24. Juni 2021 / 09:14 Uhr

Emotionaler Abschied für fünf DHfK-Profis - ein Spieler kommt in die Hall of Fame

Emotionaler Abschied für fünf DHfK-Profis - ein Spieler kommt in die Hall of Fame

Matthias Roth
Leipziger Volkszeitung
Der SC DHfK Leipzig wird Thomas Oehlrichs Nummer 10 künftig nicht mehr vergeben.
Der SC DHfK Leipzig wird Thomas Oehlrichs Nummer 10 künftig nicht mehr vergeben. © Picture Point
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Viel Gefühl, Erinnerungen, Tränen: Nach dem letzten Heimspiel am Mittwochabend hat Handball-Bundesligist SC DHfK Leipzig mit Philipp Weber, Niclas Pieczkowski, Martin Larsen und Bastian Roscheck vier Akteure aus dem aktuellen Profi-Kader verabschiedet. Thomas Oehlrich, der zuletzt in der U23 auf der Platte stand, wurde  zudem eine ganz besondere Ehre  zuteil.

Leipzig. Für ihre große Show sind die Handballer des SC DHfK Leipzig bekannt. Am Mittwochabend sorgte der Bundesligist nach dem Abpfiff der Partie gegen die HSG Nordhorn-Lingen (24:21) für Gänsehaut bei den Fans. Spieler und Anhänger mussten sich sogar die eine oder andere Träne aus dem Auge wischen. Der Verein verabschiedete gleich fünf Profis aus seinen Reihen. Während Philipp Weber (Magdeburg), Bastian Roscheck (noch offen), Niclas Pieczkowski (Minden) und Martin Larsen (Aalborg) in anderen Vereinen weiterspielen, sagte ein Hüne am Kreis ganz leise Servus.

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Kein Mann der großen Worte

Thomas Oehlrich hört mit dem Leistungshandball auf und wurde von den Grün-Weißen besonders geehrt. Das Trikot des 36-Jährigen hängt nun in der clubeigenen "Hall of Fame" unter dem Hallendach. Oehlrich steht für den Aufschwung des Leipziger Handballs wie kaum ein anderer Spieler. Nach der Insolvenz von Concordia Delitzsch wechselte er mit anderen erfahrenen Spielern 2010 zum SC DHfK und führte die Mannschaft anschließend Schritt für Schritt nach oben.

DURCHKLICKEN: Die Abschiedsworte des DHfK-Quartetts

<b>Niclas Pieczkowski:</b> Ich trete nach außen nie so richtig emotional auf, aber das alles bedeutet mir so viel. Ich bin für die ganzen fünf Jahre dankbar. Dafür wie ich aufgenommen wurde, wie ich begleitet wurde und wie die Fans mich unterstützt haben. Wenn man mitbekommt, dass die Jugendspieler zu einem aufschauen, macht einen das unglaublich stolz. Zur Galerie
Niclas Pieczkowski: "Ich trete nach außen nie so richtig emotional auf, aber das alles bedeutet mir so viel. Ich bin für die ganzen fünf Jahre dankbar. Dafür wie ich aufgenommen wurde, wie ich begleitet wurde und wie die Fans mich unterstützt haben. Wenn man mitbekommt, dass die Jugendspieler zu einem aufschauen, macht einen das unglaublich stolz." ©

Große Worte hat Oehlrich dabei nie gemacht. Auch nicht, wenn der Bundespolizist mal wieder direkt vom Einsatz kam und in der Umkleidekabine seine Uniform gegen das grün-weiße Trikot tauschte. Manager Karsten Günther hat dann auch die für ihn „krasseste Anekdote“ auf Lager. „Es war noch in der zweiten Liga ausgerechnet gegen Nordhorn, den Gegner von heute“, so Günther. Der SC DHfK lag zur Halbzeit zurück und damals noch in der Ernst-Grube-Halle flog in der Pause eine Seitentür auf. Herein stürmten sechs Bereitschaftspolizisten und brachten Oehlrich von einem Einsatz direkt zum Spiel. Die Leipziger gewannen die Partie noch.

Weber, Rosckeck und "Pitsche" in die Hall of Fame?

Im Spiel gab der 1,98 Meter große Modellathlet stets alles, eckte aber mit seiner körperbetonten Spielweise häufig bei den Schiedsrichtern an, die ihn gern mit Zweit-Minuten-Strafen bedachten und manchmal auch schon vor dem Abpfiff zum Duschen schickten. In den vergangenen Jahr spielte „Oehle“ noch für die zweite Mannschaft und gab den Talenten der U23 Rückhalt und Orientierungspunkte. Der wortkarge Oehlrich blieb sich auch am Mittwoch treu. „Ich bin kein Mann der Wort, ich möchte einfach nur Danke sagen“, so der gebürtige Oschatzer zu den Fans, die auch für ihn in der Halle geblieben waren und nicht an das Deutschland-Spiel bei der EM dachten.

Oehlrich in Hall of Fame der Handballer des SC DHfK aufgenommen

Einige Fans fragten sich allerdings am Rande: Hätten die Nationalspieler Weber, Roscheck und Pieczkowski nicht auch einen Platz in der "Hall of Fame" verdient? Die Antwortet lautet: Das ist noch möglich. Der SC DHfK will diese besondere Ehrung nur noch nach dem Karriereende vergeben. "Darüber können wir dann also in ein paar Jahren reden", so Günther. In der Ehrenloge haben neben Oehlrich bereits Christian Prokop, Maik Wolf, Uli Streitenberger, René Boese und das Europacupsiegerteam von 1966 einen Platz gefunden.

(Mit: Nico Schmook)