Vorgeschichte?

Wir hatten natürlich schon unsere kleinen Insider-Gags, und dieser Moment während der Sendung baute darauf auf - deswegen musste ich so lachen. Wir haben da hinterher auch noch alle gemeinsam drüber gelacht, und "ist im game" hat immer mal wieder für Stimmung bei uns gesorgt.

Man hatte das Gefühl, dass Ihnen gerade auch die Spielanalysen durchaus leichtfielen. Haben Sie Fußball auch vorher so analytisch gesehen?

Ich habe in meinen Mannschaften schon immer auf Taktik und Technik geschaut, habe viel auch hinterfragt und mit meinen jeweiligen Trainern und Trainerinnen darüber gesprochen. Wenn man im Tor steht, sieht man von hinten ja auch viele Dinge ganz gut.

Was hat Ihnen rein sportlich am besten gefallen?

Vor allem, dass es ein sehr spannendes Turnier war, mit engen Halbfinalspielen und einigen Überraschungen in den Runden davor, das war super. Und viele Mannschaften hatten eigene Herangehensweisen, einen eigenen Stil, den man gut erkennen konnte.

Können Sie sich vorstellen, nach der aktiven Karriere im Fernsehen zu arbeiten?

Ich habe gelernt, im Leben nicht zu weit zu planen. Das hat mir jetzt Spaß gemacht und ich kann mir vorstellen, so etwas noch einmal zu machen. Aber was in zehn Jahren ist, weiß ich nicht.

Zum Schluss noch die Pflichtfrage: Wer gewinnt das Endspiel?

Italien war die konstanteste Mannschaft im Turnier. Aber England hat jetzt zum Schluss Fahrt aufgenommen, ist immer so hoch wie nötig gesprungen, um über die nächste Hürde zu kommen. Außerdem haben die Engländer mit den eigenen Fans in Wembley und dem Bewusstsein, nach 55 Jahren mal wieder in einem großen Finale zu stehen, viel Rückenwind. So gesehen, haben beide eine gute Ausgangsposition. Ich hoffe, dass es am Ende einen verdienten Sieger gibt - und vorher ein spannendes Endspiel.