02. März 2020 / 17:43 Uhr

Emma Hinze nach Bahnrad-WM: "Mache weiter mein Ding"

Emma Hinze nach Bahnrad-WM: "Mache weiter mein Ding"

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Die dreimalige Weltmeisterin Emma Hinze fährt weiter für das Track-Team Brandenburg.
Die dreimalige Weltmeisterin Emma Hinze fährt weiter für das Track-Team Brandenburg. © Sebastian Gollnow/dpa
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Bahnradsport: Sie war das strahlende Golden-Girl der Weltmeisterschaften im Bahnradsport von Berlin. Die Cottbuserin Emma Hinze durfte dreimal das Regenbogentrikot überstreifen. Im SPORTBUZZER-Interview erzählt sie über ihren WM-Rausch, ihre Rolle als Olympia-Favoritin und die Sehnsucht nach Urlaub.

Emma Hinze war die herausragende Athletin bei den Weltmeisterschaften im Bahnradsport in Berlin. Die erst 22 Jahre alte Cottbuserin holte sich die Goldmedaillen im Teamsprint, Sprint und Keirin. Dieses Triple hatte vor ihr nur Rekordweltmeisterin Kristina Vogel 2014 geschafft. Im SPORTBUZZER-Interview spricht Emma Hinze über die WM-Tage in Berlin, ihren Umgang mit den Medien, die Favoritenbürde für Olympia in Tokio und ihre Rolle als Nachfolgerin von Kristina Vogel.

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Was war Ihr erster Gedanke, als Sie am Montag aufgewacht sind?
Emma Hinze: Ich habe nur gegrinst und auf meine drei Weltmeistertrikots mit dem Regenbogen geschaut, die ich in meinem Hotelzimmer aufgehängt hatte. Ich glaube, ich muss das alles immer noch verarbeiten.

Welche von den drei Goldmedaillen hat den größten Stellenwert für Sie? Der Titel im Sprint ist am Spektakulärsten, weil das die Königsdisziplin ist. Da musst du zwei Tage lang gegen immer neue Gegnerinnen kämpfen und diese in zwei Läufen zweimal besiegen. Das ist mental sehr hart. Als ich im Halbfinale die WM-Titelverteidigerin geschlagen hatte, wusste ich, jetzt kannst du auch Weltmeisterin werden, jetzt hält dich keine mehr auf.

Vor der WM hatten Sie auf eine Medaille gehofft, nun dreimal Gold gewonnen. Worauf führen Sie den herausragenden Erfolg zurück?
Ich hatte gut trainiert, unser Plan in der Vorbereitung ist aufgegangen. Ich bin Bestzeiten gefahren, es hat alles gestimmt. Vom Kopf her war ich mehr bereit zu gewinnen. Dieser Siegeswille war bei den Weltcups nicht so da. Da war ich froh, wenn ich es ins Finale geschafft hatte. Das ist wohl ein Prozess, der da abläuft. Irgendwann will man mehr.

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Wie kommen Sie damit klar, plötzlich im Rampenlicht zu stehen? Bisher ganz gut. Ich versuche, so zu bleiben wie ich bin. Das Publikum hat mich super gepusht. Nach den Rennen alle Fragen der Journalisten zu beantworten, war ganz schön stressig, weil ich ja irgendwann auch zu meiner Familie wollte. Am Sonntag musste ich nach der Siegerehrung noch zur Doping-Kontrolle, das hat lange gedauert. Meine Eltern aus Hildesheim sind dann leider schon abgereist, weil sie ja am Montag wieder zur Arbeit mussten. Ich habe viele Nachrichten und E-Mails bekommen, hatte aber noch keine Zeit, mir alles anzusehen.

Wer hat den größten Anteil am Erfolg? Mein Heimtrainer Alexander Harisanow. Als ich nach meinen Erfolgen bei den Junioren in den Elitebereich gewechselt war, hat es überhaupt nicht funktioniert. Ich hatte immer wieder Rückenprobleme. Dann bin ich im Oktober 2017 wieder zu Herrn Harisanow gewechselt, der mich vorher schon mal betreut hatte. Eigentlich sollte er nur Reha-Training mit mir machen. Aber dann hat es so gut funktioniert, dass wir weiter zusammen gearbeitet haben. Ich weiß jetzt noch gar nicht, ob das auch nach Olympia so bleiben wird.

Konnten Sie sich selbst noch ein bisschen belohnen? Ja, am Abend waren wir noch zum Essen und ich habe mir seit langem mal wieder eine Pizza gegönnt mit Parmaschinken und Mozzarella. Mozzarella geht bei mir immer.

Nun gelten Sie als große Goldfavoritin für die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio. Wie gehen Sie damit um? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich will den Moment erst einmal genießen. Sicher muss ich in der Zukunft lernen, mit der Favoritenrolle umzugehen. Ich versuche weiter, mein Ding zu machen. Ich werde mich nicht verunsichern lassen. Es hat in Berlin alles so gut geklappt.

In Bildern: Die Brandenburger "Bilder der Woche" der Saison 2019/20.

Die Brandenburger Bilder der Woche der Saison 2019/20. Zur Galerie
Die Brandenburger "Bilder der Woche" der Saison 2019/20. ©

Wie bekommt man das hin, zweimal im Jahr in Topform zu sein? Ich denke schon, dass ich das schaffen kann, wenn ich keine Verletzung habe und nicht krank werde. Das wird ein harter Weg.

Was nehmen Sie außer den drei Goldmedaillen und Regenbogentrikots von der WM mit? Ganz, ganz viel Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Ich weiß aber auch, ich darf das jetzt nicht schleifen lassen. Olympische Spiele sind noch mal was ganz anderes als eine WM. Ich freue mich darauf, eine Absage wegen des Coronavirus wäre sehr schade. Bei Olympia dürfen nur zwei deutsche Sprinterinnen starten, eine aus dem Weltmeistertrio wird nur Ersatzfrau sein. Vor vier Jahren in Rio war ich Ersatzfrau. Ich denke, wenn ich gut in Form bleibe, kommt man an der Dreifach-Weltmeisterin nicht vorbei. Aber ich muss natürlich auch erst die Nominierung abwarten.


Sind Sie nun die Nachfolgerin von Kristina Vogel? Ich vergleiche mich nicht mit ihr. Ich fahre jetzt in einer anderen Zeit. Ich habe sie auch nie gefragt, wie man fährt. Wir waren nicht so eng zusammen im Team, ich war noch zu jung.

Was steht als Nächstes an? Ich fliege mit meinem Freund für anderthalb Wochen nach Fuerteventura. Da mache ich mal gar nichts.

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