19. Juni 2021 / 12:24 Uhr

Eder ohne Vertrag und mit Torflaute: der Absturz von Portugals EM-Held

Eder ohne Vertrag und mit Torflaute: der Absturz von Portugals EM-Held

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Eder steht nur noch bis Ende Juni bei Lokomotive Moskau unter Vertrag. Der Held von der EM 2016 steht inzwischen nur noch selten im Fokus.
Eder steht nur noch bis Ende Juni bei Lokomotive Moskau unter Vertrag. Der Held von der EM 2016 steht inzwischen nur noch selten im Fokus. © IMAGO/MB Media Solutions/Getty (Montage)
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Im EM-Finale 2016 gehört Eder die Hauptrolle: In der 109. Minute schießt der damals 29-Jährige die portugiesische Nationalmannschaft zum Titel. Ausgerechnet gegen Gastgeber Frankreich, wo Eder damals als Leihspieler beim OSC Lille unter Vertrag steht. Die steile Karriere bleibt danach aus. Ab 1. Juli ist der inzwischen 33-Jährige vertragslos. In der Nationalmannschaft ist er längst nicht mehr aktiv.

Trainer Fernando Santos und Kapitän Cristiano Ronaldo sind eigentlich die entscheidenden Figuren bei Portugals EM-Triumph 2016 in Frankreich. Seinen Karriere-Höhepunkt erlebt aber ein anderer. Im Finale läuft die 109. Minute: Eder bezwingt mit einem Flachschuss aus 25 Metern Frankreichs Keeper Hugo Lloris. Und ist am Ende der Held beim 1:0-Sieg gegen den Gastgeber.

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Über Nacht ein Star. Der Weg bis in den Kader der portugiesischen Nationalmannschaft war für den in Guinea-Bissau geborenen Eder indes ein langer. Der inzwischen 33 Jahre alte Angreifer erlebte nach der Einreise in Portugal im Alter von zwei Jahren eine schwierige Kindheit, verbrachte viel Zeit in Heimen. Zu seinen leiblichen Eltern hatte Eder nur wenig Kontakt. Sein Vater saß in England 16 Jahre lang im Gefängnis, weil er Eders Stiefmutter getötet hat. Und auch aus sportlicher Sicht lief nicht alles nach Plan. Der Stürmer kickte zunächst für einige unterklassige Klubs, schloss sich 2012 dem SC Braga an, wo er den Durchbruch schaffte.

2014 folgte die sportliche Enttäuschung: Eder war bei der WM im Sturm der portugiesischen Nationalmannschaft gesetzt. Nach drei Spielen ohne Treffer und dem frühen Turnier-Aus wurde er als einer der Hauptschuldigen ausgemacht.

Eder vom "hässlichen Entlein" zum "wunderschönen Schwan"

Zwei Jahre später gehörte Eder in den französischen EM-Stadien nur noch der Platz auf der Bank. In der Gruppenphase kam er gegen Island und Österreich jeweils für ein paar Minuten auf den Rasen, in den vier folgenden Spielen saß der Angreifer die gesamte Spielzeit lang draußen. Erst im Finale kam Eder wieder zum Einsatz – in der 79. Minute für den verletzten Renato Sanches. Sein goldenes Tor brachte ihm in der Heimat Legendenstatus ein. Trainer Santos beschrieb es damals so: "Das hässliche Entlein ist reingekommen und hat getroffen. Jetzt ist er ein wunderschöner Schwan."

Inzwischen ist dieser "wunderschöne Schwan" fast komplett abgetaucht. Bis Ende Juni steht Eder noch in Russland bei Lokomotive Moskau unter Vertrag, wo er in 20 Ligaspielen einen Treffer erzielte. Für die EM wurde er nicht mehr berücksichtigt. Eine Rückkehr in seine Heimat erscheint denkbar. Dort genießt er weiter hohes Ansehen.