22. November 2017 / 21:36 Uhr

Emotionales Leipziger Fußballderby mit Licht und Schatten

Emotionales Leipziger Fußballderby mit Licht und Schatten

Udo Zagrodnik
SPORTBUZZER-Nutzer
Nach dem emotionalen Fußballderby 1.FC Lokomotive gegen BSG Chemie. USER-BEITRAG
Nach dem emotionalen Fußballderby 1.FC Lokomotive gegen BSG Chemie. © Udo Zagrodnik
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Lokomotive gegen Chemie torlos und von Ballerei überschattet.

Leipzig. Am Buß– und Bettag wurde im Bruno–Plache–Stadion (südlich des Denkmals) das bekannteste Leipziger Fußballderby ausgetragen, vor 6.371 Zuschauern, 1.FC Lokomotive gegen BSG Chemie. Es war auch die Begegnung Probstheida gegen Leutzsch, deren Anpfiff um rund fünfzehn Minuten nach hinten verschoben wurde. Es begann mit Choreographie beider Fanblöcke und mit Knallerei und Raketen bei den Grün–Weißen. Bereits nach zwei Minuten kam ein Eckball der Blau–Gelben gefährlich in den Chemie–Strafraum und nachfolgend eine weitere Ecke. Viele sahen den Ball schon im Tor. Im Gegenzug ging ein 25 m–Freistoß übers Lok–Tor. In der Folgezeit wurde es ein typisches Stadtderby mit Emotionen. Nach knapp einer halben Stunde Spielzeit war Rudelbildung. Dem vorausgegangen war ein Foul der Chemiecker und nachfolgend Revanchefoul der Lokschen. Das Spiel lief weiter, doch ohne Zählbares. Somit stand es noch torlos als vom Schiedsrichter Henry Müller der Pausenpfiff ertönte. Assistiert wurde er von Matthias Alm und Nico Savoli.

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Mit dem Wiederanpfiff waren kurz hintereinander zwei Spielunterbrechungen. Erst zündelten die Chemie–Fans und dann Lok–Fans, die sich auf der Gegengeraden kurz vor der Pufferzone platziert hatten. Bengalos flogen in den Innenraum. Von der Masse der Fans kamen Pfiffe Richtung Chaoten und Rufe: „Wir sind Lok–Fans und ihr nicht.“ Im Innenraum wurde das Polizeiaufgebot erhöht und zwei Wasserwerfer sind vorgefahren. Das Spiel lief weiter und Djamal Ziane bekam im gegnerischen Strafraum kurz hintereinander zwei Schubser, so das er zu Boden ging. Der Schiedsrichter lies weiterspielen und mit der nächsten Aktion landete der Ball am rechten Pfosten der Leutzscher. Nur fünf Minuten später ging auf der Gegenseite ein Fernschuss übers Tor. Am Ende blieb es torlos und einzelne Spieler beider Teams zeigten sich nach dem Schlußpfiff kurzzeitig mit Emotionen, behagten sich. Hat der Autor (aus Regis–Breitingen) richtig auf seine Uhr geschaut, vom Schiedsrichter wurde nur die Unterbrechungszeit drangehängt, nachgespielt. Die Loksche Elf (die Probstheidaer) bedankte sich noch bei ihren Beifall klatschenden Fans. Und da waren noch die Lok–Rufe und in Richtung Rivalen Absteiger–Rufe. Auch die Chemieelf feierte mit ihren rund 1.200 Fans. Der Blick auf die Regionalliga–Tabelle sagt, das Lok an der Spitzengruppe dran bleibt und Chemie im Keller verharrt.

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Emotionales Leipziger Stadtderby (33) (Udo Zagrodnik) Zur Galerie
Emotionales Leipziger Stadtderby (33) (Udo Zagrodnik) ©

Kleines Fazit des Autors: Es war ein typisches Derby wie man es auch aus anderen Städten und Regionen kennt. Die Lokomotive hatte ein Chancenplus, konnte es aber nicht in Tore umsetzen. Das was aufs Lok–Tor kam, das wurde Torhüter Benjamin Kirsten weggefangen. Und bei Chemie stand die Abwehr um Torhüter Julien Latendresse–Levesque (vergangene Saison noch bei Lok) sicher und hatte in einzelnen Szenen Glück. Zusammengefasst, es war wie vorausgesagt ein enges Derby geworden. Skandalös ist, das immer wieder einzelne Fans ausrasten und ins Licht einen großen Schatten werfen. Leidtragend(e) ist die Masse, sind die normalen Fans und die Teams. Und das wirft wieder viele Fragen auf, weil es Gewalt immer wieder beim Fußball und im Alltag gibt, die immer mehr steigend ist. Hierzu war vor wenigen Tagen in der LVZ–Kuppel eine Talkrunde mit dem Leipziger Polizeipräsidenten Bernd Merbitz, bei dem vieles schonungslos beim Namen genannt wurde, auch staatliche Versäumnisse. Das Leipzig Fernsehen berichtete per Liveübertragung und am Folgetag per Zusammenfassung. Auch die Leipziger Volkszeitung berichtete zum Thema.


Zurück zum Fußball. Was rund um diese Begegnung noch auffiel: Schon anderthalb Stunden vorm Anpfiff war im weiträumigen Einzugsgebiet Stau und die Kontrollen begannen in Lößnig und an der Stadion nahen Prager Straße. Die Mannschaft der BSG Chemie (die Gästeelf) wurde durch den Hintereingang ins Stadion geleitet. Die Choreographie in der 1966er Fankurve war beeindruckend, mit einer Eisenbahn und am Zaun einer blau–gelben Ballfahne. Der Gästeblock war optisch zweigeteilt in Grün und Weiß, dazu schwenkende Fahnen und am Zaun ein bekanntes ehrenvolles Transparent. In der Halbzeitpause wurde den Siemens–Arbeitern gedacht, deren Leipziger Werk Opfer der Konzernsparmaßnahmen werden soll.

Unter den Zuschauern waren wieder flaggezeigend die Fans aus Friedersdorf (Oberlausitz) und dem nahen Görlitz. „Einmal um die ganze Welt“, sang einst Karel Gott (für sein Lebenswerk mit der goldenen Henne geehrt). Und so ist es auch. Neben den Oberlausitzern hatte sich (mit Flagge) eine Fangruppe aus der goldenen Stadt Prag platziert. Zu diesem Internationalen passt das Folgende.

Das der Leipzig Probstheidaer Fußball noch heute, in Deutschland und Europa, einen großen und klangvollen Namen hat wird in Folgenden deutlich. Monaco: RB Leipzig wird mit dem 1. FC Lok verwechselt, man sollte diese Geschichte mit Humor tragen und sich zurück erinnern an frühere Europacuptage des 1.FC Lokomotive Leipzig. Und dies war auch Gesprächsthema am Rande des Derbys. Und Lok–Fans die in heutiger Zeit schon auf der britischen Insel urlaubten berichteten dem Autor, das die Lokomotive auch dort willkommen ist und Erinnerungen weckt.

Vorausgeschaut:

Sonntag, 25.11.2017 / Fußball–Regionalliga Nordost / Anstoß 13.30 Uhr 

Bruno–Plache–Stadion / 1.FC Lokomotive Leipzig gegen Berliner AK

Alfred–Kunze–Sportpark / BSG Chemie Leipzig gegen Hertha BSC II

Fußball–Kreisoberliga Muldental/Leipziger Land / Anstoß 14 Uhr / TSV Großsteinberg gegen SV Regis–Breitingen